Subprime-Krise

Commerzbank entlässt mehrere Manager

Von Norbert Kuls, New York

Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main

Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main

30. Dezember 2007 Die Commerzbank zieht personelle Konsequenzen aus ihrem verlustträchtigen Engagement mit zweitklassigen, sogenannten Subprime-Hypotheken in Amerika. Die zweitgrößte deutsche Bank entlässt in New York einen der beiden Leiter des Amerika-Geschäfts, Hans Joachim Döpp. Die Bank teilte die Ablösung des in der New Yorker Finanzszene hochangesehenen Managers am Freitagabend in einer knappen Pressenotiz ohne Angabe von Gründen mit.

Zudem wurde nach Informationen der F.A.Z. in New York auch der für das Kreditgeschäft verantwortliche Jürgen Boysen entlassen. In der Frankfurter Zentrale wurde der bisherige Leiter des globalen Kreditgeschäfts, Michael Schmid, jüngst seines Postens enthoben. Er erhält innerhalb der Bank andere Aufgaben. Ein Sprecher der Bank wollte einen Zusammenhang der personellen Veränderungen mit der Subprime-Krise nicht bestätigen.

Weitere Abschreibungen stehen wohl an

Das Subprime-Engagement der Commerzbank umfasst insgesamt forderungsbesicherte Anleihen im Nominalwert von 1,2 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon entfallen auf das Amerika-Portfolio des Immobilienfinanzierers Eurohypo, den die Commerzbank vor zwei Jahren übernommen hatte. Nach eigenen Angaben hatte die Bank überwiegend in Papiere minderer Qualität investiert. Die Commerzbank hat bisher Wertberichtigungen im Umfang von 337 Millionen Euro vorgenommen.

Es ist allerdings anzunehmen, dass weitere Abschreibungen anstehen. Der Finanzvorstand der Commerzbank, Eric Strutz, hatte bei der Vorlage der Quartalszahlen für das dritte Quartal gesagt, dass nicht abschätzbar sei, ob die bisherigen Wertberichtigungen ausreichen. Mehrere amerikanische Banken hatten für das vierte Quartal überwiegend höhere Abschreibungen in Zusammenhang mit Subprime-Geschäften bekanntgegeben, als erwartet worden war.

Ausgelöst wurde die andauernde Hypothekenkrise von fallenden Immobilienpreisen in den Vereinigten Staaten. Das führte zu steigenden Zahlungsausfällen vor allem bei Subprime-Hypotheken, die an wenig kreditwürdige Kunden vergeben worden waren. Die Hypotheken wurden von Investmentbanken als Anleihen verpackt, die dann an Investoren weitergereicht wurden. Im Zuge der Krise fiel der Wert dieser Papiere deutlich.

Nachfolger Döpps in New York wird Harry Yergey

In Zusammenhang mit diesen Engagements sind bereits mehrere Spitzenmanager amerikanischer Banken entlassen worden. Zu den prominentesten Opfern gehören der bisherige Vorstandschef der Citigroup, Charles Prince, sowie dessen Kollege bei Merrill Lynch, Stanley O'Neal.

Hans Joachim Döpp, das jüngste Opfer der Krise, stand seit 2002 an der Spitze des für die Commerzbank wichtigen Amerika-Geschäfts. Seit Mitte 2006 war Döpp zudem der gewählte Vertreter der internationalen Banken bei der Bankenaufsicht des Bundesstaats New York. Er ist auch der einzige Deutsche im Exekutiv-Ausschuss des Institute of International Bankers, der Interessenvereinigung ausländischer Banken in den Vereinigten Staaten. Nachfolger Döpps in New York wird Harry Yergey, der bisher die Filiale London leitete und für die westeuropäischen Filialen der Commerzbank zuständig war. Für das globale Kreditrisiko-Management der Commerzbank im Firmenkundengeschäft und Investmentbanking wird der bisherige Eurohypo-Vorstand Dirk Wilhelm Schuh verantwortlich.

Text: F.A.Z., 31.12.2007, Nr. 303 / Seite 13
Bildmaterial: AP

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