Für 11,2 Milliarden Euro

Schaeffler legt Übernahmeangebot für Conti vor

Von Carsten Knop und Joachim Herr

15. Juli 2008 Der fränkische Familienkonzern Schaeffler KG bietet nun offiziell für den Autozulieferer Continental. Das teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. Schaeffler bietet 69,37 Euro je Aktie oder 11,2 Milliarden Euro in bar - mindestens jedoch den von der Finanzaufsicht geforderten Mindestpreis, sollte dieser höher liegen. Wie es in einer Mitteilung heißt, strebt Schaeffler eine strategische Beteiligung von mehr als 30 Prozent an, aber noch nicht unbedingt eine Mehrheit. „Wir müssen nicht Mehrheitsaktionär werden, um unsere technologischen Ziele zu erreichen“, sagte Konzernchef Jürgen Geißinger in einer Telefonkonferenz. Conti wird das Angebot dem Vernehmen nach am Mittwochmorgen zurückweisen.

„Der Fokus liegt auf der Kombination der Stärken beider Unternehmen“, sagte Geißinger. Die Unternehmen passten technologisch hervorragend zueinander. „Schaeffler unterstützt die Strategie von Continental ausdrücklich, auch in Bezug auf das Reifengeschäft.“ Eine Zerschlagung von Continental werde es deshalb nicht geben. „Das Reifengeschäft verdient gutes Geld und ist es wert, im Unternehmen zu bleiben.“ Conti solle auch künftig an der Börse notiert sein, wenn möglich im Dax. Schaeffler wolle im Aufsichtsrat angemessen vertreten sein, strebe aber nicht unbedingt den Vorsitz an. Continental soll als eigenständige Gesellschaft mit Sitz in Hannover erhalten bleiben. Durch die Transaktion werde es nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen. Am Conti-Stammsitz in Hannover gibt es trotz dieser Versicherung allerdings weiterhin Befürchtungen, Conti solle zerschlagen werden und Stellen seien in Gefahr.

Schaeffler: Finanzierung ist gesichert

Die Schaeffler-Gruppe hält nach ihren Angaben derzeit 2,97 Prozent der Continental-Aktien und ist über Finanzinstrumente berechtigt, weitere 4,95 Prozent der Aktien zu erwerben. Schaeffler hat darüber hinaus Swap-Geschäfte über 28 Prozent der Continental-Aktien abgeschlossen. Diese Swap-Geschäfte seien in Geld zu erfüllen und daher nach dem Wertpapierhandelsgesetz nicht meldepflichtig. Die Swap-Geschäfte könnten von Schaeffler jederzeit gekündigt werden. Der Familienkonzern hat noch nicht entschieden, ob und wann eine Kündigung erfolgt. Wenn er entscheidet, die Swap-Geschäfte während der Annahmefrist zu kündigen, könnten daraus bis zu 28 Prozent der Aktien der Continental AG im Rahmen des Übernahmeangebotes angedient werden. Die Finanzierung des Übernahmeangebots ist nach Geißingers Worten in vollem Umfang durch Banken gesichert: „Das Konsortium unter Führung der Royal Bank of Scotland steht.“ Schaeffler will die Finanzierung aus eigener Kraft bedienen und ist nicht auf Conti-Mittel angewiesen.

Continental hatte Schaeffler eine Beteiligung von 20 Prozent angeboten. Das sei Schaeffler aber zu wenig gewesen, weshalb das Unternehmen abgelehnt habe, sagte Geißinger. Schaeffler stehe für eine Fortführung der Gespräche mit Conti zur Verfügung: „Wir müssen abwarten, was sich in den nächsten Tagen entwickelt.“ Der Abwehrkampf gegen Schaeffler war Thema einer Sitzung von Conti-Aufsichtsräten am Dienstagabend.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp

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