Nutzfahrzeuge

Verschärfter Krach zwischen Scania und MAN

16. Oktober 2006 Der Übernahmekampf der zwei Lastwagen- und Bushersteller MAN und Scania verschärft sich zu einem Gefecht zwischen beiden Unternehmenschefs. Leif Östling von Scania versucht MAN unter Druck zu setzen. Nach seiner Ansicht müßte MAN drei bis vier Werke mit insgesamt 5000 Mitarbeitern schließen, um im Vergleich mit Scania den Abstand in der Effizienz aufzuholen. „Es geht nicht nur um die Produktivität, sondern um die Unterschiede in den Strukturen der Unternehmen“, sagte Östling der F.A.Z.. „Es gibt eine Lücke in der Effizienz von 25 bis 30 Prozent.“

In der vergangenen Woche habe ihm Håkan Samuelsson, der Vorstandsvorsitzende von MAN berichtet, nach dem Abbau von 5000 Arbeitsplätzen im Nutzfahrzeuggeschäft in den vergangenen Jahren müßten weitere 4000 bis 5000 Stellen gestrichen werden. Samuelsson bestreitet eine solche Aussage vehement. „Es gibt von MAN keine Planung für einen Personalabbau“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. „Unsere Werke sind voll ausgelastet, und wir setzen auf Wachstum.“

Scania will Gegenangebot vermeiden

Leif Östling beklagt mangelnde Effizienz bei MAN

Leif Östling beklagt mangelnde Effizienz bei MAN

Östling sagte dagegen, der notwendige Abbau von 5000 Arbeitsplätzen von MAN bedeute die Schließung von drei oder vier Werken. Das müsse auf jeden Fall geschehen. Ansonsten stünde nach einem Zusammenschluß die Glaubwürdigkeit des Managements gegenüber den Mitarbeitern in Schweden auf dem Spiel. „Wie könnten wir von ihnen weitere Verbesserungen der Produktivität und Effizienz verlangen, wenn ihre deutschen Kollegen 25 bis 30 Prozent zurückliegen“, fragte Östling. „Das wäre Selbstmord für jedes Topmanagement.“

Auf die Frage nach einem Gegenangebot von Scania für MAN antwortete der Schwede: „Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden.“ Zuvor hatte er in einer Pressekonferenz in Stockholm seine ablehnende Haltung gegen ein Übernahmeangebot von MAN bekräftigt. Nach Östlings Meinung sind die Aussichten für Scania als eigenständiges Unternehmen besser als im Fall eines Zusammenschlusses mit MAN. Er wies auf eine Reihe von Risiken hin.

MAN kritisiert die Argumente Östlings

An erster Stelle nannte er einen möglichen Verlust von Marktanteilen, da Kunden verwirrt sein könnten. Die Gefahr bestehe, daß damit die Kostensynergien aufgefressen würden. Generell gerieten nach einer Fusion die Kosten stark in den Blickpunkt, zu Lasten des Marktes und der Kunden. Zudem nannte er MAN und ERF als mißlungenes Beispiel. MAN hatte im Jahr 2000 den britischen Lastwagenhersteller ERF übernommen und erst im nachhinein Bilanzmanipulationen von ERF festgestellt. „Das war eine schlecht ausgeführte Akquisition“, sagte Östling.

Die Argumente des Scania-Chefs gegen einen Zusammenschluß der Unternehmen stießen in München auf Kritik. Östling bewerte die kritischen Punkte viel zu hoch, hebe die Vorteile einer Kombination von MAN und Scania nicht hervor und zeichne ein geschöntes Bild des schwedischen Unternehmens, hieß es bei MAN. Volkswagen, der größte Aktionär von MAN und Scania, dringt auf eine einvernehmliche Lösung mit einem Zusammenschluß beider Unternehmen. Scania werde sich in den kommenden Tagen zu möglichen Verhandlungen mit MAN äußern, kündigte Östling an.

Text: him. / F.A.Z., 17.10.2006, Nr. 241 / Seite 13
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance / dpa/dpaweb

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