Von Matthias Müller
16. Mai 2008 Margret Suckale war bislang die Vorzeigefrau der deutschen Wirtschaft. Von den 533 Vorstandsposten in den 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen wird nur einer von einer Frau eingenommen, und zwar von Margret Suckale, dem Vorstand für Personal und Recht der Deutschen Bahn AG. Doch in den vergangenen Tagen schien der Stern Suckales über dem Bahn-Tower am Potsdamer Platz nicht mehr ganz so hell zu leuchten.
Denn ihre Berufung zum Vorstand Personal in der privatisierten DB Mobility Logistics AG erschien als Degradierung. Man unkte schon, dass der bisherige Transnet-Chef und künftige Arbeitsdirektor für Personal in der Holding, Norbert Hansen, nun zum Boss von Suckale aufsteige. Die stets zurückhaltend aber bestimmt auftretende Suckale scheint das nicht nahe zu gehen. Sie hängt an der Bahn, für die seit mehr als zehn Jahre arbeitet. Deshalb hat sie in den vergangenen Tagen auch nie an Abschied gedacht, war aus ihrem Umfeld zu hören. Hansen werde nicht zum Boss von Suckale und könne ihr auch keine Aufgaben erteilen.
Suckale hält sich aus der Diskussion raus
Klar ist jedoch, dass Suckale zum politischen Bauernopfer in dem Gerangel um Posten und Macht bei der Deutschen Bahn wurde. Denn im Zuge der Teilprivatisierung wollte der Eigentümer Bund zunächst eigentlich drei Manager mit besonders viel Macht und daher mit Doppelmandaten ausstatten. Neben dem 65 Jahre alten Mehdorn und dem bald 60 Jahre alten Finanzvorstand Diethelm Sack sollte auch Suckale beiden Vorständen angehören.
Doch letztendlich erhielten nur Mehdorn und Sack die Doppelmandate. Dabei soll der SPD-Vorsitzende Kurt Beck seinen Parteigenossen Hansen auf den Posten des Arbeitsdirektors gehoben haben. Das sorgte für viel Unmut, denn Hansen war über Jahre hinweg der einzige Gewerkschafter, der für die Privatisierung gekämpft hatte - und dafür auch viele Blessuren einstecken musste. Kritiker werfen Hansen nun vor, Gewerkschaftsinteressen verraten zu haben und sich mit einem dicken Gehalt den Lebensabend versüßen zu wollen.
Die 51 Jahre alte Suckale hält sich aus dieser Diskussion raus. Es ist zu hören, dass sie mit Hansen gut zusammenarbeiten könne. Zudem wurde nach der Sitzung des Bahn-Aufsichtsrats am vergangenen Donnerstag bekannt, dass sie künftig in der privatisierten Verkehrsholding nicht nur Personalverantwortung für 175.000 Beschäftigte haben wird, sondern zusätzlich auch für das operative Geschäft mit mehr als 30.000 Arbeitnehmern zuständig ist. Sie übernimmt den Dienstleistungs-Bereich des Konzerns, etwa für den Fuhrpark, die Sicherheitsdienste und die Fahrzeuginstandhaltung.
Unter der verbalen Gürtellinie
Unklar ist derzeit, wie die künftige Arbeitsteilung zwischen Hansen und ihr aussehen wird. Wer führt etwa die Tarifverhandlungen mit der Tarifgemeinschaft Transnet und GDBA sowie der Lokführergewerkschaft GDL? Darüber soll es in den kommenden Wochen Gespräche geben. Allerdings erleichterte es sicherlich die künftigen Tarifverhandlungen, wenn Suckale dabei die Federführung übernähme. Denn das zuvor bereits angespannte Verhältnis zwischen Hansen und der GDL dürfte sich durch seinen plötzlichen Amtswechsel und seinen Äußerungen über einen möglichen Personalabbau bei der Bahn eher noch verschlechtert haben. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky warf Hansen dann auch schon mal mangelnde Sachkenntnis vor.
Von Suckale hat man auch während des nervenzehrenden Tarifkonflikts mit der GDL nie solche Ausfälle gehört, auch wenn sie der frühere Oberlokführer Manfred Schell manchmal unter der verbalen Gürtellinie angriff und sie als Außerirdische bezeichnete. Mangelnde Sachkenntnis kann man Suckale nicht vorwerfen, denn sie hat es in den vergangenen Monaten geschafft, für die Bahn eine neue Tarifentgeltstruktur zu schaffen. Eine Aufgabe, deren Lösung ihrem Vorgänger noch nicht möglich gewesen war. Auch wenn sie immer wieder betont, dass der Abschluss für den Konzern zu teuer sei - die Bahn ist mit den neuen Strukturen im Wettbewerb um das beste Personal attraktiver geworden. Ihr ruhiges und beharrliches Auftreten in dem Tarifkonflikt hat ihr einen hohen Bekanntheitsgrad eingebracht, auch wenn sie darauf gerne verzichtete. Jüngst hat sie ein Passant, als sie an einer Bushaltestelle wartete, ungläubig gefragt, ob sie denn keinen Chauffeur habe? Die Außerirdische hat die Bodenhaftung scheinbar nicht verloren.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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