Banken

„Smartsourcing“ bei der Deutschen Bank

03. Februar 2005 Die Deutsche Bank trennt sich in diesem Jahr von insgesamt 6400 Beschäftigten. Das hat Vorstandssprecher Josef Ackermann am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt angekündigt. Rund 1200 Arbeitsplätze sollen in Länder mit niedrigeren Kosten verlagert werden. Diese Maßnahme bezeichnete Ackermann im Gegensatz zur Auslagerung von Stellen ("Outsourcing") als "Smartsourcing".

Im Ausland sollen etwa 3300 Stellen gestrichen werden. Davon seien vor allem Investmentbanker betroffen, heißt es. In der Zahl von 6400 zu entlassenden Beschäftigten ist der vor etwas mehr als einem Jahr angekündigte Arbeitsplatzabbau in Deutschland von insgesamt 1900 Stellen enthalten. Der angekündigte Abbau liegt etwas über den Erwartungen (F.A.Z. vom 20.Januar).

Und wieder die Eigenkapitalrendite

Ackermann betonte, diese Maßnahme sei Teil des Programms, mit dem die Eigenkapitalrendite bis Ende 2005 auf 25 Prozent vor Steuern gesteigert werden soll. Gleichzeitig kündigte der Vorstandssprecher für 2004 einen Gewinn von mehr als 2,5 Milliarden Euro nach Steuern an. Einen Teil der Belastungen aus dem Kostenprogramm von 574 Millionen Euro hatte die Bank im letzten Quartal 2004 verbucht. Im laufenden Quartal fielen aus dem Stellenabbau noch einmal Sonderbelastungen von rund 350 Millionen Euro an und im Jahresverlauf weitere 400 Millionen Euro. Somit beläuft sich die Höhe der Aufwendungen aus dem Stellenabbau auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro. Damit ist die Zahl der Beschäftigten seit Ackermanns Amtsantritt im Mai 2002 um gut 20000 gesunken. Die Deutsche Bank zählt im gesamten Konzern derzeit noch rund 65400 Beschäftigte, davon 27100 im Inland. Im Investmentbanking der Bank arbeiten weltweit etwa 31200.

Stellenabbau vor allem ein deutsches Phänomen

Der massive Stellenabbau in den Banken ist vor allem ein deutsches Phänomen. In vielen anderen Ländern Europas waren die Kreditinstitut nicht zu einer derart hohen Reduktion ihrer Beschäftigtenzahl gezwungen (siehe Tabelle). Darin spiegelt sich wider, daß die Bankenkrise vor allem Deutschland trifft. So mußte die Hypo-Vereinsbank unter dem Eindruck ihres hohen Bestands an Problemkrediten und Schwierigkeiten im inländischen Bankgeschäft den Abbau weiterer Arbeitsplätze hierzulande bekanntgeben. Zwar hat das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut die Höhe bisher nicht offiziell genannt, aber erwartet wird ein Abbau von 2000 bis 3000 der insgesamt 58000 Stellen. Schwerpunkt wird das Inland sein. Betroffen sind Verwaltung, Informationstechnik (IT) und Wertpapierabwicklung. Angeblich soll der Vertrieb weitgehend verschont bleiben.

Im Blickpunkt der Neuordnung steht auch das Kapitalmarktgeschäft, das die deutschen Banken in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den britischen, hochprofitablen Finanzkonzernen übermäßig ausgebaut hatten. Die Commerzbank will bis Ende April knapp 500 Stellen in diesem Bereich streichen; das ist mehr als die Hälfte des gesamten geplanten Abbaus. Die Dresdner Bank hat nach eigenen Angaben rund 80 Prozent des im Sommer 2003 angekündigten Programms zum Abbau von 4700 Mitarbeitern verwirklicht. Damit stehen noch 900 Stellen zur Disposition. Offen ist allerdings, ob die gefährdeten 300 Arbeitsplätze in der Kreditberatung bereits darin enthalten sind oder noch hinzukommen.

Oftmals stehen - wie bei der Deutschen Bank - dem Wegfall von Arbeitsplätzen Neueinstellungen gegenüber, wenn andere aussichtsreichere Geschäftsbereiche ausgebaut werden. Die WestLB, die seit 2003 jede vierte Stelle gestrichen hat, will in diesem Jahr die Belegschaft im Saldo um weitere 800 Mitarbeiter reduzieren. Dies ist ein Saldo, da die Bank Mitarbeiter für andere Geschäftsfelder einstellen will.

Im europäischen Ausland fällt der Blick auf die britische Abbey National, die von der spanischen Santander übernommen wird. Santander hat angekündigt, dort etwa 3000 Arbeitsplätze zu streichen. Im Dezember hatte die niederländische ABN Amro Bank den Abbau von 2850 der insgesamt 105000 Stellen bekanntgegeben, deutlich mehr als ursprünglich erwartet worden war. Denn neben einer schlankeren Struktur in übergeordneten Konzernfunktionen beschneiden auch die Niederländer ihr Investmentbanking.

Text: hlr./kön., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Februar 2005
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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