Porträt Marcel Rohner

Der Shootingstar

Von Daniel Schäfer

06. Juli 2007 „Ich habe noch nie Karriereplanung betrieben.“ Wenn Marcel Rohner auf seinen eigenen Ehrgeiz angesprochen wird, gibt er sich unprätentiös. Im Lichte seines kometenhaften Aufstiegs der vergangenen Jahre ist solch eine Aussage schwer zu glauben. Denn schon seit Jahren galt der Aargauer Manager als der Kronprinz der Schweizer Großbank UBS. Nun wird er überraschend in einer Nacht- und Nebelaktion zum Konzernleiter berufen und dürfte mit seinen 42 Jahren der jüngste Vorstandsvorsitzende einer international bedeutenden Großbank sein. Eine Karriere im Schnellzugtempo - von Rohner gänzlich ungeplant?

Wäre es nach den Vorstellungen seines nun abtretenden Vorgängers Peter Wuffli und des Verwaltungsratschefs Marcel Ospel gegangen, dann hätte Rohner noch anderthalb Jahre warten müssen. Denn eigentlich schwebte Wuffli vor, Ende kommenden Jahres das Zepter an seinen sieben Jahre jüngeren Stellvertreter abzugeben und selbst die Nachfolge Ospels anzutreten. Doch durch diese Rechnung hat ihm nun der Verwaltungsrat einen dicken Strich gemacht.

Ein Eigengewächs

Im Grunde sind die Wurzeln für Wufflis Scheitern und Rohners Gipfelsturm ein- und dieselben. Rohner, mit seiner Berufslaufbahn beim Schweizer Bankverein ein Eigengewächs der späteren UBS, löste vor zwei Jahren John Costas als Leiter des globalen Vermögensverwaltung der Bank ab. Besagter Costas wurde von Wuffli nach Amerika geschickt, wo er mit viel Geld und nach Ansicht von Beobachtern auch übertriebenem Risiko den Hedge-Fonds Dillon Read ins Leben rief. Das Scheitern dieses Hedge-Fonds und die personellen und operativen Probleme der Investmentbank werden nun von manchen als Hauptgründe für den Abtritt Wufflis angeführt.

Der Wechsel zu Rohner dürfte die Hoffnungen mancher Aktionäre, die Bank könnte sich in zwei Teile aufspalten, enttäuschen. Schon vor einigen Wochen, als die Welt der der UBS noch in Ordnung schien, trafen sich die obersten Herren der nach Börsenwert zweitgrößten Bank Europas zum Strategieforum in den Schweizer Bergen. In der nicht an die Öffentlichkeit gedrungenen Klausurtagung zurrte die Führungselite die weiter Strategie der Bank fest, die da heißt: Weiter wie bisher - und keine Aufspaltung, wie angeblich von manchen Aktionären verlangt.

Mathematisch denkender Mensch

Mit Rohner leitet künftig ein Manager das Tagesgeschäft der Bank, der wie kaum ein anderer für das integrierte Geschäftsmodell mit den drei Säulen Investmentbanking, Beratung reicher Privatkunden und Asset Management steht. Der verheiratete Vater zweier Kinder arbeitete lange Jahre im Risikomanagement der Investmentbank, bevor er als Quereinsteiger in das Metier der privaten Vermögensverwaltung wechselte. Dort mischte er mit einer aggressiven Wachstumsstrategie die stereotype Behäbigkeit der distinguierten Privatkundenberater durcheinander. Statt des klassischen, auf die Schweiz ausgerichteten Beziehungsbankings standen die professionelle Ausbildung der Berater und eine rasante Auslandsexpansion im Vordergrund. Dadurch baute die UBS ihre Position als führender Vermögensverwalter der Welt aus. Die Kritik der staunenden Wettbewerber, mit dem aggressiven Wachstumstempo werde sich die Bank sicherlich eines Tages übernehmen, dürfte den promovierten Wirtschaftsmathematiker wenig angefochten haben.

Obwohl durchaus Liebhaber des Schönen und Guten, eilt dem Anhänger historischer Literatur nicht der Ruf des Intellektuellen voraus, den sein Vorgänger inne hatte. Rohner gilt als mathematisch denkender Mensch. Allerdings auch als einer, der dazu neigt, seine Zuhörer durch zu komplexe Ausführungen zu überfordern. Ob das in der Kommunikation mit den derzeit kritisch auf die Bank schauenden Investoren hilfreich ist, sei dahingestellt. In seiner Selbstwahrnehmung jedenfalls versucht der Schweizer auch, auf die emotionale Ebene seiner Gegenüber einzugehen. „Ich will die Herzen der Mitarbeiter gewinnen, nicht nur die Köpfe“, sagte er einst. Und unzufriedenen Kunden der Vermögensverwaltungssparte riet er, sich direkt an ihn zu wenden.

Promotion in Zürich

Die fachliche Kompetenz des Shootingstars, der nach der Promotion in Zürich zwei Jahre als Assistent für ein Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut arbeitete, gilt als unumstritten. Nun muss er beweisen, dass er diese auch in der mitunter sehr politischen Funktion des Konzernlenkers umsetzen kann.



Bildmaterial: dpa

 
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