Drei Tage in einem Raum eingeschlossen

Michelin-Arbeiter lassen Manager wieder frei

18. Februar 2008 Arbeiter des Reifenherstellers Michelin haben zwei Manager freigelassen, die sie aus Protest gegen die geplante Schließung ihres Werks in Ostfrankreich drei Tage lang festgesetzt hatten. Anlass für die Aktion war das Scheitern von Verhandlungen über Abfindungen für die rund 800 Beschäftigten der Fabrik in Toul. Beide Seiten einigten sich nun auf eine zusätzliche Einmalzahlung. Die Gespräche sollten fortgesetzt werden, hieß es weiter.

In einem Raum eingeschlossen

Die Beschäftigten hatten die Manager seit Donnerstag in einem Raum eingeschlossen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Am Wochenende schaltete sich Wirtschaftsministerin Christine Lagarde mit der Einsetzung eines Vermittlers in den Streit ein. Als die Firmenvertreter am Sonntag das Werk verließen, wandten die Beschäftigten ihnen demonstrativ den Rücken zu. Die Firmenleitung habe ihnen schon seit Jahren den Rücken gekehrt, sagte ein Arbeiter.

Michelin zeigte sich in einer Erklärung in der Nacht zum Montag zufrieden über die Einigung, ohne Details zu nennen. Die Übereinkunft schaffe die Voraussetzungen, um den Dialog fortzusetzen. Nach Angaben der Beteiligten soll jeder Beschäftigte 2000 bis 3000 Euro zusätzliche Abfindung pro Jahr der Betriebszugehörigkeit bekommen. Werkschef Henri de la Graviere betonte in einem Zeitungsinterview allerdings, an der Schließung des Werks werde in jedem Fall festgehalten.

Die Firma wollte keine Polizei einschalten

Jedem der Mitarbeiter in Toul wurde nach Angaben des Werkschefs ein Arbeitsplatz in einem der anderen 16 Michelin-Werke in Frankreich angeboten worden. Dabei hätten die Beschäftigten jeweils die Wahl zwischen zwei Stellen. Wer nicht umziehen könne oder wolle, solle bis zu zwölf Monate lang bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützt werden. Bis dahin blieben die Betroffenen bei Michelin beschäftigt.

Bei den beiden Eingeschlossenen handelte es sich um den für soziale Angelegenheiten zuständigen Direktor und den lokalen Personalchef. Eine Firmensprecherin hatte am vergangenen Freitag erklärt, die Situation über Gespräche klären zu wollen. Das Unternehmen wollte keine Polizei einschalten, um die Manager zu befreien.

Lange Geschichte gewaltsamer Arbeiterkonflikte

Jobverluste treiben nicht nur Michelin-Arbeiter zu verzweifelten Aktionen. „Es gibt in Frankreich eine lange Geschichte gewaltsamer und schwieriger Arbeiterkonflikte und das setzt sich bis heute fort“, erläutert Analyst Dominique Barbet von BNP Paribas. Vor allem Gewerkschaftsmitglieder zeigen sich häufig radikal.

Der weltweit zweitgrößte Reifenproduzent Michelin hatte im vergangenen Dezember angekündigt, die Kleber-Fabrik in Toul mit 826 Mitarbeitern schließen zu wollen. Knapp der Hälfte der Mitarbeiter sollen neue Jobs beim Versorger Suez angeboten werden, erläuterte Michelin-Chef Rollier in einem Interview und ergänzte: „Ich verstehe die Gefühle der Mitarbeiter, und wir haben die Jobs nur schweren Herzens gestrichen.“ Allerdings seien die Kosten in Toul 50 Prozent höher als in anderen Fabriken des Konzerns. Am selben Tag hatte Michelin für 2007 einen um 35 Prozent gestiegenen Nettogewinn ausgewiesen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP

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