13. August 2007 Der ehemalige amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan hat einen Beratervertrag mit der Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank abgeschlossen. Es ist eine exklusive Beziehung für die Bereiche, in denen die Investmentbank im Wettbewerb steht, sagte Greenspan der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Greenspan, der die Notenbank Federal Reserve im vergangenen Jahr nach 18 Jahren an der Spitze verlassen hatte, berät seit Mitte Mai auch die große kalifornische Rentenfondsgesellschaft Pimco. Der vom einflussreichen Fondsmanager Bill Gross gegründete Vermögensverwalter ist eine Tochtergesellschaft des Münchner Finanzdienstleisters Allianz.
Als einer der Architekten des heutigen Weltfinanzsystems verfügt Alan Greenspan über einzigartige Erfahrungen, um unseren Kunden bei schwierigen Investitionsentscheidungen zu helfen, begründete Josef Ackermann, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, die Zusammenarbeit mit Greenspan. Um Interessenkonflikte mit Pimco zu vermeiden, ist die Beratung durch Greenspan auf die Sparte Corporate and Investment Bank beschränkt und schließt die Vermögensverwaltung (Asset Management) aus. Die Investmentbank der Deutschen Bank ist kein direkter Wettbewerber von Pimco, betonte Greenspan.
Wollte zunächst seine Memoiren schreiben
Die Deutsche Bank hatte Greenspan wie zahlreiche ihrer Konkurrenten schon unmittelbar nach seinem Ausscheiden bei der Fed kontaktiert. Greenspan hatte die Anfragen aber abgelehnt, weil er zunächst seine Memoiren schreiben wollte, die im September veröffentlicht werden. Pimco hatte den ersten Zuschlag erhalten, weil Greenspan mit Bill Gross arbeiten wollte. Auch für den Vertrag mit der Deutschen Bank waren persönliche Beziehungen ausschlaggebend. Peter Hooper, Chefökonom der amerikanischen Investmentbanking-Sparte Deutsche Bank Securities, hatte lange für Greenspan bei der Notenbank gearbeitet.
Der wichtigste Grund ist, dass Peter Hooper ein alter und enger Mitarbeiter von mir bei der Federal Reserve war, begründete Greenspan seine Entscheidung. Zudem kenne und bewundere er Josef Ackermann seit Jahren. Da sich die meisten internationalen Banken nur wenig unterscheiden, war es mir wichtig, mit jemandem zu arbeiten, mit dem ich schon in der Vergangenheit gerne zu tun hatte, sagte Greenspan. Hooper war 1999 nach 26 Jahren bei der Notenbank zur Deutschen Bank gewechselt. Bei der Fed war er unter anderem die Nummer zwei für den internationalen Finanzbereich sowie Ökonom für den Offenmarktausschuss gewesen. Der Offenmarktausschuss setzt die amerikanischen Leitzinsen fest.
Eine nichtamerikanische globale Finanzinstitution
Greenspan reizte auch der Blickwinkel einer nichtamerikanischen globalen Finanzinstitution. Die Deutsche Bank erfüllt diese besondere Bedingung, sagte er. Bei der Deutschen Bank wird damit gerechnet, dass Greenspan periodisch, etwa zwei- bis dreimal im Quartal, an Veranstaltungen mit Investmentbankern und wichtigen Klienten teilnimmt. Zusätzlich soll es häufige Telefonate und jeden Monat eine formellere Konferenzschaltung geben. Greenspan werde zudem an Analyseprojekten mitarbeiten. Die Rahmenbedingungen sind aber flexibel, weil man keine enge Beratungsbeziehung haben kann, wenn jeder auf die Uhr schaut, sagte Greenspan. Angaben über den finanziellen Rahmen des Vertrags machten die Parteien nicht.
Die Pläne zwischen der Deutschen Bank und Greenspan wurden im Juni erstmals konkret. Chefökonom Hooper hatte Greenspan umgehend angerufen, als dessen Pimco-Engagement bekannt wurde. Die Vermutung einer Schwäche für deutsche Finanzgiganten wies Greenspan trotz der Beratung von Allianz und Deutscher Bank allerdings zurück. Das ist reiner Zufall, sagte er lachend.
Text: F.A.Z., 13.08.2007, Nr. 186 / Seite 11
Bildmaterial: AP
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