Finanzmärkte

Die Banken bleiben in der Krise

Von Carsten Knop und Norbert Kuls

Leidet unter hohen Verlusten: die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers

Leidet unter hohen Verlusten: die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers

09. Juni 2008 Die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers macht wegen der Finanzmarktkrise deutlich mehr Verlust als erwartet und braucht sechs Milliarden Dollar frisches Kapital. Die Kapitalerhöhung fällt damit höher aus als zuletzt vermutet worden war. Die Anhebung des Grundkapitals soll über die Ausgabe von Stammaktien und Wandelpapieren erfolgen.

Eine eher schlechte Erfahrung mit einer solchen Kapitalerhöhung hat soeben die Royal Bank of Scotland gesammelt: Die größte Transaktion dieser Art in der britischen Finanzgeschichte konnte nicht vollständig unter den Anteilseignern plaziert werden. Die Einlösungsquote der Bezugsrechte für die 5,8 Milliarden neuen Aktien im Wert von umgerechnet 15 Milliarden Euro habe bei 95,11 Prozent gelegen, teilte RBS mit. Die Kapitalerhöhung war nötig geworden, um die von der Übernahme der niederländischen Großbank ABN Amro und Belastungen durch die Immobilienkrise geleerten Kapitalspeicher wieder auffüllen. Im vergangenen Jahr hatte ein unter RBS-Führung stehendes Konsortium ABN Amro für umgerechnet rund 72 Milliarden Euro gekauft. Zu der Gruppe gehörten auch die spanische Banco Santander Central Hispano und die belgisch-niederländische Fortis. Neben der Kapitalerhöhung plant die RBS nun wohl auch die Streichung von 7000 seiner 28.000 Stellen sowie Anteilsverkäufe.

Kräftige Kursverluste bei Lehman Brothers

Unter allen amerikanischen Großbanken erwartet Lehman im laufenden Jahr nun Verluste von insgesamt 79 Milliarden Dollar. Die Aktien von Lehman Brothers verloren am Montag im Handelsverlauf rund 7 Prozent ihres Wertes (siehe Lehman-Aktie im Abwärtssog); die Papiere von RBS legten leicht zu.

Lehman Brothers Holdings Inc. ist die viertgrößte Investmentbank Amerikas. Das Institut rechnet für das zweite Quartal mit einem Rekordverlust von 2,8 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres hatte Lehman noch einen Gewinn von 1,3 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Seit Anfang des Jahres hat sich der Aktienkurs des Instituts um rund 55 Prozent ermäßigt. Richard Fuld, der Vorstandsvorsitzende von Lehman, reagierte „sehr enttäuscht“ auf das Ergebnis. Mit der gestärkten Bilanz und der Erholung der Finanzmärkte seit März sei Lehman aber gut positioniert, sagte Fuld.

Wer steigt ein?

Die Verluste begründete Lehman mit Wertberichtigungen sowie Verlusten im Eigenhandel. Neben dem Anleihehandel hat Lehman auch im Handel mit Aktien verloren, hieß es. Wie andere Investmentbanken muss Lehman vor allem den Wert von hypothekenbesicherten Anleihen berichtigen. Der Wert dieser komplexen Wertpapiere war als Konsequenz fallender Häuserpreise in den Vereinigten Staaten sowie steigender Zahlungsausfälle bei Hypothekenschuldnern deutlich gefallen. In einer Kettenreaktion hatte diese Entwicklung auch zu starker Verunsicherung an den internationalen Finanzmärkten geführt.

Lehman gab die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal bereits am Montag bekannt, nachdem in der vergangenen Woche zahlreiche Spekulationen über die Höhe der Verluste den Handel an der Wall Street geprägt hatten. Weitere Details des Quartalsergebnisses wird Lehman wie geplant in der kommenden Woche veröffentlichen. Presseberichten zufolge wollen aber der Bundesstaat New Jersey und der Vermögensverwalter C.V. Starr bei Lehman einsteigen. Die Anlagebehörde von New Jersey, die die Pensionskassen des Bundesstaates verantwortet, hatte jüngst auch bei der Investmentbank Merrill Lynch investiert. C.V. Starr wird vom ehemaligen Vorstandschef des Versicherungsriesen AIG, Maurice Greenberg, geführt. Auch eine Finanzspritze eines großen ausländischen Investors scheint möglich.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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