Kreditkrise

Kritik an Rating-Agenturen

Von Nikolas Busse und Stefan Ruhkamp

Die EU-Kommission denkt über neue Regeln für die Agenturen nach

Die EU-Kommission denkt über neue Regeln für die Agenturen nach

16. August 2007 Der politische Druck auf die Rating-Agenturen wächst. Als Reaktion auf die Krise an den internationalen Finanzmärkten will die Europäische Kommission die Arbeit der Kreditbewerter überprüfen. Eine Sprecherin sagte am Donnerstag, die Behörde sei besorgt, weil die Agenturen so langsam auf die Schwierigkeiten mit Hypothekenkrediten für Schuldner niedriger Bonität (subprimes) in Amerika reagiert hätten. „Wir werden in den nächsten Wochen sehen, welche Lehren daraus zu ziehen sind“, sagte die Sprecherin, hob aber hervor, dass über neue Regeln für die Agenturen nicht vor nächstem Frühjahr entschieden werde. Aus der Kommission war zu hören, dass sowohl neue gesetzliche Regelungen als auch Veränderungen am existierenden Verhaltenskodex für Rating-Agenturen denkbar wären.

Unterdessen hat auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy angeregt, die Rolle der Rating-Agenturen zu überdenken. Er schrieb in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die G-7-Finanzminister sollten im Oktober in Abstimmung mit den Zentralbanken und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Vorschläge unterbreiten, wie die Transparenz an den Finanzmärkten erhöht werden könne. Das Bundesfinanzministerium sieht eine Überprüfung der Arbeit von Rating-Agenturen als Bestandteil einer Analyse der Finanzmarktturbulenzen. Zu „gegebener Zeit“ müsse man sich über die Ursachen und möglichen Konsequenzen unterhalten, sagte ein Sprecher.

Herabstufungen erst vor wenigen Wochen

Die drei großen Rating-Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Fitch und Moody’s sehen sich Vorwürfen von Anlegern und Politiker ausgesetzt, weil sie mit schwachen Hypothekenkrediten besicherte Anleihen lange mit guten Ratings versehen haben, was den Weiterverkauf dieser strukturierten Finanzinstrumente gefördert hat. Sie reagierten erst vor wenigen Wochen mit Herabstufungen, obwohl die wachsenden Ausfallraten auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt schon seit Monaten bekannt sind.

Die EU will nun die Aufsicht über die Rating-Agenturen, die Zuverlässigkeit ihrer Ratings, ihre Finanzierung und ihren Umgang mit möglichen Interessenkonflikten untersuchen. Dass die Agenturen von den Emittenten von Wertpapieren bezahlt werden und nicht von Investoren oder anderen Nutzern ihrer Daten, gilt in Brüssel als problematisch. Die EU-Kommission will einen Bericht abwarten, den der Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufseher derzeit in ihrem Auftrag erstellt. Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy will sich im September mit demVorsitzenden des Ausschusses treffen, um über die Agenturen zu sprechen. Der Ausschuss befragt diese derzeit nach ihren Verfahren für die Bewertung von strukturierten Finanzinstrumenten. Die Kreditbewerter müssen bis Oktober zum Beispiel angeben, wie groß die Einnahmen aus diesem Geschäftsfeld sind, ob sich die Gebühren von denen anderer Ratings unterscheiden und ob es Interessenkonflikte gibt.

Auch Enron wurde lange als solider Schuldner beurteilt

Schon nach dem Enron-Skandal im Jahr 2001 – das Unternehmen war wenige Wochen vor seinem Zusammenbruch noch als solider Schuldner bewertet worden – habe es eine Diskussion über die Regulierung gegeben, sagte Richard Hunter von Fitch am Donnerstag. Alle Betroffenen, einschließlich der Politik, seien sich einig gewesen, dass allenfalls eine Aufsicht über die Ratingprozesse sinnvoll sei, dass aber ein Einfluss des Staates auf Methoden und Inhalte nicht sinnvoll sei. Auf die jüngsten Angriffe reagierte Moody’s am Donnerstag lediglich mit einem Angebot zu Gesprächen und Zusammenarbeit. S&P äußerte sich gar nicht.

Die Bonitätsnoten von AAA bis D

Gegen Gebühr kann sich jeder Schuldner eine Bonitätsnote zulegen. Banken zahlen auch für die Bewertung von Verbriefungen, die Kern der Finanzkrise sind. Die Bestnote lautet bei S&P und Fitch AAA. Die Notation von Moody's ist, abgesehen vom kleingeschriebenen „a“, ähnlich. Die Bestnote ist hier Aaa. Diese Noten, die auch an die umstrittenen Subprime-Verbriefungen vergeben wurden, signalisieren größte Finanzstärke und ein geringes Ausfallrisiko. Es geht mit sehr guten Noten AA/Aa und guten Noten A/A weiter. Dazwischen gibt es Abstufungen, die bei Moody's mit Ziffern (1 bis 3) und bei den anderen Agenturen mit (plus und minus) ausgedrückt werden. Zum Bereich der soliden Schuldner, Investment Grade, zählen gerade noch Wertpapiere mit den Noten BBB und Baa3. Darunter beginnt der spekulative Bereich, im Händlerjargon „Ramsch“ genannt. Er reicht von BB/Ba über B/B, CCC/Caa, CC/Ca und C/C bis zur Note D, die den Zahlungsausfall signalisiert. (ruh.)

Text: nbu./ruh./F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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