
Eine Demonstrantin montiert in Hannover ein Transparent gegen das geplante Tierimpfstoffzentrum der Pharmafirma Boehringer
12. August 2009 Das seit Juli in Hannover besetzte Baugrundstück für ein geplantes Tierversuchszentrum des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim wird seit Mittwochmorgen von der Polizei geräumt. Grund für die Räumung sei, dass der Charakter einer friedlichen Versammlung nicht mehr gegeben sei, sagte Polizeisprecher Stefan Wittke.
Die Räumung könnte sich laut Polizei noch einige Stunden hinziehen. Eine Person hält sich derzeit in der Krone einer Eiche in etwa zehn Metern Höhe auf. Zwei junge Frauen haben sich offenbar in den Boden einbetoniert. Laut Wittke sollen sie von einem Spezialtrupp der Bundespolizei befreit und vom besetzten Feld getragen werden.
Bürgerinitiative gegen Massentierversuche in Wohngebieten
Boehringer will auf dem Gelände an der Bemeroder Straße ein Tierimpfstoff-Zentrum errichten. Tierschützer und Anwohner, darunter eine Bürgerinitiative (BI) gegen Massentierversuche in Wohngebieten, sind dagegen. Boehringer duldete bislang die Besetzung des Geländes von rund 20 Protestanten, auf dem das Zentrum entstehen soll. Laut Wittke entschied sich aber nun die Versammlungsbehörde der Polizei, das Gelände zu räumen.
Wittke zufolge gab es in den vergangenen Tagen verstärkte Aktivitäten der Besetzer, das Gelände dauerhaft für sich zu vereinnahmen. So seien Fallgruben, Barrikaden und Depots für Steine angelegt worden.
Am 28. Juli war auf das Wohnhaus von Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) von Unbekannten ein Farbanschlag verübt worden. Am vergangenen Mittwoch wurde zudem ein Gebäude der Tierärztlichen Hochschule mit Farbe beschmiert. Beide Taten stehen laut Polizei möglicherweise in Zusammenhang mit den Protesten auf dem Boehringer-Gelände im Stadtteil Kirchrode.
Entscheidung für Standort fiel schon 2007
Die Standortentscheidung für den Bau in unmittelbarer Nähe zum Campus Bünteweg der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover war im Oktober 2007 mit Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung gefallen. Mit dem Forschungszentrum will Boehringer Ingelheim eigenen Angaben zufolge seinen Anspruch als weltweit führender Tierimpfstoffhersteller untermauern. Bislang wird vorrangig in eigenen Labors in den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Tierimpfstoffe geforscht. Hauptsitz des Pharmakonzerns ist das rheinland-pfälzische Ingelheim.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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