Versicherungen

Pullover, Hosen und Versicherungen

20. September 2006 Wer bei C&A demnächst vor der Umkleidekabine warten muß, der kann in manchen Filialen nebenher Versicherungsverträge studieren. Denn ab diesem Donnerstag bietet das Bekleidungshaus neben Pullis, Hosen und T-Shirts auch Autoversicherungen an. Nach Tchibo ist C&A ein weiteres branchenfremdes Unternehmen, das in den Versicherungsvertrieb einsteigt: Im hart umkämpften deutschen Einzelhandel entdecken immer mehr Konzerne das Versicherungsgeschäft als zusätzliche Gewinnquelle. Auch der Lebensmittelkonzern Rewe denkt über einen Einstieg nach.

C&A bietet ab diesem Donnerstag in den bundesweit 380 Filialen Autoversicherungen in Zusammenarbeit mit dem Direktversicherer DA Direkt an. Die Textilkette verspricht deutlich günstigere Tarife als bei vergleichbaren Kfz-Versicherern und heizt damit den Preiskampf in der Versicherungsbranche noch weiter an.

Auftakt für weitere Finanzdienstleistungen

C&A sieht die „C&A Autoversicherung“ als Auftakt für weitere Finanzdienstleistungen. „Der Einstieg in das Versicherungsgeschäft ist für C&A Deutschland nur der erste Schritt in einer langfristig angelegten strategischen Ausrichtung“, sagte Manager Oliver Prill, der das neue Geschäftsfeld bei C&A aufbaut und zuvor bei der Royal Bank of Scotland tätig war, am Mittwoch. Der Sprecher der C&A- Geschäftsleitung Deutschland, Ralf Rothberger, sprach von einem neuen Zeitalter für das Unternehmen. „Wir wollen wachsen, auch in hart umkämpften Märkten.“ Dabei zähle C&A auf die Stärke der Marke, auf 300 Millionen Kunden im Jahr und die Preis-Leistungs-Strategie.

In 9 ausgesuchten Filialen könne die „C&A Autoversicherung“ direkt vor Ort bei Fachleuten abgeschlossen werden. Das sei ein Test. In der Regel erfolgten die Versicherungsabschlüsse über Internet und Telefon. Mode bleibe das Kerngeschäft von C&A. Aber darüber hinaus werde es neue Angebote an die Kunden geben. Der Kooperationspartner DA Direkt gehöre zum Schweizer Konzern Zurich.

Vertriebskanal steckt noch in den Kinderschuhen

Als Vorreiter von Versicherungsangeboten im deutschen Einzelhandel gilt Tchibo. Auch Deutschlands größter Textilhändler, Karstadt-Quelle, bietet seit längerem Versicherungen an. Mit Rewe erwägt bereits ein weiterer Handelsriese diesen Schritt. „Der Rewe- Konzern prüft das Angebot von besonderen Versicherungsleistungen“, sagte ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Im internationalen Vergleich gilt der britische Einzelhändler Tesco als ein Vorreiter in Sachen Versicherungsangebote. In Deutschland spielt der Verkauf von Finanzprodukten im Einzelhandel nach Experteneinschätzung dagegen noch eine relativ geringe Rolle. „Der Vertriebskanal steckt noch in den Kinderschuhen“, sagte Ferdinand Graf von Metternich, Versicherungsfachmann bei der Unternehmensberatung Mercer Oliver Wyman, der „Süddeutschen Zeitung“. Künftig dürften sich mehr Einzelhändler engagieren.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: ddp

 
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