27. April 2006 Der Technologiekonzern Siemens hat im zweiten Geschäftsquartal einen überraschend hohen Gewinnzuwachs erzielt. Für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2005/06 (per Ende September) rechnet das Unternehmen allerdings mit einem langsameren Wachstum. Das Ergebnis nach Steuern habe im Zeitraum von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent auf 887 Millionen Euro zugelegt, teilte Siemens am Donnerstag in München mit. Analysten hatten im Durchschnitt mit 793 Millionen Euro gerechnet. Der Konzernumsatz stieg im selben Zeitraum um gut ein Fünftel auf 21,5 Milliarden Euro.
Dennoch haben im Konzern lediglich sechs der zwölf Sparten die von CEO Klaus Kleinfeld vorgegebenen Margenziele für 2007 im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2005/06 erreicht. Neben Osram, Medical, Automation & Drives (A&D), Powergeneration (PG), Power Transmission and Distribution (PTD) schaffte Siemens VDO Automative (SV) die Ziele, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
Deutlich verfehlten Com und SBS die Ziele. Industrial Solutions and Services (I&S), Siemens Building Technologies (SBT), Transportation Systems (TS) verzeichneten ein deutliches Ergebniswachstum, verfehlten die Margenziele aber ebenfalls. Bei Siemens Financial Services (SFS) ging das Bereichsergebnis um 51Prozent auf 44 Millionen Euro zurück. Die Eigenkapitalrendite belief sich auf 15,6 Prozent. Das Ziel für 2007 liegt bei 18 bis 20 Prozent.
Der Siemens-Quartalsbericht hat die Anleger nicht überzeugt. Mit einem Minus von knapp drei Prozent auf 77,56 Euro bildeten die
Aktien des Unternehmens gegen Mittag das Schlußlicht bei den Dax-Standardwerten.
Milliardenübernahme in amerikanischer Medizintechnik
Siemens will für einen Milliardenbetrag das amerikanische Medizintechnikunternehmen Diagnostics Products Corporation (DPC) übernehmen. Das geplante Geschäft hat einen Umfang von 1,6 Milliarden Dollar (1,54 Milliarden Euro), wie Siemens am Donnerstag in München mitteilte.
Der deutsche Konzern will den DPC-Aktionären demnach ein Angebot von 58,50 Dollar je Aktie unterbreiten; die Aufsichtsräte beider Firmen hätten die Übernahme bereits gebilligt. Wenn auch die zuständigen Wettbewerbsbehörden zustimmen, soll die Übernahme bereits im Sommer abgeschlossen sein.
DPC mit Sitz in Los Angeles ist nach Angaben von Siemens eines der führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Immundiagnostik und in mehr als hundert Ländern vertreten. Die Firma entwickelt automatisierte Systeme und diagnostische Tests für die Untersuchung von Blut und anderen Körperflüssigkeiten, mit deren Hilfe etwa Blut- und Stoffwechselkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumore und Allergien frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Im vergangenen Jahr macht DPC demnach mit rund 2500 Mitarbeitern gut 480 Millionen Dollar Umsatz.
Stellenabbau geht weiter
Die Probleme in seiner Kommunikationssparte Com will Siemens auch mit Hilfe eines weiteren Stellenabbaus in den Griff bekommen. Weitere Kapazitätsanpassungen seien kurzfristig geplant, teilte die Siemens AG am Donnerstag in München mit. In den vergangenen Monaten seien bereits 1500 Stellen in Deutschland abgebaut worden. Im abgelaufenen Quartal brach das Bereichsergebnis bei Com um 75 Prozent auf 27 Millionen Euro ein.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa, Dow Jones, Reuters
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb
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