Vereinigte Staaten / Japan

Wechsel auf dem Spitzenplatz im Automobilbau?

Die Zentrale des noch größten Autobauers der Welt

Die Zentrale des noch größten Autobauers der Welt

05. Januar 2006 Um Haaresbreite könnte General Motors seinen Titel als weltgrößter Autobauer im Jahr 2006 noch einmal verteidigen: Erzrivale Toyota ist mit seinem Produktionsziel für dieses Jahr rund 20.000 Fahrzeuge unter der derzeitigen GM-Produktion geblieben.

Doch der amerikanische Riese schwächelt - nicht nur im Rennen um den ersten Platz beim weltweiten Absatz, wo ihn die Japaner in diesem Jahr überholen dürften. In der GM-Zentrale im nordamerikanischen Detroit, wo am Sonntag die North American International Autoshow beginnt, kämpft Konzernchef Rick Wagoner um das nackte Überleben des jahrzehntelang unangefochtenen Weltmarktführers.

Kaum Licht am Ende des Tunnels

Während Toyota mit satten Gewinnen unter der Haube in alle Welt ausschwärmt, fährt General Motors im Rückwärtsgang: Gerade auf dem Heimatmarkt quälen den Konzern Absatzprobleme, die Firmenbilanz zeigt tiefrote Zahlen und zu allem Überfluß wurde die Aktie von der Rating-Agentur Standard & Poor's (SP) bereits auf Ramsch-Status runtergestuft. Trotz schmerzhafter Sparprogramme ist kaum Licht am Ende des Tunnels, meint Peter Morici, Wirtschaftsprofessor an der Universität Maryland. Weder der angekündigte Abbau von 30.000 Jobs, die Schließung mehrerer Werke in den Vereinigten Staaten noch das um 15 Milliarden Dollar reduzierte Gesundheitsprogramm für die Beschäftigten reichten aus: „Nichts davon wird die Strukturprobleme von GM lösen oder seinen langfristigen Abstieg aufhalten.“

„Wenn GM seine Probleme auf dem US-Markt nicht lösen kann, ist das Unternehmen nicht zu retten“, sagt auch der deutsche Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Mit seiner bisherigen Modellpolitik sei der Konzern auf dem mit 17 Millionen verkauften Fahrzeugen größten Automarkt in den Vereinigten Staaten nicht wettbewerbsfähig. Das Ergebnis: sinkende Marktanteile trotz ruinöser Rabatte. Wichtige Entwicklungen wie die Hybridfahrzeuge, mit denen gerade Toyota punktet, hat GM lange verschlafen. Auch ein attraktiver Allrad-Kombi wie der Caliber von Chrysler sei nicht in Sicht: „GM hat heute nicht erkennbar den großen Wurf, der die Krise beenden könnte“, bilanziert der Wissenschaftler von der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Hybridversionen gegen chromblitzende Benzinfresser

Während Toyota auf der diesjährigen Autoshow eine Hybridversion seines populären Camry präsentiert, setzen GM und der ebenfalls angeschlagene amerikanische Konzern Ford erneut vor allem auf chromblitzende Allrad-Giganten wie den Cadillac Escalade oder den neuen Ford Explorer. Dabei haben sich die Benzinfresser angesichts steigender Spritpreise zuletzt auch in den Vereinigten Staaten deutlich schlechter verkauft.

Wagoner gibt sich dennoch kämpferisch: Seit nunmehr 74 Jahren halte GM die weltweite Top-Position, „und ich würde das nur zu gern fortsetzen“, konterte er skeptische Analystenaussagen. Er verwies auf GM-Erfolge in Brasilien und China. Für Dudenhöffer sind das „Nebenkriegsschauplätze“ im Vergleich zu den Vereinigten Staaten, wo GM mehr als zwei Drittel seiner Autos verkauft. Gerade wegen seiner Erfolge auf dem Heimatmarkt des Konkurrenten werde Toyota GM 2006 von der Weltspitze verdrängen, sagt Yasuhiro Matsumoto voraus, Analyst bei BNP Paribas in Tokio.

Auch Opel plagen Bauchschmerzen

Doch die Sorge um den Weltranglistenplatz könnte bald das kleinere Übel sein: Spätestens seit der Insolvenz der ehemaligen GM-Tochter Delphi im vergangenen Jahr gilt der Detroiter Riese selbst als akut gefährdet. Dana Johnson von der Comerica Bank in Detroit zufolge werden die nächsten zwei Jahre über das Schicksal von GM und Ford entscheiden.

Die Probleme des Mutterkonzerns bereiten auch der deutschen GM-Tochter Opel Bauchschmerzen. Nach harten Einschnitten hat der traditionsreiche Autobauer endlich wieder erfolgreiche Modelle vorzuweisen und Marktanteile hinzugewonnen. Daß er nun nochmals für die Sanierung der Mutter in Amerika bluten muß, ist nicht auszuschließen. Nach Dudenhöffers Ansicht sind Wagoner und das GM-Management allerdings wohl klug genug, die Rüsselsheimer in Ruhe zu lassen: „Opel ist auf einem guten Weg und wird 2006 schwarze Zahlen schreiben“, betont er. „Aber die Probleme von GM in den USA sind so groß, daß jeder mögliche Beitrag von Opel da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein wäre.“

Text: AFP
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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