Von Christian Siedenbiedel
24. Mai 2006 Von einem sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2005 hat Friedrich von Metzler vom Frankfurter Privatbankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. berichtet. Die Bank will in diesem Jahr mehr als 40 Mitarbeiter einstellen; im abgelaufenen Geschäftsjahr sei die Belegschaft um rund zehn Prozent auf 636 Beschäftigte gewachsen. Eine Grenze nach oben sieht der Bankier nicht: Eine gute Unternehmenskultur ist auch in einem größeren Unternehmen möglich, meint Metzler; ganz im Gegensatz zur Konkurrenz bei Hauck & Aufhäuser, deren Partner die Ansicht vertreten, mit der Idee der kleinen, aber feinen Privatbank vertrage sich eine Belegschaftsgröße von mehr als 500 Beschäftigten keinesfalls.
Die Frage der Nachfolge für den weit über die Grenzen der Stadt hinaus geachteten Mäzen und Frankfurter Ehrenbürger, der im April 63 Jahre alt geworden ist, scheint mittlerweile ein Thema zu sein, wenn auch nur langfristig. Wir denken, daß Herr von Metzler noch viele Jahre willig und fähig ist weiterzumachen, sagte Partner Norbert Enste. Trotzdem habe man die rechtlichen Schritte des Übergangs an die nächste Generation einschließlich der Erbschaftsteuerfrage bereits geregelt.
In der Familie gebe es vier potentielle Nachfolger. Wir bemühen uns, die Kinder für eine Tätigkeit in der Bank zu begeistern, sagte Enste. Ein Familienmitglied, Leo von Metzler, derzeit bei der Deutschen Bank in London tätig, könnte möglicherweise in absehbarer Zeit in die Bank kommen. Die Kinder von Friedrich von Metzler, 19 und 20 Jahre alt, seien derzeit noch zu jung: Die müssen erstmal ihren Weg durch Ausbildung und Studium gehen, sagte Enste.
Die fünf Säulen des Bankhauses
Man muß eine Familie genauso gut managen wie eine Bank, meinte Friedrich von Metzler, in der Bank kurz FM genannt. In der dreihundertzweiunddreißigjährigen Geschichte des Hauses sei immer einer aus der Familie in der Bank gewesen. Sein 19 Jahre alter Sohn studiere Economics in Mailand. Ich habe den angerufen und gefragt, ist das der richtige Weg für dich oder willst du lieber Philosophie studieren oder Journalist werden, sagte Metzler. Aber sein Sohn habe geantwortet, manches gefalle ihm an der Wirtschaft, manches nicht - aber das sei sein Weg.
Über die Zahlen des Unternehmens verrät Metzler traditionell nicht allzuviel. Was er preisgab, klang gut: Das Provisionsergebnis stieg um fast 27 Prozent auf 120 Millionen Euro. Das Zinsergebnis kletterte um 22 Prozent auf 11 Millionen Euro. Der Gewinn erhöhte sich von 10 auf 13,6 Millionen Euro. Die Steuerposition, in den Bilanzen mancher Banken ein besserer Indikator für die Geschäftslage als der ausgewiesene Gewinn, stieg in der Bank selbst von 1,4 Millionen auf 6,1 Millionen Euro, im Konzern von 10,5 auf 18,7 Millionen Euro. Die Bilanzsumme erhöhte sich, dem Unternehmen zufolge durch größere Treuhandpositionen, auf mehr als das Doppelte: von 1,5 auf 3,6 Milliarden Euro.
Das Bankhaus Metzler ruht heute auf fünf Säulen; schon früh hatte der international erfahrene Bankier im Gegensatz zu anderen Privatbanken eine Spezialisierung auf das Geschäft rund um den Kapitalmarkt eingeleitet und eine aufwendige eigene IT-Infrastruktur aufgebaut. Private Banking nennt sich die Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatleute unter der Leitung von Emmerich Müller. Sie hat zwei zusätzliche Dependancen eröffnet, in Stuttgart und in Bedburg bei Köln, die Müller zufolge gut laufen. Financial Markets erwirtschaftet Geld mit Fremdwährungsmanagement, Devisenhandel und ähnlichem. Equities nennt sich die Aktienabteilung, die sich unter anderem mit Research und Handel beschäftigt und von der guten Börsenlage profitierte. Corporate Finance ist die Investmentbanking-Abteilung, die etwa bei Unternehmenskäufen und -verkäufen, Privatisierungen und Börseneinführungen tätig wird.
Betriebliche Altersvorsorge
108 Transaktion hat sie Metzler zufolge von 2002 bis 2005 begleitet, mit einem Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro. Asset Management ist der offenbar zunehmend wichtiger werdende Geschäftsbereich, der sich um Fonds und die Organisation von betrieblicher Altersvorsorge für andere Unternehmen (Pension Management) kümmert. Sein Volumen stieg 2005 von 20 auf 24 Milliarden Euro.
Gerade das Pension Management scheint bei Metzler eine immer bedeutendere Rolle zu bekommen. Früher als andere habe man die Nische erkannt und profitiere jetzt davon, so Metzler. Die Verwaltung der betrieblichen Altersvorsorge birgt Enste zufolge allerhand Herausforderungen - von der Sicherung der Pensionsgelder bei der Insolvenz des Arbeitgebers bis hin zu einer risikoarmen, aber renditeträchtigen Anlage. Das Geschäft gilt als vergleichsweise stabil mit kontinuierlichen Zuflüssen über Jahre hinweg. Metzler hat hier verschiedene Modelle für Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung aufgelegt und nutzt dabei seine Kompetenz im vorsichtigen Verwalten großer Vermögenspositionen.
Je größer das Unternehmen, desto individueller ist dabei die Lösung für die Altersvorsorge. Die Deutsche Börse habe Metzler als Kunde in diesem Segment gewinnen können, außerdem Nestle Deutschland, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die Citibank, die Firma Henkel und die Boston Consulting Group. Metzler verwalte in diesem Geschäftsbereich mittlerweile etwa eine Milliarde Euro - mit stark steigender Tendenz.
Text: F.A.Z., 24.05.2006
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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