Marktbericht

Dax-Ausblick - Kreditkrise bleibt Damoklesschwert

22. Februar 2008 Am weiter nervösen Aktienmarkt dürften sich kurz vor Ende der Bilanzsaison in Deutschland nur wenige Anleger aus der Deckung wagen. „Subprime bleibt das Damoklesschwert“, prognostiziert NordLB-Aktienstratege Tobias Basse.

Demnach könnten dem Dax auch in der neuen Woche mögliche Horrormeldungen über Milliardenabschreibungen bei europäischen Banken beim Sprung über die 7.000 Punkte weiter im Weg stehen.“Es wollen sicherlich viele wieder in den Markt einsteigen. Aber positive Signale werden wieder von negativen überdeckt und man ist so schlau wie vorher“, sagt Basse. Am Freitag liegt der Index am Nachmittag mit einem Minus von 0,48 Prozent bei 6.872 Zählern, nachdem er im Handelsverlauf zuvor deutlich tiefer gelegen hatte.

Solide, aber nicht überragende Bilanzsaison

Aus dem Dax wollen Münchener Rück am Montag, Bayer und Deutsche Telekom am Donnerstag und Volkswagen am Freitag ihre Bilanzen vorlegen. Zudem berichten etliche Firmen aus der zweiten und dritten Reihe. „In Summe erwarten wir eine Fortsetzung des zuletzt beobachtbaren Trends einer soliden, aber nicht überragenden Bilanzsaison“, betont LBBW-Analyst Michael Köhler. So könnten positive Unternehmenszahlen zwar ein Gegengewicht zu schwachen Makrodaten bilden:“ „Zum allein trendbestimmenden Faktor dürften sie jedoch nicht avancieren.“ Viel wichtiger werden die zahlreichen Konjunkturdaten sein, die eine Antwort auf die Gretchenfrage 'Wie steht es mit der amerikanische Wirtschaft' erahnen lassen könnten.

Nach Einschätzung von Marktstrategen wird der Leitindex auch in der neuen Woche extrem volatil bleiben, sich am Ende der Woche aber in der Summe nicht groß nach oben oder unten bewegt haben. Auch am Freitagmittag lag der Index bei 6829 Zählern und damit nur wenige Punkte vom Schlussstand aus der Vorwoche entfernt. „Wir tun uns sehr schwer damit, nachhaltig über 7000 Punkte zu kommen. Es gibt nur wenige Investoren, die sich etwas zutrauen“, fasst Carsten Klude, Chefvolkswirt von MM Warburg, zusammen.

Wie entwickeln sich die Inflationsraten?

Aus deutscher Sicht wird von der Datenfront der am Dienstag erwartete Ifo-Geschäftsklimaindex für Februar am stärksten ins Gewicht fallen. Im Vormonat hatte sich das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer trotz der Börsenturbulenzen gut gehalten und war leicht gestiegen. Experten gehen von einem Rückgang auf 102,8 Punkte nach 103,4 Zähler im Januar aus. Sollte das Barometer deutlich schlechter ausfallen, könnte das für fallende Aktienkurse sorgen.

Sonst richtet sich der Blick in der Woche erneut vor allem über den großen Teich: So werden diverse Daten zum kriselnden amerikanischen Immobilienmarkt erwartet. Am Mittwoch stehen die Auftragseingänge langlebiger Güter an. Am Freitag könnte dann der Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago die Sorge vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten entweder lindern oder anheizen.

Für Impulse könnte auch die Rede von amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke zur wirtschaftlichen Lage und zur Situation an den Finanzmärkten am Mittwoch sorgen. Nach Meinung der Experten dürfte er dabei erneut weitere Zinssenkungen andeuten. „Dass es große Zinsschritte in den Vereinigten Staaten bis zum Sommer geben wird, ist im Markt eingepreist. Das sollte kurzfristig also keine Unterstützung geben“, meint Klude. Sollten die Inflationsrisiken allerdings zunehmen, könnte das ein Warnschuss für die Fed sein, betont Basse. „Dann könnte es der Notenbank schwerfallen, allzu aggressiv und mutig zu agieren.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

 

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