05. September 2005 Sie brauchen Milch! Die Butter wird knapp . . . So dürfte es klingen, wenn demnächst der intelligente Kühlschrank über die Vorräte wacht. Was sich nach Zukunftsmusik anhört, ist im Einzelhandel längst Realität. In Pilotprojekten wie dem Future Store der Metro Handelsgruppe in Rheinberg ist das schon Praxis: Neue Technologien wie RFID (Radio Frequency Identification) oder der Persönliche Einkaufsberater (Personal Shop Assistant PSA), ein am Einkaufswagen befestigter Flachbildschirm mit Computer, sollen beim Einkauf helfen - und Umsatz generieren.
So kann man die Einkaufsliste vorab per E-Mail an den PSA senden, der die Kunden wie ein Navigationssystem durch den Supermarkt lotst. Die interaktive Umkleidekabine informiert über das anprobierte Kleidungsstück - dazu empfiehlt sie ein weiteres passendes Modeaccessoire. Beim Bezahlen bilden sich Schlangen nur noch an den herkömmlichen Kassen. Schneller geht es an den Selbstbedienungskassen, an denen die Kunden ihre Einkäufe selbst einscannen oder sogar den gefüllten Einkaufswagen an einem Lesegerät vorbeischieben, das alle im Wagen befindlichen Artikel erfaßt.
Intelligente Preisetiketten senken Kosten
Die dahinterstehende Technologie RFID wird in enger Zusammenarbeit von Unternehmen wie Intel, Infineon, T-Systems, SAP, Oracle und Sun Microsystems entwickelt. Die mit einer Antenne und einem Mikrochip ausgestatteten RFID-Etiketten, die unter anderem von Texas Instruments und Phillips entwickelt werden, enthalten spezifische Produktinformationen und können aus einer Distanz von mehreren Metern per Funk ausgelesen werden.
Damit ermöglicht RFID nicht nur das schnelle Erfassen der Artikel im Einkaufswagen, sondern auch die lückenlose Verfolgung der Waren durch die gesamte Logistikkette. Diese ist gerade bei Einzelhandelsunternehmen mit einer Vielzahl an Produzenten, Verteilzentren und Zentrallagern bis hin zu den Warenhäusern und Verkaufsabteilungen besonders komplex. Durch RFID sind allein bei den Kosten in der Logistik eine Einsparung von bis zu 7 Prozent möglich, schätzen Analysten am Beispiel des Handelsunternehmens Wal-Mart.
Datenschützer haben Bedenken
Auch andere Branchen wie der Automobilbau oder die Pharmaindustrie sehen in RFID großes Potential, logistische Prozesse zu optimieren und Kosten zu senken. Um die RFID-Technologie reibungslos in global gespannte Logistikketten zu integrieren, entwickelt der von Unternehmen gegründete Verband EPCglobal-Netzwerk eine weltweit einheitliche Datenstruktur zur Kennzeichnung von Waren. Dieses Projekt wird bereits von mehr als 100 Unternehmen wie Coca-Cola, Gillette, Wal-Mart und jetzt auch T-Systems unterstützt, die zusammen mittlerweile mehr als 20 Millionen Dollar in das Projekt investiert haben.
Datenschützer allerdings sehen durch RFID die Wahrung der Privatsphäre und Bürgerrechte der Kunden in Gefahr, weil die Etiketten an theoretisch jedem Ort ausgelesen werden könnten. Bisher sind die RFID-Etiketten mit 40 bis 50 Cent pro Stück aber noch zu teuer und werden derzeit nur an Transportverpackungen wie Paletten eingesetzt. In einigen Jahren dürften sie indes an vielen Artikeln haften.
Text: chhu. / F.A.Z., 03.09.2005
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