Nutzfahrzeuge

MAN knickt ein

Setzt jetzt auf eine freudliche Übernahme: Der MAN-Vorstandsvorsitzende Hakan...

Setzt jetzt auf eine freudliche Übernahme: Der MAN-Vorstandsvorsitzende Hakan Samuelsson

06. Oktober 2006 Der MAN-Konzern ist zu deutlichen Kompromissen und Zugeständnissen bereit, um den angestrebten Schulterschluß mit dem schwedischen Lastwagenhersteller Scania auf die Beine zu stellen. So läßt sich das jüngste Manöver des Münchner Konzerns interpretieren.

MAN-Vorstandsvorsitzender Håkan Samuelsson hat dem Scania-Chef Leif Östling am Freitag einen Brief geschrieben. Darin habe er Östling „persönlich und freundschaftlich dazu eingeladen, eingehend über die Modalitäten für eine Kombination im Nutzfahrzeuggeschäft zu sprechen“, sagte ein MAN-Sprecher, ohne weitere Auskünfte zu dem Schreiben geben zu wollen.

Scania reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß: „Wir haben die Einladung zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig liegt weiter das feindliche Übernahmeangebot auf dem Tisch. Insofern hat sich die Lage nicht geändert“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird sich Scania aber wohl schon in Kürze grundsätzlich aufgeschlossener zeigen gegenüber einer Verbindung mit den Deutschen.

Samuelsson: Wink mit dem Zaunpfahl verstanden

MAN hatte Mitte September ein Übernahmeangebot für Scania angekündigt. Die Offerte im Volumen von knapp 10 Milliarden Euro war jedoch sowohl von Östling als auch von den Scania-Großaktionären Volkswagen und Investor AB abgelehnt worden. Scania erachtet das Angebot als feindlich; VW sieht darin den Wert seines Aktienpakets, das 34 Prozent der Scania-Stimmrechte repräsentiert, sowie seinen strategischen Einfluß im Nutzfahrzeuggeschäft nicht ausreichend gewürdigt. Außerdem fürchtet VW-Chef Bernd Pischetsrieder, daß bei einer feindlichen Übernahme zu viel Porzellan zerschlagen und so die spätere Zusammenarbeit der beiden Unternehmen belastet wird.

Als Volkswagen zu Beginn dieser Woche 15 Prozent der MAN-Aktien erwarb, verband der Konzern dies mit der eindeutigen Empfehlung, auf freundschaftliche Art zueinander zu finden. Diesen Wink mit dem Zaunpfahl hat Samuelsson offenkundig verstanden. Formal hat er die Übernahmeofferte zwar noch nicht, wie von Pischetsrieder gefordert, zurückgezogen. Beobachter sind sich aber sicher, daß das jetzt vorliegende Angebot todgeweiht ist. Spätestens nachdem die Eckpunkte einer Einigung einvernehmlich verhandelt sind, muß MAN einen spürbar höheres Bar- und Umtauschangebot auf den Tisch legen.

Pischetsrieder spielt Schlüsselrolle

Am Sonntag tritt der Scania-Verwaltungsrat (Board of Directors) zusammen, um über die veränderte Ausgangslage zu diskutieren. Pischetsrieder ist der Vorsitzende dieses Gremiums, in dem ansonsten noch Vertreter des zweitgrößten Scania-Aktionärs, der Wallenberg AB, und der Streubesitzaktionäre sowie Arbeitnehmervertreter sitzen.

Der VW-Chef wird dem Verwaltungsrat zunächst seine Motivation für den Einstieg bei MAN erläutern. Anschließend wird er Wege skizzieren, auf denen Scania, MAN und VW im Lastwagengeschäft eine Dreierallianz bilden könnten. Diese Allianz muß nicht nur die Interessen von VW reflektieren, das sein brasilianisches Nutzfahrzeuggeschäft einbringen und überdies eine Vertriebskooperation schmieden will. Auch Scania, ein Vorzeigeunternehmen der Branche, will seine Stärken sicherlich stärker berücksichtigt finden, als dies beim bisherigen Übernahmekonzept von MAN der Fall ist.

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird der Scania-Verwaltungsrat nach der Sitzung am Sonntag seine Blockadehaltung voraussichtlich aufweichen und sich den Argumenten und Plänen für einen Schulterschluß mit MAN vorsichtig öffnen. Dabei spielt Pischetsrieder als Vertreter des größten Scania-Aktionärs und neuer Anteilseigner von MAN die Schlüsselrolle. Die MAN-Aktie legte am Freitag gut zwei Prozent zu.

Text: rit., F.A.Z., 07.10.2006, Nr. 233 / Seite 11

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