Softwarekonzern gibt nicht auf

Microsoft sucht Verbündete für Yahoo-Zerschlagung

02. Juli 2008 Der Softwarekonzern Microsoft nimmt einem Zeitungsbericht offenbar einen neuen Anlauf für eine Übernahme des Suchmaschinengeschäfts von Yahoo. Microsoft habe in den vergangenen Tagen andere Medienkonzerne zu einer Allianz eingeladen, schreibt die Zeitung „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen. Bei Microsoft war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Eine Übernahme nur des Suchgeschäfts von Yahoo würde eine Aufspaltung des Unternehmens bedeuten.

Der Kampf um Yahoo hält die Wall Street und das Silicon Valley bereits seit einem halben Jahr in Atmen. Microsoft hatte Yahoo zunächst für mehr als 47 Milliarden Dollar ganz kaufen wollen. Yahoo hatte die Microsoft-Offerte auch wegen eines zu niedrigen Preises abgelehnt. Danach strebte Microsoft als Alternative den Kauf eines 16-Prozent-Anteils sowie des Yahoo-Suchmaschinengeschäfts an. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand des Yahoo-Managements. Yahoo ging unmittelbar danach eine Werbe-Allianz mit Google ein.

Aufspaltung wieder im Gespräch

Unter anderem soll Microsoft nun mit Time Warner und News Corp über ein Geschäft gesprochen haben. News Corp ist Eigentümer von Dow Jones, dem Herausgeber dieser Nachrichtenagentur. Im Rahmen einer Transaktion habe Microsoft in der Vergangenheit vorgeschlagen, das Yahoo-Suchmaschinengeschäft zu übernehmen und der Partner (wie etwa MySpace von News Corp oder AOL von Time Warner) dann den Rest des Konzerns.

Das „WSJ“ berichtete weiter, Yahoo sei zwischenzeitlich auch an einer Übernahme des kompletten Portals durch Microsoft interessiert gewesen. Dafür habe Yahoo-Chef Jerry Yang vom Softwareriesen allerdings einen deutlich höheren Preis verlangt als die 47 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Euro), die Microsoft zuletzt bot. Nachdem Microsoft sein Angebot offiziell zurückgezogen habe, habe Yahoo doch den von Microsoft angebotenen Preis akzeptieren wollen. Zu diesem Zeitpunkt habe der Softwarekonzern aber kein Interesse mehr an einer kompletten Übernahme gehabt. Yahoo ist inzwischen eine langfristige Partnerschaft mit seinem Erzrivalen Google eingegangen, von dem es Internet-Werbeanzeigen übernimmt.

Microsoft übernimmt Suchspezialisten Powerset

Microsoft geht unterdessen weiter auf Einkaufstour. Der Softwarekonzern habe erfolgreich Verhandlungen zum Kauf der Start-up-Firma Powerset geführt, teilte Microsoft-Manager Satya Nadella am Dienstag (Ortszeit) mit. Einzelheiten der Akquisition wurden nicht genannt.

„Wir übernehmen Powerset vor allem, weil wir von den Leuten dort beeindruckt sind“, berichtet Nadella im Microsoft-Blog im Internet. Nach Angaben der Fachzeitschrift „PC Magazin“ soll die Übernahme den Softwarekonzern rund 10 Millionen Dollar kosten. Powerset gehört zu einer Reihe von kleinen Unternehmen, die daran
arbeiten, Suchmaschinen im Netz intelligenter zu machen. Suchanfragen sollen somit zum Beispiel auch im Kontext verstanden werden. Für das Web-Lexikon Wikipedia hatte das 2005 gegründete Unternehmen aus San Francisco eine Suchtechnologie entwickelt, die unter anderem auch einfache Fragen beantworten soll. Nach Angaben von Microsoft sollen Powerset und dessen Mitarbeiter in das Team von Windows Live Search integriert werden. Powersets Technologie könne künftig Suchtreffer vermeiden, die den Nutzern nicht weiterhelfen, sagte Nadella.

Nach Zahlen von Dezember führt Google bei den Suchanfragen mit einem Anteil von rund 62 Prozent den Markt an. Yahoo steht mit knapp 13 Prozent an zweiter Stelle, Microsoft folgt mit unter drei Prozent an dritter Stelle. Der Markt für Internetwerbung hatte 2007 insgesamt ein Volumen von rund 40 Milliarden Dollar und dürfte nach Schätzungen bis 2010 auf 75 Milliarden anwachsen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP

 

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