
Dass Menschen glauben,mit „Gewalt, Trickserei und Übervorteilung weiterzukommen“ (Sedlaczek1) ist ein gesellschaftliches Phänomen,denn woher nimmt sich denn die Politik ihre Vorbilder,die sie wiederum „zum Vorbild“?Es ist die Ökonomie (die wirtschaftliche Kultur,die das Verhalten prägt nicht das Verhalten die Ökonomie.„Der Mensch ist des Menschen Wolf“ (Hobbes),war lange genug das Leitbild liberaler Gesellschaftsverbesserung, um zu erkennen,wohin es führt: zum repressiven Staat,und worüber die Liberalen nun nicht mehr aufhören können zu jammern.Diese Inkonsequenz hat einen Grund:Der Liberale möchte Kapitalist sein und dabei moralisch integer.Dass ihn dieser überhaupt belastet,jener Gegensatz in der Realität,ist mit ein Grund dafür,dass der Liberalismus (Marx war am Anfang Liberaler) zum Marxismus führte.Das ist die gute Seite am Liberalen.Die Schlechte kommt umso mehr zu Tage,je mehr er altert,und er dann versucht ist,seine Ideale mit Gewalt durchzusetzen. Dann nämlich schlägt Liberalismus um in das,was Hobbes noch allegorisch-metaphorisch mit dem Leviathan beschönte.In der Realität des schmutzigen politischen Alltags ist das aber nur die ordinäre Gier des Kapitals nach absoluter Macht,entsprechend dessen ökonomischen Stellung.

Tatsächlich mag ein Drang zur Konkurrenzausschaltung Motiv für das Einreißen von Vertrauensbrüchen sein, wie Herr Binsack meint. Nur ist dieser Drang zur Konkurrenzausschaltung alles andere als wettbewerblich. Der Umstand, daß Menschen statt auf bessere eigene Leistung, auf die Vernichtung eines Mitbewerbers setzen, hat ja Gründe. Einer der Gründe ist Phantasielosigkeit, die eben mangelndem Wettbewerb selbst entspringt. Ansonsten könnte ich neben Verbesserung auch durch Diversifikation meine Kooperation behaupten (jeder Mensch ist Produzent und Verbraucher zuleich). Ein weiterer Grund ist einfach der, daß Menschen glauben, mit Gewalt, Trickserei und Übervorteilung weiter zu kommen als mit der eigenen Leistung und eigenen Ideen und eigenen Mitarbeitern. Dies ist nicht nur mangelndem Selbstvertrauen geschuldet, sondern auch dem Vorbild allgegenwärtigen Vertrauensbruchs in Politik und den Erfolgen staatlicher Gewalt auf Kosten anderer. Das Prinzip Gewalt führt zu Monopolstreben und nicht umsonst sind Monopole staatlich sanktioniert. Auf freien Märkten hat auch jeder neue Mitbewerber Zutritt. Sicher, in der Praxis halten ihn staatliche Vorschriften ab oder verteuern einen Markteinstieg künstlich. Staatliche Gewalt macht halt unfrei.

Gut gemeint! Aber wo gibt es freie Märkte? Genau genommen hat es diese noch nie gegeben, nur in der Theorie (Adam Smith und folgende). Und natürlich kann man auch darüber streiten, ob der Kapitalismus bei diesem theoretischen Modell funktionieren würde, denn erstens: warum ist es nur ein theoretisches Modell, und zweitens: gerade die Produktivkräfte, die das Kapital in die Geschichte geworfen haben - und die Ausdruck eines bis dato nie geahnten Vergesellschaftungsprozess sind -, machen den „freien Markt“ zum Ausgangspunkt entweder einer monopolistischen (kapitalistischen) Organisation der Ökonomie oder einer sozialistischen. Ersteres geschieht spontan – eben durch diese Marktkräfte -, letzteres nur als Bruch mit aller bisherigen Entwicklung – einer Revolution also. Im Kern ist Kapitalismus Monopolismus, da die Konkurrenz – obwohl theoretisch gewünscht – die Profite schmälert. Und nur so werden auch die Produktivkräfte innerhalb des Kapitalismus entwickelt: Im Drang zur Konkurrenzausschaltung. Der „freie Markt“ hieße Stillstand! Auf der Gegenseite steigen die Arbeitslosigkeit und mit ihr das revolutionäre Potential zur Überwindung dieser Gesellschaft.

Die Überschrift trifft einen ganz wichtigen Punkt. Vertrauen wird nicht mehr als Basis des Geschäfts verstanden. Das ist auch kein Wunder. Nicht aber ist dies einem "Kapitalismus" geschuldet, wie der Vorkommentator Herr Binsack vermutet. Kapitalismus (Arbeiten, Sparen, Investieren, Wohlstandsvermehrung) ist Vertrauen. Übervorteilungen haben in Freiheit auf freien Märkten keine echte Chance, schon für die Versuche zahlt man einen hohen Preis. Gewalt - in welcher Form auch immer - ist das Mittel der Politik, nicht das freier Verträge. Da aber der Staat als Gewaltmonopolist (trotz "Gewaltenteilung") die Regeln schreibt, werden Regelbrüche zunehmend bepreist. Das Denken kreist tatsächlich nicht mehr um Solidität und Vertrauen, sondern um Trickserei und Übervorteilung. In einer staatskriminellen Welt (man mag Nötigung, Zwang und Gewalt von Staats wegen gutheißen, aber es bleibt doch dasselbe) färbt das Denken, einen Vorteil nur im Nachteil eines anderen zu finden (politisches Denken), irgendwann auf die Wirtschaft und das Private ab. Dort aber ist es anders: Menschen handeln auf Vertragsbasis, ihr Tausch ist Gewinn. Für beide Seiten. Sonst unterbleibt er. Dies gilt es (wieder) zu verstehen. Auch bei HP, Lidl und Telekom.

Der Beitrag hört sich fast an wie eine Gegendarstellung zu meinem „Kriminelles Kapital“ (http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E90DA6936EA3B41E1B02459150652569E~ATpl~Ecommon~Scontent.html), denn „kriminell werden Personen, nicht Unternehmen“, darf ich jetzt lesen. Es sind aber verdammt viele „Personen“, die da in letzter Zeit kriminell geworden sind und zwar vorwiegend aus den DAX-Größen (der sog. Deutschland-AG) und der Beitrag beschreibt das ja auch sehr ausführlich. Schwach geworden seien diese Personen, nicht die Unternehmen, oder doch die Unternehmen? – das wird nicht ganz klar! Wie auch immer, lassen wir das stehen, dann haben wir eine Menge Kapitalisten (und das sind sie doch, diese „Personen“?), die da schwach geworden sind, wichtige Kapitalisten, will ich doch meinen, was dann auch die Frage aufwerfen könnte: Wie schwach ist eigentlich das Unternehmen „Kapitalismus“, für das diese Leute doch stehen, mit ihrer Person, ihrer Reputation (durch die ganze deutsche Geschichte, manche), nicht zuletzt mit ihrem Einfluss und ihrem Kapital? Ist es so schwach, dass es massenhaft kriminelle Kapitalisten produziert? Doch ein Grund zum Nachdenken, oder?