19. Mai 2008 Microsoft lässt trotz seines gescheiterten Übernahmeversuchs bei Yahoo nicht locker. Das Softwareunternehmen schlug dem Internetkonzern am Sonntagabend (Ortszeit) eine Alternative zu einem vollständigen Kauf vor. Allerdings zeichnet sich ab, dass der Yahoo-Großaktionär Carl Icahn dabei nicht mitspielen dürfte. Vor zwei Wochen hatte Microsoft seine 47,5 Milliarden Dollar schwere Yahoo-Kaufofferte zurückgezogen.
Microsoft nannte keine Details seines neuen Vorstoßes. Der Konzern teilte lediglich mit, beide Firmen hätten eine Alternative besprochen, die eine Transaktion mit Yahoo umfasse, nicht aber einen vollständigen Kauf. Man suche nach Alternativen, die Bereiche Onlinesuche und Werbung zu verbessern und auszubauen, heißt es in der Mitteilung aus Redmond. Zugleich schloss Microsoft aber nicht aus, eventuell doch noch eine Offerte für eine Komplett-Übernahme auf den Tisch zu legen. Dies hänge davon ab, wie sich künftige Gespräche mit Yahoo entwickelten.
Welche Art von Transaktionen Microsoft anstrebt, konkretisierte das Unternehmen bislang nicht. Wie das Wall Street Journal berichtet, habe Yahoo aber bereits eine Kooperation angeboten, in der Microsoft Anzeigen verkaufen will, die auf den Trefferlisten der Yahoo-Suchmaschine geschaltet werden. Die Zeitung beruft sich auf mit der Sache vertraute Personen. Den Markt mit solchen Anzeigen führt derzeit unangefochten Google an.
Die Milch ohne die Kuh?
Mit seiner neuen Rosinenpicker-Strategie, nämlich nur die wirklich attraktiven Teile von Yahoo zu übernehmen, kommt Ballmer kritischen Stimmen entgegen, die sich innerhalb von Microsoft zu Wort gemeldet hatten. Fast 50 Milliarden Dollar für das Bündel der verschiedenen Online-Aktivitäten von Yahoo, das in weiten Teilen nicht kompatibel zu den eigenen Anstrengungen im Web ist, erschien dann doch auch etlichen Microsoft-Managern aus der zweiten und dritten Ebene als zu teuer.
Doch Großaktionär Icahn werde sich mit der abgespeckten Variante nicht zufrieden geben, sagte eine Person, die mit den Ansichten des Milliardärs vertraut ist. Microsoft versucht, die Milch zu bekommen, ohne die Kuh zu kaufen. Auf so etwas habe sich Icahn noch nie eingelassen. Er will nicht erleben, dass Yahoo in irgendeine Art Joint Venture mit Microsoft geschubst wird. Und er wird sich nicht benutzen lassen, um Yahoo in so etwas reinzuschubsen. Stattdessen werde Icahn nun wohl mehr darauf drängen, dass Yahoo eine Allianz mit dem Suchmaschinenbetreiber Google eingeht. Genau das geht aber gegen die Interessen von Microsoft, die mit dem Yahoo-Kauf Google angreifen wollten. In unternehmensnahen Kreisen hieß es derweil, Microsoft und Icahn hätten bislang nicht miteinander über Yahoo gesprochen.
Kritische Kooperation
Kooperationen mit Microsoft im Anzeigen-Geschäft könnten für Yahoo allerdings auch problematisch werden. Erst vor rund zehn Tagen hatte der Internet-Konzern eine langfristige Werbe-Partnerschaft mit Google in die Wege geleitet. Yahoo werde aber jede Art von Transaktionen im besten Interesse der Investoren erwägen, teilte die Unternehmensspitze mit. Die beste Strategie für den unter massivem Druck stehenden Internetkonzern sei es jetzt, freundlich und offen auf Microsoft zuzugehen, schätzt Troy Mastin, Analyst bei William Blair & Co. Wenn sie richtig verhandeln, könne Yahoo dadurch seine Autonomie weitestgehend erhalten.
Yahoo hatte vor zwei Wochen selbst das aufgestockte Microsoft Angebot als zu niedrig abgelehnt. Daraufhin geriet das Management unter Druck einiger wichtiger Aktionäre. Insbesondere der Milliardär Icahn ereiferte sich über den Widerstand der Yahoo-Spitze. Er warf dem Management um Konzern-Chef Jerry Yang irrationales Verhalten vor und startete eine Kampagne zum Austausch des Führungsgremiums. Der Vorsitzende Roy Bostock wies dies umgehend zurück. Seiner Auffassung nach sei dies nicht im besten Interesse der Anleger.
Yang weiter unter Druck
Für Jerry Yang und seine Mitstreiter wird die Lage mit der neuerlichen Microsoft-Offerte nicht einfacher. Dem Yahoo-Mitbegründer Yang sitzt der Milliardär Icahn im Nacken, der einen kompletten Verkauf von Yahoo an Microsoft befürwortet hatte. Icahn versucht derzeit, sich mit anderen enttäuschten Yahoo-Aktionären und dem Hedge-Fonds-Manager John Paulson zu verbünden, um Yang von der Unternehmensspitze vertreiben.
Yang muss nun ausloten, welcher Partner für sein Unternehmen Google oder Microsoft - die beste kommerzielle Perspektive bieten wird. Zum Schicksalstag des Yahoo-CEOs dürfte der 3. Juli werden, wenn auf einer Aktionärsversammlung von Yahoo! die Direktoren des Bords neu gewählt werden. Sollte es Icahn gelingen, das Führungsgremium auszutauschen, wären auch Yangs Tage als CEO von Yahoo gezählt.
Anleger hatten weitgehend damit gerechnet, dass die Saga mit dem Rückzug Microsofts Anfang des Monats nicht zu Ende sein würde. Das
sei missglücktes Täuschungsmanöver gewesen, sagte Fort-Pitt-Capital-Analystin Kim Caughey. Microsoft ist ein
fürchterlich schlechter Poker-Spieler, wenn es gedacht hatte, die Leute würden glauben, der Deal sei tot.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z.,dpa, REUTERS
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