Medien

Die „Netzeitung“ wird eingestellt

Ein letzter Klick zu Silvester: Die „Netzeitung” macht dicht

Ein letzter Klick zu Silvester: Die „Netzeitung” macht dicht

06. November 2009 Die Unkenrufe haben sich bestätigt: Die online erscheinende „Netzeitung“ wird zum 31. Dezember dichtgemacht. Sie soll danach nur noch als „automatisiertes Nachrichtenportal“ existieren - ohne eigene Redaktion. Eine eigens aufbereitete Internetzeitung gibt es dann nicht mehr. Sämtlichen Mitarbeitern werde „in Kürze“ betriebsbedingt gekündigt, teilte der Verlag M. DuMont Schauberg mit. Man bedauere die „für die Mitarbeiter mit der Entscheidung verbundenen Härten“, in der derzeitigen Form aber sei die Internetzeitung aber „nicht zu betreiben“.

Der Kölner Verlag DuMont Schauberg hatte die „Netzeitung“ erst zu Beginn des Jahres gemeinsam mit dem Berliner Verlag von dem britischen Investor Mecom gekauft. Mecom hatte zwischenzeitlich den Plan verfolgt, die „Netzeitung“ mit dem Internetauftritt der „Berliner Zeitung“ zu vereinen. Daraus jedoch war nie etwas geworden, die Redaktion wartete vergebens auf den versprochenen großen Plan. In Rede stand zuletzt, dass die „Netzeitung“ verkauft oder der Onlineabteilung des jetzigen Eigentümers, DuMont Net, zugeschlagen werden könnte. Die Redaktion der „Netzeitung“ war zuletzt mit 14 Mitarbeitern besetzt. Gestartet war das Onlineblatt im Jahr 2000, gestaltet nach dem Vorbild der norwegischen „Netavisen“. Mit der Ausweitung der Onlineauftritte der Printverlage hatte die „Netzeitung“ über die Jahre kontinuierlich an Bedeutung eingebüßt.

„Journalistisch und personell platt gemacht“

Der Betriebsrat der BV Deutsche Zeitungsholding - in dieser sind der Berliner Verlag und die „Netzeitung“ zusammengefasst, protestierte scharf gegen die Schließung. „Diese Maßnahme ist völlig unverständlich“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch. Der für Unternehmensstrategien zuständige Vorstand von DuMont Schauberg rede von Bezahlinhalten im Internet, im gleichen Atemzug werde das Personal der „Netzeitung“ abgebaut.

Unter Mecom, deren Sparmaßnahmen drastisch waren, sei das Blatt wegen der Onlinekompetenz der Mitarbeiter gekauft worden, von der auch der Berliner Verlag profitieren sollte. Nun werde die erste deutsche Internetzeitung von der Mediengruppe DuMont Schauberg „journalistisch und personell platt gemacht“. Der Belegschaft sei am Freitagnachmittag um 17 Uhr mitgeteilt worden, dass sie schnellstmöglich betriebsbedingt gekündigt werden solle. Vor drei Monaten, ergänzte Matthias Breitinger, der Betriebsratschef der „Netzeitung“, habe DuMont Schauberg erklärt, „dass sie lieber die Redakteure für die Online-Aktivitäten aus dem eigenen Haus gewinnen wollen als sie extern einzukaufen. Unsere betriebsbedingten Kündigungen sind genau das Gegenteil von dem, was öffentlich vom MDS-Vorstand erklärt worden ist.“

Text: FAZ.NET / miha.
Bildmaterial: AP

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