12. Juli 2005 Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will die Aufklärung des Korruptionsskandals bei Volkswagen beschleunigen. Nach Informationen der F.A.Z. gibt es in seinem Umfeld Überlegungen, die Aufklärungsarbeit der Innenrevision auf den Aufsichtsrat auszuweiten. Wulff will Abrechnungen des Aufsichtsrates der vergangenen Jahre überprüfen lassen. Dazu soll er sich schon mit mehreren kompetenten Gesprächspartnern getroffen haben, ist zu hören.
In der VW-Affäre ist der Aufsichtratsvorsitzende, Ferdinand Piech, in die Kritik geraten. Dem langjährigen Vorstandschef wird vorgeworfen, für den nun aufgedeckten Filz im Konzern mitverantwortlich zu sein. Falls sich Wulff mit seinem Vorschlag durchsetzt, die Arbeit der Innenrevision auszudehnen, könnte dies den Zeitplan der Benennung eines Nachfolgers für Personalvorstand Peter Hartz beeinflussen.
Gut für die Stimmung
Am heutigen Mittwoch beraten Wulff und Piech zunächst über das Rücktrittsangebot von Peter Hartz. Der Ministerpräsident will als Vertreter des größten VW-Aktionärs die Präsidiumssitzung nutzen, um seine Vorschläge zu präsentieren: Wenn ein Kandidat genannt wird, wäre das sicher gut für die Stimmung. Um acht Uhr wird sich das vierköpfige Präsidium, in dem neben Wulff und Piech noch IG-Metallchef Jürgen Peters und der VW-Betriebsratsvorsitzende Christian Osterloh für die Arbeitnehmerseite sitzen, mit VW-Vorstandschef Bernd Pieschetsrieder treffen. Das Ende der Sitzung ist auf 13 Uhr terminiert.
Hartz-Nachfolger von außen
Piech gilt als der Gewerkschaftsseite zugewandt. Er werde eher für die Vorschläge der Präsidiumsmitglieder Peters und Osterloh votieren, heißt es. Peters präferiert den Audi-Personalvorstand Horst Neumann. Ob Peters von seinem Vorschlagsrecht Gebrauch macht und Neumann tatsächlich als Kandidaten präsentiert, halten Beobachter für wenig wahrscheinlich. Der IG Metall sei klar, daß Neumann bei Wulff nicht durchkomme. Wulff soll sich dem Vernehmen nach eng mit Pischetsrieder abstimmen. Beide sind sich einig, daß ein Nachfolger von Hartz von außen kommen sollte.
Unterdessen kündigte die Staatsanwaltschaft Braunschweig an, sie wolle in der VW-Affäre in Kürze erste Zeugen hören. Möglicherweise werde es noch in dieser Woche eine erste Vernehmung geben. Die Justiz ermittelt wegen Betrugs und Untreue gegen Ex-Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster und dessen früheren Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer. Sie sollen ein internationales Geflecht von Tarnfirmen aufgebaut haben.
Bester Auslieferungswert
Abseits der Affäre gab VW bekannt, bei den Auslieferungen an Kunden im Juni 2005 den besten Wert in der Unternehmensgeschichte erzielt zu haben. Der Absatz aller Konzermarken stieg im Juni um 10,6 Prozent auf 489.500 Fahrzeuge. Neben den Marken Audi und Skoda erzilete auch VW mit 282.700 ausgelieferten Fahrzeugen die bisher höchste Verkaufszahl im Juni.
Ungeachtet der guten Absatzzahlen wird der neue VW-Markenvorstand ebenfalls am Mittwoch Details zu seinem milliardenschweren Sparprogramm bekanntgeben. Bernhard hält Sparanstrengungen in einem Volumen von 7 Milliarden Euro für notwendig.
Text: hpe./sitt., F.A.Z. vom 13. Juli 2005
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