03. Juli 2006 Die Videoüberwachung kann nicht nur eine technisch anspruchsvolle Herausforderung sein. Sie muß auch gegen Bedenken in der Bevölkerung bestehen. Die Kameraüberwachung öffentlicher Plätze und Gebäude schreckt Datenschützer auf. George Orwell läßt grüßen. Die Befürworter jedoch können Erfolge aufweisen. Die Aufklärung über die Hintermänner der Terroranschläge in der Londoner U-Bahn im vergangenen Jahr ist nicht zuletzt Videoaufnahmen zu verdanken. Die Kriminalität in der Hochburg des Verbrechens - der südafrikanischen Stadt Johannesburg - hat dank dieser Technik so deutlich nachgelassen, daß sich Südafrikaner wie Touristen wieder ins Zentrum der Stadt wagen.
Die Technik ist so weit fortgeschritten, daß eine Videokamera ungewöhnliche Bewegungen automatisch registrieren kann. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Einbruchsicherung oder Verbrechensbekämpfung. Zunehmend werden Kameras auch in der Brandmeldetechnik eingesetzt. Software macht es möglich, daß etwa auffällige Veränderungen von Grauschattierungen im Bild erkannt und gemeldet werden. Durch die Früherkennung können Mitarbeiter in Kontrollzentralen schneller reagieren und so manche Katastrophe vermeiden.
Noch kein Ende des technisch Machbaren
Das ist längst nicht das Ende des technisch Machbaren. An diesen Themen werden wir noch Jahre arbeiten, sagt Angelika Staimer vom Fachverband Sicherheitstechnik des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Im Personenschutz ist die Bilderkennung heute in der Lage, etwa Politiker in einem begrenzten Umfeld zu identifizieren und zu verfolgen, um die Sicherheitskräfte rechtzeitig vor möglichen Gefahren zu warnen. Die Herausforderung aber ist, Individuen zu verfolgen, die sich in großen Menschenmassen aufhalten. Im Test befinden sich Gesichtsanalysen, die einzelne Personen in großen Massen ausmachen können.
Genauso gut könnten Hooligans im Fußballstadium verfolgt werden. Schon lange setzt die Polizei Kameras ein, um Unruheherde und einzelne Rädelsführern auszumachen, die in der Masse Schutz suchen. Irgendwann sollen solche der Polizei bekannte Personen im Bild eingefangen werden. Die Software und die Qualität solcher Kameras wird es später einmal ermöglichen; dazu aber sind enorme Rechnerleistungen erforderlich.
Verringerung der Fehlerquoten
Die Einsatzmöglichkeiten sind noch vielfältiger. Autokennzeichen können erkannt werden, was die Zufahrt etwa zu Garagen erleichtert. Bei der Verkehrsüberwachung in Tunnel unterscheiden Kameras Lastwagen von Personenwagen. Sind zu viele Mehrtonner in den Tunnel hineingefahren, wird für sie die Ampel an der Tunneleinfahrt auf Rot geschaltet.
Die Entwicklung arbeitet auch an der Verringerung der Fehlerquoten. Daß die Technik noch keinesfalls perfekt ist, zeigt nämlich die Biometrie - die Erkennung und Identifizierung von Personen anhand von Fingerabdrücken oder der Iris. Es kann bei Zutrittskontrollen vorkommen, daß zugangsberechtigte Personen an der Eingangskontrolle scheitern, während andere unberechtigt Zutritt zu sensiblen Bereichen erhalten.
Paßkontrolle per Fingerabdruck und Augenscanner
Kontaktlinsen können einen Augenscanner schon mal irritieren. Daher arbeiten Unternehmen an der dreidimensionalen Biometrie, womit nicht nur das Auge, sondern das gesamte Gesicht mit seinem Profil abgetastet wird.
Ganz soweit geht der Testlauf am Frankfurter Flughafen noch nicht: Zuvor registrierte Fluggäste der Lufthansa können die Paßkontrolle im Do-it-yourself-Verfahren vornehmen. Der Fingerabdruck wird geprüft. Und Augenscanner ersetzen den scharfen Blick eines Grenzbeamten.
Text: kön. / F.A.Z., vom 30. Juni 2006
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