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Überwiegend Lob für Contergan-Zahlung

08. Mai 2008 Der Bundesverband Contergan-Geschädigter hat das Angebot des Aachener Pharmaherstellers Grünenthal, weitere 50 Millionen Euro an die Betroffenen zu zahlen, als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. „Das ist auf jeden Fall ein guter Anfang“, sagte die erste Vorsitzende Margit Hudelmaier: „Für mich ist das ein absolut historisches Ereignis.“

Trotzdem seien die gesamten Forderungen für mehr Lebensqualität noch nicht erfüllt. Die Betroffenen forderten weiterhin eine Einmalzahlung von je 100.000 Euro, eine Verdreifachung der Entschädigungsrente und eine Regelung der Rente. Viele müssten wegen ihrer Behinderung früher in Rente gehen und hätten dadurch finanzielle Einbußen. Sebastian Wirtz, der geschäftsführende Gesellschafter der Grünenthal GmbH, hatte die Zahlung am Donnerstag im Gespräch mit der F.A.Z. angekündigt (Einmalige Zahlung: 50 Millionen Euro für Contergan-Geschädigte).

Der angebotene Betrag wird von den Interessensvertretern vor allem als Grundstock für weitere finanzielle Entschädigungsleistungen betrachtet. Udo Heinrich, der nordrhein-westfälische Vorsitzende des Vereins Contergan-Geschädigter sagte, die Mitglieder würden sich das Angebot sehr genau anschauen. 50 Millionen Euro allein könnten das entstandene Leid nicht aufwiegen. Langfristig gesehen forderten die Geschädigten daher auch weitere Entschädigungszahlungen. „Viele von uns bekommen nicht mehr als Sozialhilfeempfänger, weil wir nicht arbeiten können“, betonte Heinrich (lesen und kommentieren Sie auch die Lesermeinungen zur Nachricht).

Die Zahlung bedeute eine weitere finanzielle Besserstellung der Contergan-Opfer, erklärten die Bundestagsfraktionen von SPD und CDU/CSU. Mit Hilfe des Geldes sollen die Betroffenen einmal im Jahr ein zusätzliches persönliches Budget erhalten, mit dem die durch Spätfolgen verursachten Beeinträchtigungen finanziell gemildert würden. Auch die staatlichen Renten für Contergan-Geschädigte in Deutschland werden zum 1. Juli verdoppelt. Ohne Aussprache verabschiedete der Bundestag am Donnerstag in Berlin einstimmig einen entsprechenden Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen von Union und SPD. Die bisher höchste Rente wird von 545 Euro auf 1090 Euro im Monat angehoben.

Das 1957 in den Handel gekommene Schlafmittel hatte in mehreren tausend Fällen starke Missbildungen bei Neugeborenen ausgelöst. Zahlreichen Betroffenen sind Füße oder Hände direkt am Becken oder an der Schulter angewachsen. Der Hersteller Grünenthal nahm das Medikament im November 1961 vom Markt. Bis dahin kamen in Deutschland etwa 5000 teilweise schwer missgebildete Kinder zur Welt, rund 2800 Betroffene leben noch. Grünenthal hatte nach der Katastrophe zunächst rund 50 Millionen Euro in die Conterganstiftung eingezahlt, ebenso der Bund. Der Vermögensteil für die Rentenzahlungen ist seit 1997 aufgebraucht.



Text: Kno., F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
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