Von Johannes Ritter
09. Juli 2008 Auf der Agenda der kurzfristig anberaumten Aufsichtsratssitzung steht nach Informationen dieser Zeitung nur ein Punkt: "Verkaufsangelegenheiten Hapag-Lloyd". Tatsächlich sollen die zwanzig Kontrolleure des hannoverschen Konzerns am Donnerstagnachmittag über den Stand im laufenden Bieterprozess zum Verkauf der Container-Reederei Hapag-Lloyd unterrichtet werden. Der eigentliche Anlass für die Sitzung ist allerdings ein anderer: Die Kontrolleure wollen über die jüngsten Attacken des Großaktionärs John Fredriksen beraten.
Der angriffslustige Norweger, der 15 Prozent der TUI-Aktien besitzt und damit der größte Einzelaktionär des Unternehmens ist, hat in der vergangenen Woche jedem einzelnen Aufsichtsratsmitglied einen Brief geschickt. Darin fordert er nicht nur den sofortigen Rückzug von Chefkontrolleur Jürgen Krumnow und Vorstandschef Michael Frenzel. Fredriksen wirft der Unternehmensführung vor, Hapag-Lloyd verkaufen zu wollen, ohne zuvor die Zustimmung der Aktionäre einzuholen. Außerdem droht er mit Sonderprüfungen wegen des Verdachts, dass Paketaktionäre aus dem Reiselager (Riu, El Chiaty) im Fall eines Kontrollwechsels bei TUI unter bestimmten Umständen bevorteilt werden könnten. Diesen Verdacht weist TUI als haltlos zurück.
Troim plädiert für Aufteilung des Konzerns
Mehr noch als der scharf formulierte Brief dürften im Aufsichtsrat jedoch die jüngsten Äußerungen von Fredriksens Geschäftspartner Tor Olov Troim für Zündstoff sorgen. Im Gespräch mit der F.A.Z. forderte Troim den sofortigen Abbruch des Hapag-Lloyd-Verkaufsprozesses (siehe dazu auch: Im Gespräch: Tor Olov Trøim - "TUI sollte den Verkauf von Hapag-Lloyd stoppen"). Troim plädiert stattdessen für eine Aufteilung des Konzerns (Spin-off) in zwei börsennotierte Teile, bestehend aus TUI Travel und Hapag-Lloyd.
Dem Vernehmen nach will der Aufsichtsrat diesem Ansinnen nicht folgen und für eine Fortsetzung des Bieterverfahrens votieren. Offenbar will TUI zunächst den Eingang der unverbindlichen Angebote abwarten, die bis zum 21. Juli eintrudeln sollen. In Kreisen der Kaufinteressenten wird erwartet, dass in dieser ersten Runde niemand deutlich mehr als 4 Milliarden Euro bietet. Ob sich aus diesen Offerten klar ablesen lässt, wie viel TUI für Hapag-Lloyd am Ende einstreichen könnte, ist fraglich: Nach Informationen dieser Zeitung müssen die Interessenten ihre erste Preisofferte allein auf Basis des von TUI bereitgestellten Verkaufsprospektes kalkulieren. Die darin enthaltenen Annahmen über die Entwicklung der Weltkonjunktur, der Frachtraten, der Umsätze und der Ergebnisse gelten inzwischen als überholt. Denn seit Aufstellung des Datenkranzes hat sich das Marktumfeld erheblich eingetrübt.
Mordaschow will nicht verkaufen
In der zweiten Bieterrunde, für die nur eine kleine Zahl von Interessenten zugelassen wird, verändert sich die Perspektive: Die verbleibenden Bieter dürfen tief in die Bücher der Reederei schauen und werden ihrem Angebot danach die eigenen Prognosen zur weiteren Geschäftsentwicklung zugrunde legen. Dies könnte dazu führen, so wird spekuliert, dass am Ende keiner mehr als 4 Milliarden Euro bietet. Ein Preis mit einer 3 vor dem Komma dürfte für die TUI und deren Aktionäre, die ursprünglich mit bis zu 5 Milliarden Euro gerechnet haben, nicht akzeptabel sein.
Unterdessen hat Alexej Mordaschow verlauten lassen, dass er sein TUI-Paket von 10 Prozent nicht an Fredriksen verkaufen wolle (siehe dazu auch: Mordaschow will Anteil nicht an Fredriksen verkaufen). Der Norweger hatte dem Russen ein Übernahmeangebot gemacht. Stattdessen hat Mordaschow seinen Anteil jetzt um rund 1,6 Prozentpunkte erhöht: Dem Vernehmen nach hat er dem Hotelbetreiber Fiesta Hotels & Resorts 4 Millionen TUI-Aktien zum Stückpreis von 17,50 Euro abgekauft.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp
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