10. April 2008 Der Versorger RWE hat mehreren Medienberichten zufolge ein Angebot für den britischen Atomkraftwerksbetreiber British Energy vorgelegt. Die Gesellschaft wolle knapp 700 Pence pro British-Energy-Aktie in bar zahlen, hieß es am Donnerstag. Das britische Unternehmen würde damit mit etwa 14 Milliarden Euro bewertet.
Die Financial Times (Donnerstagsausgabe) schrieb, RWE habe die Offerte schon vor einigen Wochen vorgelegt. Mitte März hatte British Energy bestätigt, Übernahmeverhandlungen zu führen. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, dass RWE Interesse an British Energy habe.
Der deutsche Konzern habe nun die Erlaubnis für die Prüfung der Bücher erhalten, hieß es in dem Bericht der Financial Times. Einen formalen Bieterprozess hat British Energy bislang nicht eingeleitet. An dem Unternehmen hatten mehrere europäische Versorger Interesse signalisiert. Dem Bericht zufolge hat der französischen Energiekonzerns Electricité de France (EdF) für einen Teile von British Energy geboten, weil das Unternehmen kein Interesse an den technisch veralteten gasgekühlten Reaktoren (AGR-Reaktoren) von British Energy habe.
Auch Centrica soll ein Gebot vorgelegt haben
Laut Financial Times hat auch der britische Stromanbieter Centrica ein Gebot vorgelegt. Dies habe jedoch den Kaufpreis in Aktien begleichen sollen und werde wohl keine großen Erfolgschancen haben. Eine weitere Option könnte laut der Zeitung aus Gesprächen zwischen EdF und Centrica über ein gemeinsames Gebot entstehen.
RWE und die weiteren Bieter würden den Erwartungen nach neue Gebote für British Energy vorlegen, sobald sie ihre Due Diligence bei den Briten beendet haben, heißt es weiter. British Energy lehnte laut der Zeitung eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Ein RWE-Sprecher wollte den Bericht am Donnerstagmorgen nicht kommentieren.
Atomausstieg zu Hause - Investitionen im Ausland
Ein Gebot von RWE für das Atomkraft-Unternehmen könnte Ausdruck eines stärkeren Trends hin zu nuklearer Energie sein. Die Energieversorger stehen unter starkem Druck, ihre Kohlendioxidemissionen zu reduzieren und fürchten, mit Energie aus fossilen Brennstoffen in Zukunft weniger zu verdienen.
Steven de Proost, Analyst bei der niederländischen Dexia Bank sagte, für einen Deutschen Energieversorger wäre ein derartiger Zukauf im Ausland ein defensiver Schritt, um trotz des Atomausstiegs zu Hause weiterhin mit Atomstrom Geld verdienen zu können. Während Deutschland langfristig die Abschaltung seiner Atomkraftwerke plant, unterstützt der britische Premierminister Gordon Brown die nukleare Energieerzeugung in Großbritannien.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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