27. September 2006 Der Münchner Nutzfahrzeugbauer MAN ist bemüht, die Übernahme des schwedischen Konkurrenten Scania noch zu retten. In Branchenkreisen hieß es am Dienstag, MAN versuche, dem Scania-Großaktionär Volkswagen, der das Vorhaben schroff zurückweist, ein zweistufiges Vorgehen schmackhaft zu machen.
Volkswagen solle demnach zunächst im Rahmen der von MAN vorgelegten Übernahmeofferte für Scania sein Aktienpaket von 34 Prozent andienen. In einem zweiten Schritt sei geplant, daß VW sein südamerikanisches Geschäft mit schweren Lastwagen in den dann fusionierten MAN-Scania-Konzern einbringe und dafür weitere Aktien des Unternehmens erhalte. Eine von VW geforderte Sperrminorität von 25 Prozent will MAN den Wolfsburgern aber offenbar nicht gewähren.
Pischetsrieder bestätigt Ablehnung
In Branchenkreisen hieß es weiter, MAN wolle sich außerdem nicht gegen die von VW-Chef Bernd Pischetsrieder geforderte Prämie für die sogenannten A-Aktien von Scania sperren. Diese sind mit einem Mehrfachstimmrecht versehen und bieten deshalb mehr Mitspracherechte. Die Fronten in der Übernahmeschlacht sind unterdessen festgefahren.
Pischetsrieder unterstrich am Dienstag in einem Zeitungsgespräch seine Ablehnung: Ich habe das Angebot zurückgewiesen und keinerlei Absicht, meine Meinung zu ändern, sagte er und bestätigte damit einen Bericht der F.A.Z.. Außerdem zeigte sich Pischetsrieder an dem MAN-Angebot nicht interessiert, solange alle Aktionäre gleich behandelt werden müssen.
Gleichbehandlung steht Dreierfusion entgegen
Diese Gleichbehandlung im Rahmen des öffentlichen Übernahmeangebotes stehe auch einer Dreierfusion von MAN, Scania und der brasilianischen Lastwagensparte von VW entgegen. VW ist in Lateinamerika Marktführer im Segment der schweren Lastwagen. Von den in Resende nahe Rio de Janeiro gefertigten Constellation-Lastwagen sollen in diesem Jahr 37.000 Einheiten verkauft werden.
Die brasilianische Fertigung gilt als hochprofitabel, die Constellation-Baureihe als wie gemacht für den Einstieg in andere Schwellenländer außerhalb Südamerikas. Daher wären die VW-Nutzfahrzeuge eine wertvolle Ergänzung der hauptsächlich auf die reifen Märkte Europas zielenden Aktivitäten von MAN und Scania.
Scania selbst geht auf MAN zu
Derweil bewegt sich der Vorstandschef von Scania auf den Münchener Konkurrenten MAN zu. Leif Östling habe bei einem Treffen mit Investoren Anfang der Woche von möglichen Synergien bei einem Zusammenschluß gesprochen, bestätigte eine Scania-Sprecherin am Mittwoch. Dem müßten aber Nachteile, etwa der drohende Verlust von Marktanteilen gegenübergestellt werden. Die schwedische Zeitung Dagens Industi hatte berichtet, Östling habe gesagt, er hielte einen Zusammenschluß mit MAN für sinnvoll. Der Scania-Chef sei nicht so kategorisch negativ eingestellt wie beim gescheiterten Übernahmeversuch von Volvo, berichtete die Zeitung aus den Kreisen. Östling habe zu erkennen gegeben, daß die beiden Großaktionäre VW und Investor eigentlich nicht so weit voneinander entfernt seien. Es gehe vor allem um den Preis.
Händler bewerteten die berichteten Äußerungen des Scania-Chefs positiv: Die Aussagen von Östling weichen die Feindlichkeit des MAN-Angebotes auf. Es sieht so aus, als könnte damit die Fusion doch zu Stande kommen, sagte ein Börsianer.
Text: FAZ.NET mit Material von F.A.Z. und Reuters
Bildmaterial: AP
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Der Herr Franz und der Mythos der Opelaner
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