Fahpreise steigen um 3,9 Prozent

Bahn führt „Bedienzuschlag“ ein

29. August 2008 Die Deutsche Bahn AG erhöht ab Mitte Dezember ihre Ticketpreise in der zweiten Klasse um durchschnittlich 3,9 Prozent. Dies gab Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch am Freitag in Berlin bekannt. Nach seinen Angaben steigen die Preise für die BahnCard im Durchschnitt um 3,6 Prozent. Wesentliche Gründe für die Preiserhöhung seien die gestiegenen Energie- und Personalkosten.

Auch im Regionalverkehr wird es im Schnitt um 3,9 Prozent teurer. Die Ländertickets kosten ab dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember einen Euro mehr, beim Schönes-Wochenende-Ticket kommen zwei Euro obendrauf.

Schulden, Energiekosten, Lohnabschluss: Bahnfahren wird teurer

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Beim Kauf von Fernzugtickets, Sparpreis- und Auslands-Fahrkarten am Schalter oder per Telefon wird zudem ein neuer „Bedienzuschlag“ in Höhe von 2,50 Euro eingeführt. Mit der Ausweitung des „Bedienzuschlags“ beim Kauf am Schalter und am Telefon solle auch der flächendeckende Erhalt von mehr als 400 Reisezentren der Bahn in Deutschland gesichert werden. Behinderte Menschen, die besonders auf persönlichen Verkauf angewiesen seien, würden von der Zuschlagpflicht ausgenommen.

Unterm Strich kämen Bahnfahrer aber immer noch günstiger weg als Autofahrer oder Flugreisende, sagte Rausch. Wie viel Geld die Erhöhungen dem Konzern insgesamt in die Kasse spülen werden, wollte er nicht sagen.

Hamburg-München 5 Euro teurer

Die Preiserhöhung hatte der Konzern bereits vor zwei Wochen angekündigt, die genaue Höhe jedoch zunächst offengelassen. Zur Begründung hatte Vorstandschef Hartmut Mehdorn auf die milliardenschweren Schulden, gestiegene Energiekosten von fast zwei Milliarden Euro sowie Lohnerhöhungen verwiesen. Außerdem brauche es Geld für Lärmschutz, Umweltmaßnahmen und Bahnhofssanierungen.

Auf der Bilanzpressekonferenz im März hatte Mehdorn noch angekündigt, ihre Fahrpreise in diesem Jahr nicht weiter erhöhen zu wollen (Bahn will Fahrpreise 2008 nicht erhöhen).

Nach der Preiserhöhung verteuert sich eine einfache ICE-Fahrt zweiter Klasse von Hamburg nach München um fünf Euro; bei der Strecke Frankfurt-Berlin sind es vier Euro, und zwischen Hamburg und Hannover kommt ein Euro hinzu. Eine BahnCard 25 für die zweite Klasse kostet ab Mitte Dezember dann 57 statt bisher 55 Euro.

Daneben führt die Bahn zum Fahrplanwechsel ein neues einheitliches Telefonportal ein. Unter der Nummer 01805-996633 werden dann alle wichtigen Leistungen für 14 Cent pro Minute angeboten, von der Fahrplanauskunft und den Fahrscheinkauf bis hin zur Radfahrer-Hotline. Auch der Internetnutzer soll ab Jahresende einfacher an seine Fahrkarte kommen, denn die Bahn-Homepage wird neu gestaltet. Zudem will die Bahn bis 2011 für rund 150 Millionen Euro eine neue Automatengeneration einführen. Von den insgesamt mehr als 7.000 neuen Automaten sind bereits 2.200 aufgestellt. Reisende sollen künftig auch hier schnell an Sparpreise und das Angebot Dauer-Spezial kommen.

Kritik von Umweltverbänden

Der Umweltverband Nabu kritisierte die Preiserhöhung als falsches verkehrspolitisches Signal. „Damit verabschiedet sie sich endgültig von der Absicht, mehr Menschen von der Straße auf die umweltfreundliche Schiene zu holen“, erklärte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der Konzern fokussiere sich offensichtlich auf schwarze Zahlen mit Blick auf den im Herbst geplanten Börsengang. Er nannte es verbraucherfeindlich, dass zukünftig auch für normale Fahrkarten beim Kauf am Schalter grundsätzlich 2,50 Euro Aufpreis erhoben wird. Das komme bei Fernverkehrsverbindungen unter 100 Kilometern einer realen Erhöhung um über 25 Prozent gleich. Die Bahn entgegnete, dass inzwischen knapp 60 Prozent der Fahrkarten im Internet oder am Automaten gekauft werden. Also ändere sich für die Mehrheit der Kunden in Sachen Zuschlagsfreiheit nichts.

Vor dem im Herbst geplanten Börsengang hatte die Bahn im ersten Halbjahr 2008 ihren Nettogewinn um 5,4 Prozent auf 915 Millionen Euro gesteigert. Kritiker warfen der Bahn deswegen vor, sich auf Kosten der Kunden für den Börsengang zu polstern.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa

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