Untersuchungen abgeschlossen

Bahn frei: Keine Schäden an ICE-3 gefunden

20. Juli 2008 Eineinhalb Wochen nach dem Unfall eines ICE-3 in Köln hat die Bahn die außerplanmäßige Kontrolle aller baugleichen Züge abgeschlossen. „Bei den über 60 untersuchten Fahrzeugen wurden keine Auffälligkeiten festgestellt“, teilte Bahnsprecher Jürgen Kornmann am Sonntag mit. Fachleute vermuten, dass der Bruch einer Radsatzwelle bei dem Unfall nicht auf einen Materialfehler, sondern auf eine äußere Beschädigung zurückzuführen ist.

Als Konsequenz aus dem Entgleisen eines Hochgeschwindigkeitszugs am Kölner Hauptbahnhof am 9. Juli wurden fast alle ICE-3 für Ultraschalluntersuchungen der Radsatzwellen aus dem Verkehr gezogen. Es kam zu erheblichen Behinderungen im Fernverkehr. Für die Überprüfungen wurden in den DB-Werken München, Dortmund und Frankfurt am Main laut Bahn mehr als 100 Sonderschichten gefahren.

Äußere Einwirkung wahrscheinlich Unfallursache

Experten vermuten äußere Einwirkungen als Ursache des Achsbruchs. Günter Löffler von der TU Dresden sagte dem „Spiegel“: „Alles spricht für eine äußere Beschädigung der Radsatzwelle, etwa durch lose Metallteile des Bahn-Unterbodens oder Gegenstände auf dem Gleis.“ Das würde auch erklären, warum Reisende schon vor dem Unfall auf der Strecke zwischen Frankfurt und Köln Geräusche gehört hätten, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für die Technik spurgeführter Fahrzeuge. Die Welle selbst sei vermutlich erst beim Anfahren des Zuges gebrochen, weil dabei die höchste Belastung auftrete.

Expertenkreise bestätigten am Wochenende, dass die bisherigen Erkenntnisse in diese Richtung deuteten. Auch Ingenieure der Deutschen Bahn sollen diese Erklärung für wahrscheinlich halten. Bahnsprecher Kornmann wollte dies mit Verweis auf die noch nicht abgeschlossene Untersuchung nicht kommentieren.

Bahn widersetzte sich außerplanmäßiger Überprüfung

Der „Spiegel“ berichtete weiter, die Bahn habe sich der außerplanmäßigen Überprüfung zunächst widersetzt. Nachdem auch das Eisenbahnbundesamt (EBA) das Unternehmen erst nicht zu der aufwendigen Wartungsaktion habe bewegen können, sei Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee aktiv geworden. Er habe Spitzenbeamte aus seinem Haus aufgefordert, das Bahn-Management zum Einlenken zu bewegen. Das Ministerium wollte den Bericht nicht kommentieren.

Bahnsprecher Kornmann wollte zu den Abläufen im einzelnen ebenfalls nicht Stellung nehmen. Er widersprach aber der Darstellung, der Konzern habe zu den Überprüfungen erst gezwungen werden müssen. Es habe nach dem Unfall auf Fachebene Diskussionen über die notwendigen Maßnahmen gegeben. Man habe sich dann gemeinsam mit dem EBA auf die Überprüfungen geeinigt. Die Bahn verwahre sich gegen den Eindruck, sie habe nicht konstruktiv an einer Lösung mitgearbeitet. Das EBA hatte erklärt, es könne keine Rede davon sein, dass der Bahnvorstand erst durch die Aufsichtsbehörde zu den Maßnahmen habe gedrängt werden müssen.

Knapp ein Drittel hat noch Vertrauen in Hochgeschwindigkeitszüge

Nach dem Unfall von Köln hat einer Umfrage zufolge noch knapp ein Drittel (31 Prozent) der Deutschen volles Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Hochgeschwindigkeitszüge. Vier Prozent der 1.011 Befragten erklärten laut Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts polis/Usuma für „Focus“, sie vertrauten dem ICE überhaupt nicht mehr.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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