Von Bettina Schulz, London
15. Dezember 2007 In der Kreditkrise zeichnet sich eine Lösung für die außerbilanziellen Zweckgesellschaften (SIVs) der Banken ab. Die Ankündigung der Citigroup, Kreditrisiken aus ihren Zweckgesellschaften in Höhe von 49 Milliarden Dollar auf ihre Bücher zu nehmen, gilt als Meilenstein. Damit hat sich ein Großteil der Risiken für die Finanzbranche aus diesen Zweckgesellschaften gelöst, hieß es am Freitag bei der Ratingagentur Moody's. Auch andere Banken haben Zweckgesellschaften in die Bilanz genommen, um für Vertrauen zu werben.
Die Structured Investment Vehicles (SIVs) waren einer der Auslöser für die Finanzkrise in diesem Jahr: Zahlreiche Banken hatten über sie in langfristige, forderungsbesicherte Anleihen und Kreditderivate investiert. Sie finanzierten die Investitionen jedoch über die Ausgabe kurzfristiger Anleihen. Die kurzfristige Refinanzierung erlaubte es den Banken, die Positionen außerhalb der Bilanz zu halten, eine Freiheit, die heute in Fachkreisen bei Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden umstritten ist.
Druck der Zentralbanken auf die anderen Banken
Im Sommer zum Höhepunkt der Krise belief sich der Umfang der von Banken gehaltenen SIVs auf geschätzt 400 Milliarden Dollar. Die Summe ist durch Abwicklung oder Verkäufe von Vermögenspositionen bis Ende Oktober auf knapp 300 Milliarden Dollar reduziert worden. Für Vermögenspositionen von 200 Milliarden Dollar, also 66 Prozent der verbliebenen SIV-Positionen, sind nun Umstrukturierungen oder Finanzierungsabsicherungen der Banken verkündet worden, so dass nach Aussagen von Moody`s nur noch für 100 Milliarden Dollar konkrete Rettungspläne ausstehen.
Die Bereitschaft der Banken, die Kreditrisiken aus den SIVs zum Großteil auf ihre eigenen Bücher zu nehmen, obwohl sie dies rechtlich nicht müssen, geschieht auch auf Druck der Zentralbanken, die bemüht sind, jegliche Unsicherheit auszuräumen. Denn die Finanzkrise wurde verschärft, weil Banken sich nicht im Klaren darüber waren, welche außerbilanziellen Positionen Konkurrenten hatten, die möglicherweise auf die Bilanz genommen werden müssten und welche Auswirkungen dies auf die Liquidität und Kapitalausstattung der Banken haben würde.
Marktwerte der Vermögen geschmolzen
In den vergangenen Wochen haben HSBC, HSH Nordbank, WestLB und die Société Générale die volle Finanzierung ihrer SIVs verkündet und die Risiken damit auf die Bücher genommen. Ähnliches hat die Citigroup nun entgegen früherer Äußerungen getan. Die Bank of Montreal, Standard Chartered und die Dresdner Bank haben partielle Absicherungen ihrer SIVs eingeräumt.
Obwohl die amerikanische Hypothekenkrise noch nicht in Ausfällen auf die Zweckgesellschaften durchgeschlagen ist, sind die Marktwerte ihrer Vermögen nach Angaben von Moody's auf 55 Prozent des ehemaligen Wertes abgeschmolzen. Die Übernahme der Risiken auf die Bücher der Banken verhindert nun, dass die Positien der SIVs überstürzt verkauft werden müssen mit entsprechend negativen Folgen für ihre Preise.
Finanzkrise ist trotz der Entspannung nicht gelöst
Insgesamt reduzieren die jüngsten Lösungsansätze der Banken die Notwendigkeit, den SIV-Superfonds zu gründen, wie es von einigen amerikanischen Banken vorgeschlagen worden war, sagt Hans Vrensen von Barclays Capital. Das amerikanische Finanzministerium, die Citigroup, Bank of America und JP Morgan Chase hatten einen Super-SIV geplant, der Vermögenswerte von außerbilanziellen SIVs der Banken übernommen hätte. An den Finanzmärkten hieß es am Freitag, dass die Entscheidung der Citigroup dieser Idee den Garaus gemacht habe.
Die Entspannung beim Thema SIV bedeutet freilich noch lange nicht, dass die Banken aus dem Schneider und die Finanzkrise gelöst wären. Selbst nach den Abschreibungen von 62 Milliarden Dollar, die Banken weltweit mit Blick auf die Kreditrisiken an den Märkten gebildet haben, schätzt Barclays Capital, dass den Banken weltweit noch einmal Abschreibungen von insgesamt 200 Milliarden Dollar auf strukturierte Kreditderivate (CDOs), SIVs, strukturierte Kredite, direkte Ausleihungen am zweitklassigen amerikanischen Hypothekenmarkt (subprime) und anderen Kreditrisiken blühen.
Text: F.A.Z., 15.12.2007, Nr. 292 / Seite 19
Bildmaterial: F.A.Z.
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