Nike-Präsident Charles D. Denson

„Ich betrachte China nicht als Herausforderung“

14. Mai 2008 Die Olympischen Spiele in Peking sind eeine Herausforderung für Hersteller von Sportartikeln. Gerade in China ringen sie um steigende Marktanteile. Nike ist dort schon die Nummer eins. Präsident Charles D. Denson erklärt im F.A.Z.-Interview, dass sein Unternehmen weitere Zukäufe in Asien erwägt.

Die Querelen um die olympische Fackel haben auch Adidas als Ausstatter der Chinesen geschädigt. Ist es ein Risiko für westliche Konzerne, in China als Sponsor aufzutreten?

Wir konzentrieren uns nicht grundlos nur auf die Athleten und deren Verbände, bei uns steht der Sport selber im Mittelpunkt. Allein für China haben wir 22 der 28 olympischen Verbände unter Vertrag. Ich halte es aber nicht grundsätzlich für problematischer, Geschäfte mit China zu machen, als mit anderen Ländern. Einige der Themen, die nun hochkommen, betreffen doch alle, nicht nur die Sponsoren. Es ist gut, dass darüber jetzt gesprochen wird.

China ist der wichtigste Wachstumsmarkt. Wo wollen Sie in China in fünf Jahren stehen?

Nike ist die Nummer eins im chinesischen Markt, und das wollen wir bleiben. Schon heute ist China der zweitgrößte Markt in unserem Portfolio nach Amerika. Dabei kratzen wir alle in China doch bislang nur an der Oberfläche. Die Einkommen der chinesischen Konsumenten steigen weiter, und auch die Bedeutung des Sports nimmt weiter zu.

Ihr schärfster Konkurrent Adidas ist Ihnen dicht auf den Fersen. Adidas will 5000 Läden bis 2010 in China haben . . .

Ehrlich gesagt, berührt mich das nicht. Wir gehen unseren Weg, konzentrieren uns zunächst auf die großen Städte, weiten die Geschäfte nun auf mittlere Städte und solche im Westen aus. Bislang haben wir sehr erfolgreich mit Partnern zusammengearbeitet, nun folgen unsere ersten eigenen Läden. Seien Sie versichert: Was immer es braucht, unsere Stellung als Nummer eins in China abzusichern, wir werden es tun.

Wo liegen die größten Herausforderungen für denjenigen, der den chinesischen Markt erobern will?

Ich betrachte China überhaupt nicht als Herausforderung, sondern als Chance. Unsere Erfahrungen, die wir über Jahrzehnte in anderen Ländern gesammelt haben, können wir hier nun umsetzen. Das ist eine Chance, die es in dieser Welt nicht sonderlich oft gibt.

Mehr und mehr Vorstandsvorsitzende betonen die Risiken Chinas . . .

Ich freue mich, da auf der anderen Seite zu stehen. Im Ernst: Mir ist es lieber, bei allen Schwierigkeiten einen Markt auszubauen, der um 50 Prozent im Jahr zulegt, als einen Markt wiederbeleben zu müssen, der zusammengebrochen ist.

Ihre Wettbewerber bauen mehr und mehr Fertigung in anderen Ländern auf, um vor Risiken in China gefeit zu sein. Verlagern auch Sie Produktion?

Nein, wir verlagern nicht. Aber natürlich prüfen wir Alternativen, um Risiken nicht überhandnehmen zu lassen. Vietnam ist sicher eine gute Ergänzung zu China. Hier in China schauen wir auf die Lohnsteigerungen, auf das Quotenthema. Aber vergessen Sie nicht: Wir kaufen schon seit 1980 in der Volksrepublik ein. Und heute stammen 35 Prozent der Nike-Schuhe von hier. Solange China wettbewerbsfähig bleibt, werden wir bleiben.

Wächst in Indien ein zweites China für Sie heran?

Indien wächst schnell als Einkaufsstandort. Noch hat es zwar nicht die passende Infrastruktur für die Schuhindustrie, aber im Textilbereich ist es für uns schon interessant. In Indien liegen die Herausforderungen höher als in China. Allein die Begeisterung für Kricket zeigt dort das Potential für Sportmarken.

Dann haben Sie aber Nachholbedarf. Dank Reebok ist Adidas Marktführer in Indien . . .

Reebok war die führende Marke in Indien, ihr Anteil beginnt zu fallen. Denn seit zwei Jahren nehmen wir das Land richtig ernst, und wir spüren Erfolge. In Indien geht es nicht um die nächsten zwei oder drei Jahre, aber auf lange Sicht ist Indien ein interessantes Land.

Sie beginnen im Internet Kunden und Sportler zu bestimmten Themen zusammenzubringen. Stärken Sie das fortan?

Unbedingt. Unsere Kunden, besonders die Jugendlichen, leben ja in einer ganz anderen Welt als wir früher. Der müssen wir gerecht werden. Schon jetzt arbeiten wir mit Google, Myspace und Apple zusammen. Die Bedeutung solcher Kooperationen wächst. Wir nehmen das Bilden von Online-Gemeinschaften, in denen sich Läufer auf unseren Internetseiten austauschen, sehr ernst. Das Geschäft lohnt sich. Denn dadurch sind wir jede Minute mit unseren Kunden im Gespräch.

Brauchen Sie dafür Übernahmen in der Informationstechnologie?

Auf mittlere Sicht mag es dazu kommen. Derzeit aber ist es für uns viel besser und billiger, mit den Experten zusammenzuarbeiten. So können wir uns genau das Fachwissen und die Fähigkeiten sichern, die wir brauchen.

Zugekauft haben Sie aber im Fußballgeschäft. Analysten kritisieren 410 Millionen Euro für die Marke Umbro als zu teuer. Was soll sie Ihnen bringen?

Die Marke lässt sich ausbauen. Für den Fußball in Europa ist Umbro das, was Converse für unser Basketballgeschäft ist. Umbro hat ein riesiges Potential in China und Japan. Denn die Asiaten achten vor allem auf die englische Liga, in der Umbro stark ist. Und wir sind dank Umbro der weltgrößte Anbieter im Fußballgeschäft.

Stehen weitere Übernahmen an?

Ganz sicher schauen wir uns auch künftig alles sehr genau an, was zu uns passen könnte. Unsere wichtigste Aufgabe aber ist es, die Marke Nike wachsen zu lassen. Dank ihr stehen wir in diesem Jahr so gesund da wie nie zuvor. Und das sowohl hinsichtlich der Marke selber als auch von der Art her, wie wir geographisch aufgestellt sind. Natürlich wollen wir in den Schwellenländern zulegen und unsere Kernkompetenzen stärken - Fußball, Basketball und Laufsport.

Läge es dann nicht auf der Hand, eine der asiatischen Marken zu kaufen - wie etwa Li Ning in China?

In der Tat könnte es in China oder Japan zu einer Übernahme kommen. Zunächst aber liegt unser Schwerpunkt darin, Nike in China weiter auszubauen. Dann folgt der Aufbau unserer anderen Marken wie Converse oder Umbro dort.

Sie hatten gut 60 Millionen Euro je Jahr für die Ausstattung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geboten - und waren Adidas unterlegen, die aber nur ein Drittel zahlen. Schmerzt das noch?

Zuerst einmal haben nicht wir verloren, sondern der Deutsche Fußball-Bund - und zwar viel Geld. Das wird der deutsche Fußball in der Zukunft noch zu spüren bekommen. Wir fördern nun von 2011 an die französische Nationalmannschaft. Und rüsten dank der Übernahme von Umbro nun auch die englische Nationalmannschaft aus. Rückblickend ist es für uns also kein Nachteil, nun so aufgestellt zu sein - im Gegenteil, wir stehen besser da als vorher.

Das Gespräch führte Christoph Hein.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Nike

 
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