Banken

KFW stützt IKB mit 8,1 Milliarden Euro

In die Schieflage geraten - die IKB

In die Schieflage geraten - die IKB

31. Juli 2007 Die staatliche Bank KFW hat im Zuge der Rettungsaktion für die IKB Deutsche Industriebank eine Kreditzusage im Volumen von 8,1 Milliarden Euro an das amerikanische Finanzunternehmen „Rhineland Funding Capital“ übernommen. Das hat eine KFW-Sprecherin am Dienstag mitgeteilt. In einer Eingabe an die amerikanische Börsenaufsicht SEC schreibt die KFW, sie erwarte aus diesem Engagement keine wesentliche Verschlechterung ihrer finanziellen Lage. Sprecher der KFW und der IKB wollten sich zu den möglichen Risiken des Engagements der KFW, die letztlich dem Steuerzahler gehört, nicht äußern.

Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, hat eine große deutsche Bank der IKB am Freitag die Kreditlinien gekündigt. Das scheint die Rettungsaktion erforderlich gemacht zu haben. Die IKB-Aktie hat sich am Dienstag leicht erholt. Am Montag, aber auch schon an den Tagen zuvor, hatte sie deutlich an Wert verloren. Die Börsenaufsicht will nun untersuchen, ob Insider schon vor Bekanntwerden der Krise IKB-Aktien verkauft haben.

Schieflage bei der IKB

Wie berichtet, ist die IKB in den vergangenen Tagen in eine Schieflage geraten (siehe dazu auch: KfW als staatlicher Feuerlöscher bei der IKB). Die KFW, die knapp 38 Prozent der IKB-Aktien hält, sprang der Industriebank daraufhin in der Nacht zum Montag bei. IKB-Vorstandssprecher Stefan Ortseifen wurde durch Günther Bräunig vom Vorstand der KFW abgelöst. Auslöser der Krise bei der IKB war eine milliardenschwere Kreditlinie, die sie der „Rhineland“ gewährt hat. Aufgrund der Krise an den internationalen Kreditmärkten hatte die „Rhineland“ Ende vergangener Woche offenbar signalisiert, diese Linie in Anspruch nehmen zu wollen. Wäre es dazu gekommen, hätte dies die IKB, die über Eigenmittel von 4,1 Milliarden Euro verfügt, wohl überfordert - weshalb die KFW in Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden einsprang.

Die „Rhineland“ ist eine sogenannte Zweckgesellschaft. Mit solchen Zweckgesellschaften wird das Ziel verfolgt, bestimmte Geschäfte aus einer Bank auszulagern. Dabei spielt unter anderem eine Rolle, dass Banken ihre Risiken mit Eigenkapital unterlegen müssen, was kostspielig ist. Zweckgesellschaften müssen dies nicht. Weil diese Konstruktionen zu Missbrauch geführt haben, schreiben neue Bilanzierungsregeln vor, dass solche Zweckgesellschaften von der dahinterstehenden Bank bilanziert werden müssen. Zumindest für das Geschäftsjahr 2006/2007, das am 31. März endete, hat die IKB dies aber nicht getan und sich auf eine Übergangsregelung berufen, die dies gestatte.

Offenbar keine Käufer mehr gefunden

Die „Rhineland“ ist auf Betreiben der IKB als eine amerikanische Stiftung mit einem Eigenkapital von nur 500 Dollar gegründet worden, gehört aber nicht der IKB. Ihre Geschäftstätigkeit besteht darin, Kredite und Kreditverbriefungen anzukaufen und dies durch den Verkauf kurzlaufender Wertpapiere (Commercial Paper) zu refinanzieren. Ziel ist, durch die Fristentransformation einen Gewinn zu erzielen. Die „Rhineland“ hat ihren Gewinn wohl größtenteils über Berater- und ähnliche Gebühren an die IKB weitergegeben. Im Gegenzug hatte die IKB die Kreditlinie gewährt; ohne diese Zusage der IKB, die über eine gute Bonität verfügt, hätte der „Rhineland“ wohl kaum jemand ihre Commercial Paper abgekauft.

Die „Rhineland“ hatte zum Stichtag Ende Mai Kredite und Kreditverbriefungen für fast 13 Milliarden Euro angekauft. Dazu zählen auch Papiere, die durch die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt in den vergangenen Tagen an Wert verloren haben. Die „Rhineland“ fand deshalb offenbar keine Käufer für ihre Commercial Paper mehr - da die Abnehmer dieser Papiere befürchten müssen, von Verlusten bei den angekauften Krediten betroffen zu sein.

Gewinnprognose „deutlich“ nach unten korrigiert

Sprecher der IKB und der KFW konnten oder wollten nicht beantworten, ob die IKB oder die KFW möglicherweise dieses Verlustrisiko übernommen haben - um dadurch die Commercial Paper wieder verkaufbar zu machen. Allerdings hat die IKB am Montag ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr von 280 Millionen Euro „deutlich“ nach unten korrigiert. Dies deutet darauf hin, dass die IKB Verluste, die aus einer Bereinigung des Portefeuilles der „Rhineland“ entstanden sind, übernommen hat. In der Eingabe der KFW an die SEC heißt es, dass die Kreditlinie der IKB an die „Rhineland“, in die die Staatsbank eintrete, „momentan rund 8,1 Milliarden Euro“ betrage.

In der Erklärung heißt es weiter, dass die KFW „implizit gewisse Kreditrisiken in den Rhineland-Portefeuilles übernommen“ habe. „Allerdings schätzt die KFW die durchschnittliche Kreditqualität der Rhineland-Portefeuilles als zufriedenstellend ein. Selbst wenn sich die Kreditqualität der Rhineland-Portefeuilles substantiell verschlechtern sollte, glaubt die KFW nicht, dass solch eine Verschlechterung ihre Finanzposition oder ihre Liquiditätsposition signifikant ungünstig beeinflussen würde.“

Text: bf. / F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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