Verbraucherpreise: Die gefühlte Inflation ist höher als die tatsächliche

Die Teuerungsrate könnte bis Ende 2007 auf drei Prozent steigen. Denn im Warenkorb haben einige sensible Produkte nur ein geringes Indexgewicht. Konrad Mrusek über die neue Inflations-Sensibilität bei Bürgern und Politikern.

Lesermeinungen zum Beitrag

31. Oktober 2007 22:13
Bitte Definition  
Hans Jensen (gent1)

Also Inflation bedeutet doch nicht Preissteigerung, sondern Geldmengenausweitung! Teuerungsrate und Inflation ist NICHT dasselbe - das sollten auch FAZ-Redakteure endlich einmal wissen. Jeder Kaufmann lernt es richtig.

Inflation - BiP = Preissteigerungsrate. DAS ist die klassische Inflationsberechnung (die Berufsschule lässt grüßen).

Und die liegt derzeit bei ca. 9% in der €-Zone!

Seit 2002 hat der € nach dieser Berechnung also rund 50% an Kaufkraft verloren - was den NICHT subjektiven Eindruck des Großteils der Bürger wiederspiegelt!

Der derzeitige Warenkorb unterschlägt die Energiekosten - einer der Hauptpreistreiber der letzten Jahre...

Der Verweis auf deflationäre Tendenzen im Elektronikbereich ist auch lächerlich - diese Artikel werden bekanntermassen in Ländern wie China hergestellt. Diese Entwicklung ist vorallem den künstlich niedrig gehaltenen asiatischen Währungen zuzurechnen - und das wiederum ist einer der Gründe für sinkende deutsche Reallöhne...

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30. Oktober 2007 17:28
unbar, und bar ist barbar  
Sophia Orti (rum)

Thomas Frieling schrieb:

"Der Euro wurde bereis 1999 engeführt. Rechnungen konnten unbar seit diesem Termin in Euro bezahlt werden. 2002 folgte nur noch die Umstellung des Bargelds, was aber keinen Einfluß auf den Geldwert hat."

Ich finde es interessant, wie die Einführung des "Bargeldes" 2002, die nur als Formalität anzusehen war, den Wert des Euros doch beeinflüßte. Monetäres Phänomen?

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26. Oktober 2007 21:39
Herr Müller und der Euro  
Thomas Frieling (TFrieling)

Herr Müller schreibt:

"Allein schon die Umstellung von DM auf Euro hatte 2001 eine sofortige Inflation im Einkaufswagen von 25% (selbst ausgerechnet). "

Der Euro wurde bereis 1999 engeführt. Rechnungen konnten unbar seit diesem Termin in Euro bezahlt werden. 2002 folgte nur noch die Umstellung des Bargelds, was aber keinen Einfluß auf den Geldwert hat.

Jeder, der sich beschwert, die Pizza wäre 2002 schlagartig teurer geworden, muß sich alleine die Frage gefallen lassen, warum er dem Wirt, der ihm diesen Preis nannte, nicht etwas gehustet hat.

TF

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26. Oktober 2007 12:47
richtig und falsch zugleich ...  
Bernd Guido Mau (BerndGuido)

Die Empfindung ist subjektiv und deshalb sowohl richtig als auch falsch.

Erstens reicht EIN einzelner Warenkorb in einer Gesellschaft, wo 10% der Bevölkerung 50% des Kapitalvermögens besitzen, zur repräsentativen Darstellung der Bedürfnisse nicht aus.

Zweitens verfälschen schwer gewichtete Posten den Warenkorb. Ein Drittel ist Wohnen. Es macht deshalb schon einmal einen Unterschied, ob man Single,
Mieter oder Eigentümer ist. Ein bezahltes und selbsbewohntes Haus wird perse nicht teurer, Mieterhöhungen sind gesetzlich reglementiert. Lediglich die Finanzierung wurde u.U. sogar preiswerter. Für den der baut oder instandsetzt wird's teurer. Wenn man sich trennt (die Singehaushalte boomen) wird das Wohnen - gefühlt - extrem teurer.

Damit verbleiben 70% des Warenkorbs. Verkehr wurde teurer, geht aber nur zu 13,9 % ein. Dies bedeutet eine Erhöhung um 0,50 EUR wird nur mit 0,0695
EUR berücksichtigt. Bei der Pizza sind es von 1 EUR gerade einmal ca. 5 Cent. Und so geht es fort. Also ist es klar, daß die Statistiker richtet rechnen, es aber
an der Verfeierung für jeden einzelnen Typ (Single oder Familie, arm oder reich, usw.) fehlt. Zum Schluß ist niemand geholfen.

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24. Oktober 2007 14:55
Das Problem mit der Indexwährung  
Sophia Orti (rum)

Sie ist nicht stabil, sie ist in dem besten der Fälle starr, in der Regel inflationistisch, aber mal gleichzeitig deflationistisch. Sie ist in Widerspruch mit einer Politik des neutralen Geldes, in der Geld nur tauschmittel sein soll und die Preise sich möglichst frei vom Einfluß des Geldes entwickeln sollen. Wir erleben es täglich: Preise werden fast nur teurer, die Qualität sinkt, manche Produkten und Leistungen rentieren sich nicht mehr und verschwinden, man soll täglich mehr arbeiten, und das trotz großem technischen Fortschritt, der in die entgegengesetzte Richtung Druck macht. Es ist nicht meine Erfindung, es steht in den alten Lehrbüchern: Warum ignorieren die großen und starken Volkswirte die Lehrbücher?

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23. Oktober 2007 22:58
@ Susanne Ruitenberg  
Gabor von Zoltan (Putinras)

Danke Frau Ruitenberg... Genau das habe ich gemeint. Aber hatte keine so lebensnahen Beispiele zu bieten. Merci!

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23. Oktober 2007 22:40
Betriebsblind ??  
Robert Hamacher (harohama)


Niemand bezweifelt die redlichen Bemühungen der Berufsstatistiker um eine solide Berechnung einer "durchschnittlichen" Inflationsrate. Niemand sollte aber auch bezweifeln, dass es bei diesen Warenkorb orientierten Berechnungen um ein BerechnungsMODELL handelt, das nur einen Annäherungswert an die inflationäre Realität bietet. Auch den Bundesstatistikern ist seit langem klar, dass z.B. für Rentnerehepaare und Familien mit Kindern im unteren Einkommenssegment der aktuell ausgewählte Warenkorb bzw. die Gewichtung der einzelnen Elemente nicht repräsentativ ist. Es würde mich nicht wundern, wenn bei entsprechenden Berechnungen für solche Gruppen die Inflationsrate bis 100% höher sein.

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23. Oktober 2007 14:41
Statistik hin oder her  
Susanne Ruitenberg (SusanneRuitenberg)

Mit 50 Euro vom Geldautomat komme ich ohne Wandlung meines Lebensstils nicht halb so lange hin wie vorher mit 50 DM, und habe dafür immer weniger bekommen. Entschuldigung, aber Unterhaltungselektronik kann ich nicht essen.

Die Pizza zu damals DM 7 kostet heute mindestens Euro 6,50. Was ist bitte daran gefühlt, wenn ich sage, ich muss das Doppelte hinlegen dafür?

Als wir 2003 unseren Diesel kauften, bewegte sich der Liter um die 78 Cent. Jetzt fast 1,20. Was ist daran bitteschön gefühlt? Jeden Euro, den ich allein für Wohnen, Heizen, Fahren ausgebe (zur Arbeit, alles andere schränkt man ja schon ein, wo es nur geht), in Abgaben ohne Ende und in private Vorsorge, in die ich jeden 10er, der übrig bleibt, stecke, fehlt mir anderswo. Alles steigt und steigt und steigt. Was nützt mir da ein Mobilfunktarif, der irgendwo gefallen ist?

Der Warenkorb ist vollkommen unrealistisch.

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23. Oktober 2007 13:29
Wenn man an Golddeckung denkt, haben wir 12 % Inflation  
Glücklicher Leser (Schwabenelch)

Über Jahrhunderte war der Goldpreis die Messlatte.
Jeder Fürst konnte noch so viel Papiergeld drucken wie er wollte, über die Golddeckung war er gezwungen, der Papierdruckerei Einhalt zu gebieten.
Das Papiergeld konnte jederzeit in Gold zurückgetauscht werden.

Hier der London Fix Goldpreis:
19.10.2007: 534,95 EUR
Vergleich zum Vorjahr: 19.10.2006: 474,23 EUR (+12,80%)
Vor 3 Jahren: 19.10.2004: 335,08 EUR (+59,64%)

Selbst eine Stadtverwaltung von Herrenberg (deM politischen Startplatz unseres Bundespräsidenten Horst Köhler) schreibt zur Eröffnung der neuen Schülermensa im Amtsblatt:
Alle Bauleistungen wurden Anfang 2006 ausgeschrieben, heute müßten wir 20 % mehr zahlen.

Die Inflation wird vom Staat kleingeschrieben, denn er ist der größte Infaltiongewinner. Mit der Abgeltungssteuer auf Wertzuwächse kann er mit 25% an der Inflation profitieren. Über die kalte Progression steigen unerkannt die Steuersätze und Einkommensteuereinnahmen. Und als größter Schuldner werden bei ihm die Schulden wertlos.

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23. Oktober 2007 13:13
Beunruhigende Zahlentricksereien  
Gabor von Zoltan (Putinras)

Mich beunruhigen diese Zahlentricksereien, die im eklatanten Widerspruch zur erlebten Realität eines Durchschnittsverdieners stehen.
Sie werden Folgen haben:
1. Jene, die unter dem - vollkommen offensichtlichen - Preisanstieg leiden, werden mehr und mehr extremistischen Polterern zuneigen, die ihnen einreden , dass es keine Meinungsfreiheit gäbe und Statistiker und Presse sowieso nur Lügen verbreiten, die im Dienste des Kapitals (im Falle der extremen Rechten wäre dann natürlich noch ein Adjektiv vor dem Wort "Kapital") stünden.

2. Jene, die nicht davon betroffen sind, bzw. den Anstieg gar nicht wahrnehmen oder ev. vom Preisrückgang bei Gütern profitieren, in deren Genuss der Kleinverdiener nie kommen wird (und die zwangsläufig ind diese Statistik reingerechnet sein müssen), werden immer mehr abheben. Also den Kontakt zur Lebensrealität der Schlechtergestellten verlieren und daher den Zeitpunkt verpassen, um etwas Gegensteuer zu geben. Murrer würden als plumpe Agitatoren und Populisten in die "Vernachlässigbar"-Schublade gesteckt, da schliesslich gem. Statistik alles okay ist.

Es wäre den Verantwortlichen dringend zu empfehlen, sich über das Zustandekommen der Zahlen und diese Wahrnehmungsdifferenz Gedanken zu machen.

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23. Oktober 2007 12:54
Panik der statistikhörigen Milchmädchen  
David Hoppe (diapir)

Ich halte, ganz subjektiv, überhaupt nichts von Panikmache und bin, ebenso subjektiv, der Meinung, dass es uns in Deutschland in jeder Hinsicht ausgezeichnet geht. Ohne irgendwelche Vergleiche mit anderen Ländern bemühen zu wollen, bin ich der Meinung, dass es Deutschland niemandem wirklich schlecht geht. Und wenn ich mir die Heerscharen der Konsumwilligen in den überall hingeklotzten Einkaufszentren ansehe, finde ich das bestätigt.

Dennoch bin ich, ganz subjektiv, der Meinung, dass mit der Einführung des Euro unverschämt drastische Preissteigerungen vorgenommen wurden. Dafür benötige ich keine Statistik. Dafür genügt der Gang in den Supermarkt, zum Bäcker, in das Bekleidungsgeschäft. Da bin ich Verfechter der 1:1-These und denke, dass jeder, der das abstreitet, nicht wirklich auf den Cent achten muss.

Denn es gilt: der gefühlte Preis ist niedriger als der tatsächliche.

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23. Oktober 2007 12:25
Buttermilchrechnung  
Matthias Mueller (helenos)

Woher haben einige die Information die Milch sei nur geringfügig teuerer geworden. Schauen diese Leute nicht auf die Rechnung beim Einkauf? Die günstige Buttermilch kostet jetzt 37 Cent statt 29 Cent und die Milch 69 Cent statt 59 => 27,6% Inflation bei Buttermilch und 17% bei Milch. da man täglich ein Glas (0,25l) trinkt = 53,84 € bisher jetzt 62,96 € im Jahr für Milch pro Kopf = Familie mit 4 Kindern = 36,49 € im jahr Mehrausgaben ALLEIN für Milch. Wenn einer richtig aufgepasst hat sind alle Produkte im Supermarkt vom O-Saft über Fleisch, Hygiene, Wein etc. um ähnliche Prozentsätze gestiegen. Wir sprechen hier von einer Steigerung im zweistelligen Bereich innerhalb eines Jahres. Allein schon die Umstellung von DM auf Euro hatte 2001 eine sofortige Inflation im Einkaufswagen von 25% (selbst ausgerechnet). Allein diese zwei Steigerung machen 40% Inflation innerhalb von 6 Jahren! 2000 hat die selbe Milch noch 69 Pfennige gekostet, jetzt ist der Betrag gleich, die Währung anders. Nur die Gehälter werden immer noch zuerst (psychologisch geschickt von den Arbeitgebern) in DM dann in EU umgerechnet. Fazit: Somit verdient heute (2007) ein Ingenieur soviel wie ein einfacher Fließbandarbeiter in 2000, und was verdienen die Arbeiter heute?

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23. Oktober 2007 12:19
Nur "gefühlte" Inflation?  
Uwe Bussenius (uwebus)


Aus meiner Rentner-Sicht (unveränderte Einkommenssituation) sieht das anders aus:
Einkommen 2000: 28.318 – 1938 EKST = 26.380 Euro/a
Einkommen 2006: 28.470 – 952 EKST = 27.254 Euro/a
Differenz + 3,3%
Kranken- und Pflegeversicherung für 2 Personen sind davon dann abzuziehen.
Jetzt kann ja mal jemand die Erhöhung der Sozialabgaben sowie die akkumulierte Inflation von 2000 – 2006 zusammenrechnen, dann weiß er, warum den Leuten langsam die Luft ausgeht.

Uwe Bussenius

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23. Oktober 2007 12:08
Indexwährung und Leugnung der unmittelbaren Wahrnehmung  
Sophia Orti (rum)

Früher war etwas wie ein Schimpfwort gegen eine Währung, sie als Indexwährung zu bezeichnen.

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23. Oktober 2007 11:52
"Unnötiges" wird aber konsumiert!  
Mirko Majorek (hantaan)

Unterhaltungselektronik hatte im Jahr 2006 einen Umsatz, der ca. 2% der Arbeitnehmerentgelte entspricht. (Zahlen: Stat. Bundesamt, GFU)
Auch wenn viele den Warenkorb kritisieren, in diesem Punkt entspricht er der Konsumrealität in Deutschland. Ein Blick in die Elektronik-Aldis und diese Zahl wird schichtübergreifend bestätigt.

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