
Der französische Versicherer Axa erhöht das Kapital um 2 Milliarden Euro, um in Asien und Ost-Europa zu expandieren. Das kündigte der nach der Allianz zweitgrößte Anbieter Europas am Montag in Paris an. „Wir glauben, dass wir die Krise gut überstanden haben. Jetzt ist die Stunde gekommen, um sich nach Wachstumsmöglichkeiten umzusehen”, sagte der Axa-Vorstandsvorsitzende Henri de Castries. Ein Großteil des Geldes will Axa für die vollständige Übernahme seines Asiengeschäftes verwenden. Axa legte zusammen mit dem australischen Vermögensverwalter AMP ein Übernahmeangebot für die Axa Asia Pacific Holding (Axa APH) vor, die den Franzosen bisher nur zu 54 Prozent gehört Die Führung von Axa APH hat aber abgelehnt. In einer ersten Reaktion sieht Axa vorerst von einer Erhöhung seines Angebotes ab.
Neben der Expansion in Asien will der französische Versicherer sein Geschäft in Osteuropa vollständig übernehmen. Er führt in Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn Gesellschaften, die zu 30 Prozent noch der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) gehören. Axa rechnet nach eigenen Angaben hier mit einem Kaufpreis von „einigen hundert Millionen Euro”.
Zähes Ringen um den asiatischen Arm des Konzerns Axa SA
Um den asiatischen Arm des Versicherungskonzerns Axa SA entwickelt sich nun ein zähes Ringen. Am Montag lehnte die Axa APH Ltd. ein Übernahmeangebot in Höhe von 11 Milliarden australische Dollar (6,8 Milliarden Euro) ab. Ihr Mutterkonzern Axa SA und der australische Vermögensverwalter AMP Ltd. planen die Zerlegung von Axa APH. Axa will nur die Aktiva außerhalb von Australien und Neuseeland erwerben.
Das französische Angebot bietet mit 5,34 australischen Dollar je Aktie einen Aufschlag von 24 Prozent gegenüber dem Börsenkurs von Axa APH. Kein Wunder, dass die Aktie von Axa APH im Handel der Börse Sydney um 33 Prozent auf 5,70 australische Dollar zulegte. Dies ist der höchste Stand seit eineinhalb Jahren. Aktionäre gehen fest davon aus, dass die Kaufinteressenten ihr Gebot noch versüßen werden. „Das Angebot berücksichtigt die Ausstrahlung des Wachstums unseres Asiengeschäftes auf unsere Ertragskraft nicht richtig”, sagte Rick Allert, Vorsitzender des Verwaltungsrates von Axa APH. Einen Zielpreis nannte er nicht. Das Vorhaben ist kompliziert strukturiert: AMP will zunächst alle Aktien von Axa APH aufkaufen. Dazu zählen auch die 53,9 Prozent der Papiere, die Axa SA hält. In einem zweiten Schritt würde AMP dann die Vermögensverwaltung von Axa APH in Australien und Neuseeland auf die eigene verschmelzen. Damit hätte AMP ein Anlagevolumen von gut 100 Milliarden australischen Dollar und die Marktführerschaft. Der dritte Schritt wäre das Weiterreichen des Asiengeschäftes von Axa APH an Axa SA. Rein rechnerisch zahlen die Franzosen unter dem Strich 1,1 Milliarden Euro zusätzlich für die Übernahme des Asiengeschäftes.
Axa trennt sich auch von Beteiligungen in Asien
Axa trennt sich auch von Beteiligungen in Asien. So bietet die staatliche Anlagegesellschaft Temasek Holdings 1,2 Milliarden amerikanische Dollar für einen Anteil von 16 Prozent, den die Franzosen an der chinesischen Versicherungsgesellschaft Taikang halten. Den Anteil hat Axa im Zuge der Übernahme des Versicherers Winterthur erhalten. Nun wollen die chinesischen Behörden, dass sich Axa von der Beteiligung trennt, weil sie davon ausgehen, dass die Franzosen die volle Kontrolle von Axa APH erhalten.
Der Aktienkurs von Axa notierte am Montag bis zum Nachmittag weitgehend unverändert. „Das Angebot zeigt, dass Axa keine rechtlichen oder sonstigen Hürden an Übernahmen hindern, weil der Konzern keinerlei Staatshilfen beantragt hat”, urteilten die Analysten des Brokerhauses KBS Securities. Schon vor fünf Jahren hatte Axa SA versucht, Axa APH vollständig zu kaufen.
chs./che./F.A.Z.