Telefonkonzern

Freenet-Chef zieht in die entscheidende Schlacht

Von Winand von Petersdorff

Spannende Tage für Freenet-Chef Eckhard Spoerr

Spannende Tage für Freenet-Chef Eckhard Spoerr

03. August 2008 Es wird eine der spannendsten Hauptversammlungen der Saison. Und es ist ein Kampf Gut gegen Böse. Das sagt zumindest der Chef des Telefonkonzerns Freenet, Eckhard Spoerr, der im Übrigen keinen Zweifel daran lässt, dass er einer von den Guten ist. Die Bösen, das sind aus seiner Sicht die Großaktionäre United Internet und Drillisch. Sie haben mehr als 25 Prozent der Aktien und wollen die Hauptversammlung dazu nutzen, die Freenet-Führung auszuwechseln. Mit anderen Worten: Sie wollen ihm ans Leder.

Ob es dazu kommt, hängt von der Mobilisierungsfähigkeit der Parteien ab. Spoerr wirft seinen Gegnern üble Machenschaften vor: "Deshalb kämpfe ich darum, so viele Aktionäre auf die Hauptversammlung zu kriegen, dass die Stimmenmehrheit nicht zustande kommt."

Worum geht es eigentlich? United Internet und der Mobilfunkanbieter Drillisch hatten einen schönen Plan ausgeheckt. Sie wollten Freenet kaufen und dann aufteilen: das DSL-Geschäft und Webhosting (Strato) für United Internet und den Mobilfunk für die Drillisch AG. Spoerr verhinderte den Plan, indem er selbst die mit Schulden belastete Mobilfunkgesellschaft Debitel übernahm und dem vormaligen Eigentümer Permira im Gegenzug knapp 25 Prozent der Freenet-Aktien verschaffte. Eine Übernahme gebremst und einen Verbündeten mit Permira gewonnen: Punktsieger der ersten Runde war Spoerr.

Das Zünglein an der Waage könnte ein britischer Pensionsfonds sein

Die neuen Verhältnisse sorgten für Verstimmung im United-Internet-Lager, das gerichtlich eine neue Tagesordnung der Hauptversammlung erzwang: darunter so konfliktträchtige Punkte wie Abwahl und Neubesetzung des Aufsichtsrats, Vertrauensentzug des Vorstandes und Sonderprüfungen, ob der Kauf von Debitel rechtens war.

Die großen Aktionärsgruppen stehen sich nach letztem Stand gleich stark gegenüber. Nicht ausgeschlossen, dass sich das United-Internet-Lager noch weiter Aktien bis zum Stichtag 18. Juli besorgt hat. Dieselbe Möglichkeit hatte das Spoerr-Lager. Das Zünglein an der Waage könnte der britische Pensionsfonds Hermes sein, der rund vier Prozent der Freenet-Anteile kontrolliert und früher mit Spoerr über die Ausrichtung von Freenet aneinandergeraten war. Doch heute klingt das anders: "Wir wissen noch nicht, wie wir abstimmen werden", sagt Hermes-Manager Stefan Howaldt. Diesmal noch werden angelsächsische Investoren Spoerr stützen, lautet die Prognose aus London. Es wird verhandelt, mobilisiert und polemisiert. "Ich bin überzeugt, die institutionellen Aktionäre erkennen die wahren Absichten: Man möchte Freenet zerschlagen, um günstig an die Geschäftsfelder zu kommen", verbreitet Spoerr unterdessen.

Freenet-Aufsichtsrats-Chef Helmut Thoma wirbt für Kompromiss

Drillisch und United Internet haben inzwischen klargestellt, dass sie Freenet weder zerschlagen noch den Debitel-Kauf rückgängig machen wollen, der aus Sicht der institutionellen Anleger sinnvoll ist. Dazu kommen Signale, dass man nicht unbedingt auf der konfliktträchtigen Tagesordnung besteht - mit einer Ausnahme allerdings: Spoerr muss weg. Mit Spoerr an der Spitze von Freenet rechnet sich United Internet kaum noch Chancen aus, dass DSL-Geschäft zu bekommen. Das will Freenet zwar verkaufen, aber nicht mehr so gerne an United Internet, vermutet United Internet wahrscheinlich zu Recht nach der Vorgeschichte.

Vodafone würde sich die DSL-Sparte auch gerne angucken. Hinter den Kulissen wirbt Freenet-Aufsichtsrats-Chef Helmut Thoma für einen Kompromiss: Die Aktionäre halten an Spoerr fest. Sein momentaner Vorzug: Er kennt das DSL-Geschäft und ist deshalb als Verkäufer geeignet. Danach schickt man ihn nach Haus. Denn das Telefongeschäft, auf das sich Freenet dann konzentrierte, ließe sich auch von der alten Debitel-Führung lenken.

Dafür ließe sich möglicherweise auch das Drillisch-Lager gewinnen. In jüngster Zeit kommt noch ein neues Denkmodell ins Spiel: Freenet könnte auch Drillisch kaufen, das Geld könnte ein DSL-Verkauf bringen.

Spoerr jedenfalls sagt auf die Frage, was er im Falle einer Ablösung zu tun gedenke: "Vielleicht Urlaub machen und schauen, was die Welt so zu bieten hat."

Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa

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