Delta und Northwest fusionieren

Die neue Nummer eins über den Wolken

15. April 2008 Die amerikanischen Fluglinien Delta Air Lines und Northwest Airlines haben ihren Zusammenschluss zur größten Fluggesellschaft der Welt beschlossen. Die Verwaltungsräte beider Airlines stimmten der Fusion zu, wie die Unternehmen am Montagabend (Ortszeit) bekanntgaben. Demnach soll Delta-Chef Richard Anderson die neue Fluggesellschaft führen. Die Aktionäre müssen dem Deal noch zustimmen. Als Hauptgrund für die Fusion nannten die Firmen, die erst im vergangenen Jahr den staatlichen Gläubigerschutz verlassen hatten, den wachsenden wirtschaftlichen Druck durch die hohen Treibstoffpreise sowie durch die Konkurrenz ausländischer Airlines.

Delta ist gemessen an der Passagierzahl die drittgrößte Fluggesellschaft der Vereinigten Staaten, Northwest die fünftgrößte. Mit der Fusion entsteht die größte Airline der Welt. Bisherige Nummer eins nach Passagierzahlen ist American Airlines. Der Börsenwert des neuen kombinierten Unternehmens beträgt 17,7 Milliarden Dollar (rund elf Milliarden Euro). Die Fusion soll durch einen Aktientausch erfolgen. Die Northwest-Aktionäre sollen pro Anteilsschein 1,25 Delta-Aktien erhalten. Neben einer Zustimmung durch die Aktionäre bedarf die Fusion auch noch einer kartellrechtlichen Prüfung. Dieses Verfahren werde voraussichtlich Ende des Jahres abgeschlossen sein, hieß es.

Gemeinsam Milliardenkosten sparen

Die Fusion werde einmalig weniger als eine Milliarde Dollar kosten, aber jährlich Einsparungen in derselben Höhe bringen, erklärten die Unternehmen weiter. Damit sollen die steigenden Kosten aufgefangen werden: Der Ölpreis hat sich seit Anfang 2007 von 55 Dollar pro Barrel auf 110 Dollar verdoppelt. Außerdem soll die neue Fluglinie den ausländischen Unternehmen Paroli bieten, die zunehmend Ziele in den Vereinigten Staaten anfliegen. Die neue Airline soll den Namen Delta tragen und ihren Sitz in Atlanta im amerikanischen Bundessstaat Georgia haben.

Delta erklärte, der Zusammenschluss verspreche „eine größere Arbeitsplatzsicherheit“. Durch die Fusion könne der Anstieg des Ölpreises kompensiert werden, es entstehe angesichts der wachsenden Konkurrenz im Flugverkehr eine größere Wettbewerbsfähigkeit. „Unser neues, vereintes Unternehmen wird gut aufgestellt sein für eine glänzende Zukunft in der globalen Airline-Industrie“, erklärte Anderson.

Pilotengewerkschaften gegen die Fusion

Die Entscheidung für die Fusion hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet - trotz des Widerstands der Pilotengewerkschaften. Diese hatten sich nicht auf gemeinsame Regelungen bezüglich der Dienstzugehörigkeit für die 7000 Piloten von Delta und die 5000 Piloten von Northwest einigen können. Die Fluggesellschaften kündigten in ihrer Erklärung an, sich um eine gemeinsame Regelung bemühen zu wollen.

Delta und Northwest wollen ihre 390 Zielflughäfen in 67 Ländern aufrechterhalten und auch weiterhin zahlreiche kleinere Städte in den Vereinigten Staaten anfliegen. Die gemeinsame Flotte zählt fast 800 Flugzeuge. Weltweit hat die neue Airline 75.000 Mitarbeiter und einen kombinierten Jahresumsatz von rund 35 Milliarden Dollar. Geographisch ergänzen sich die beiden Fluglinien: Während Northwest vor allem in Asien verankert ist, fliegt Delta viele Ziele in Lateinamerika und der Karibik an. In Europa sind beide sehr präsent.

Erst im vergangenen Jahr den Gläubigerschutz verlassen

Sowohl Delta als auch Northwest hatten erst im vergangenen Jahr den Gläubigerschutz verlassen. Wie viele andere amerikanische Fluglinien hatten auch Delta und Northwest infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 Insolvenz nach Kapitel elf des amerikanischen Konkursrechts angemeldet und sich so unter staatlichen Gläubigerschutz gestellt. So waren die angeschlagenen Unternehmen vor einem gerichtlichen Eintreiben ihrer Schulden geschützt und konnten an ihrer Restrukturierung arbeiten.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.413,75 -0,42
TecDax 723,19 +0,22
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.338,07 -0,49
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
Euro/Dollar 1,57 +0,14
Bund Future 111,18 +0,22
Gold 929,40 +0,19
Öl 124,98 -1,22
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche