11. Januar 2008 Nach der Premiere des Tata Nano in Neu Delhi will der indische Automobilkonzern Tata Motors das weltweit billigste Auto zunächst nicht auf den europäischen Markt bringen. Tata-Sprecher Dabasis Ray sagte am Freitag in Neu Delhi, es gebe keine unmittelbaren Pläne für eine Einführung des Nano in Europa. Tata Motors will den auch Volksauto genannten Nano in Indien frühestens ab Oktober ohne Mehrwertsteuer und Transport ab umgerechnet etwa 1700 Euro anbieten. Die Basisversion des Nano hat weder Klimaanlage oder Heizung. Auch Servolenkung, Airbags, elektrische Fensterheber oder ein Außenspiegel auf der Beifahrerseite sind nicht enthalten.
Ray betonte aber, der am Donnerstag auf der Autoexpo in Neu Delhi vorgestellte Nano sei so konzipiert worden, dass er entsprechend der Bedürfnisse anderer Märkte nachgerüstet werden könne. Sollten wir das Auto morgen nach Europa oder in irgendein anderes Land als Indien schicken, wäre alles drin, was in diesem Land erforderlich wäre. Konzernchef Ratan Tata sagte in der indischen Economic Times (Freitag), die offensichtlichen Märkte für das Billigst-Auto seien in Afrika, Lateinamerika und einigen südostasiatischen Staaten. Europa sei kein Markt, der mich sehr reizt. Tata hatte am Donnerstag betont, sich beim Nano zunächst auf Indien konzentrieren zu wollen.
Preis von 1700 gilt nur für Indien
Ratan Tata sagte der Times of India (Freitag), er wünsche sich künftig auch Nano-Versionen für anspruchsvollere Kunden möglicherweise außerhalb des indischen Marktes. Diese Modelle könnten auf einer sehr kostengünstigen Basis entstehen. Der 70 Jahre alte Konzernchef und geistige Vater des Nano betonte, der Preis von 100.000 Rupien oder rund 1700 Euro für die Basisversion des Wagens gelte nur für Indien. Am meisten Produktionskosten habe Tata durch die sparsame Verwendung von Stahl eingespart.
Deutsche Zulieferer in Indien sind maßgeblich an der Produktion des Nano beteiligt. Der Indien-Chef von Continental, Markus Distelhoff, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitag auf der Autoexpo in Neu Delhi, das Unternehmen mit Sitz in Hannover liefere aus seinem indischen Werk die Benzinpumpe und den Füllstandssensor für das Volksauto. Continental ist davon überzeugt, dass der Nano ein enormer Erfolg in Indien werden wird. Tata sei definitiv von entscheidender Bedeutung für Continental. Continental erwarte für sein Indien-Geschäft ein jährliches Wachstum von 60 Prozent.
Bosch steuert Technik bei
Der deutsche Konzern geht davon aus, dass die Pkw-Produktion in Indien in dem Preissegment bis rund 9000 Euro von derzeit jährlich 650.000 Stück bis 2017 auf rund eine Million ansteigen wird. Bosch hatte am Donnerstag bereits mitgeteilt, der Stuttgarter Automobilzulieferer steuere für den Nano die Einspritztechnik für Motoren, die Bremssysteme und Teile der Autoelektrik bei.
Der deutsche Botschafter in Indien, Bernd Mützelburg, sagte am Freitag in Neu Delhi, der Nano sei ein indisches Produkt, an dem deutsche Firmen einen wichtigen Anteil hätten. Continental ist nach Bosch der größte europäische Automobilzulieferer. Die beiden deutschen Konzerne haben ihr Indien-Geschäft in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.
Text: DPA
Bildmaterial: AFP, AP
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