FAZ.NET-Spezial Liquiditätskrise

Die Vertrauenskrise

Von Holger Steltzner

Die EZB pumpt Geld in den Markt

Die EZB pumpt Geld in den Markt

11. August 2007 Erst hat die Europäische Zentralbank versucht, durch Zureden die aufgeregten Akteure an den Kapitalmärkten zu beruhigen - das hat gerade einmal über eine Woche getragen. Jetzt überflutet sie den Markt für Tagesgeld für Banken mit mehr als 150 Milliarden Euro, um ein drohendes Austrocknen der lebenswichtigen Liquidität über Nacht zu verhindern. Die Notenbanken in Amerika und Japan haben sich ihr angeschlossen. Als Retter in der Not zeigen die wichtigsten Zentralbanken der Welt Entschlossenheit.

Blitzschnell ist aus dem Preisverfall amerikanischer Häuser eine globale Finanzkrise geworden. Offenbar haben Anleger auf der Jagd nach Rendite alle Warnungen vor dem Platzen der Spekulationsblase am amerikanischen Häusermarkt in den Wind geschlagen. Es war auch zu schön: Jahrelang sind die Hauspreise nur gestiegen und die Kreditzinsen nur gesunken. Die Käufer wurden mutiger, die Häuser größer, die Geschäfte der Hypothekenbanken immer riskanter. Die steigenden Risiken haben Investmentbanken abgenommen und weitergereicht: Sie bündelten kleine Baukredite zu großen Anleihen und verkauften sie an Investoren in der ganzen Welt. Die Ratingagenturen haben gut verdient, den Anleihen beste Bonitätsnoten gegeben und Anlegern trügerische Sicherheit vorgegaukelt.

Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Dieses Spiel ist vorbei, seit in den Vereinigten Staaten die Zinsen steigen und die Hauspreise fallen. Weil Banken und Großanleger in solche Anleihen mit mehrjährigen Laufzeiten investiert und hierfür Kredite am Geldmarkt aufgenommen haben, die monatlich verlängert werden müssen, ist aus der Krise am amerikanischen Häusermarkt eine Krise an den Geldmärkten geworden.

Durch den Einbruch am amerikanischen Kreditmarkt haben die Anleihebesitzer nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Sie können die Papiere zu Ramschpreisen verschleudern und die Verluste tragen, oder sie nehmen neue Monatskredite auf in der Hoffnung auf Besserung. Die meisten hoffen auf bessere Zeiten. Jetzt aber sind Banken und Großanleger so verunsichert, dass sie Geld horten, das sie in normalen Zeiten den anderen Marktteilnehmern kurzfristig leihen würden. Wo das Vertrauen schwindet, gibt es keinen Kredit mehr, da droht die Liquidität zu versiegen. In diesem Fall müssen Zentralbanken einspringen und Liquidität aus ihren tiefen Brunnen schöpfen.

Text: F.A.Z., 11.08.2007, Nr. 185 / Seite 1
Bildmaterial: ddp

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