Automobile

Piech: Hartz bleibt

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech

01. Juli 2005 In der Schmiergeldaffäre bei Volkswagen hat der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung klar dementiert, daß VW-Personalvorstand Peter Hartz zurücktreten werde: „Der Aufsichtsrat hat und wird Herrn Dr. Hartz keinen Aufhebungsvertrag anbieten. Ich habe keine Gespräche dieser Art mit irgendjemandem geführt. Es wurde auch kein derartiger Antrag an mich herangetragen. Herr Dr. Hartz bleibt Personalvorstand von Volkswagen“, sagte Piech der F.A.Z. Damit reagierte der frühere VW-Vorstandschef auf Gerüchte, nach denen Hartz im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre bei VW vorzeitig aus dem Automobilkonzern ausscheiden müsse.

Unterdessen geht der Vorstand in die Offensive. „Wir haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kontaktiert und beabsichtigen, sie damit zu beauftragen, alle Vorgänge unabhängig zu überprüfen“, sagte VW-Chef Bernd Pischetsrieder am Freitag in Wolfsburg. Er wolle sich neben den strafrechtlichen Ermittlungen ein unabhängiges Bild der gesamten Lage verschaffen. Der Autobauer hat vor einigen Tagen bereits die Staatsanwaltschaft Braunschweig eingeschaltet, um internen Hinweisen auf Korruption nachzugehen.

Skoda-Personalchef soll sich bereichert haben

Wirtschaftsprüfer sollen Licht ins Dunkel bringen

Wirtschaftsprüfer sollen Licht ins Dunkel bringen

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der als Vertreter des VW-Hauptaktionärs Niedersachsen im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt, nannte dies den richtigen Weg. Das Ausmaß des Skandals sei heute noch nicht abzusehen. Pischetsrieder hatte eine „lückenlose Aufklärung“ angekündigt.

Zu Beginn dieser Woche hatte VW bereits die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Im Zentrum der Ermittlungen stehen bislang der ehemalige Škoda-Personalvorstand Helmuth Schuster und ein - inzwischen entlassener - Mitarbeiter im zentralen Personalwesen von Volkswagen, Klaus-Joachim Gebauer. Die beiden stehen unter dem Verdacht der Untreue und des Betrugs; sie sollen Schmiergelder von Lieferanten der tschechischen VW-Tochtergesellschaft Škoda angenommen haben. Im Zusammenhang mit dieser Affäre trat der langjährige Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Klaus Volkert, am Donnerstag zurück.

Eine tschechische Schauspielerin ...

Hartz und Schuster sind enge Vertraute. Schuster ist Mitautor der Entwürfe zur Reform des Arbeitsmarktes, die SPD-Mitglied Hartz in der nach ihm benannten Kommission federführend entwickelt hatte. Bis zum Freitag nachmittag gab es VW-intern aber offenbar keinerlei Hinweise, daß Hartz in den Schmiergeldskandal verwickelt sein könnte. Der Personalchef, so hieß es in unternehmensnahen Kreisen, könnte sich allenfalls insofern angreifbar gemacht haben, daß er länger als eigentlich vertretbar die Hand über Schuster gehalten habe.

Angeblich ist Schuster der Konzernrevision nicht nur im Zusammenhang mit vermuteten Schmiergeldzahlungen aufgefallen: Auf Geschäftsreisen soll sich der 51 Jahre alte Manager kostspielige Damenbesuche geleistet haben. Ende Mai berichtete das tschechische Boulevardblatt Superspy über eine angebliche Affäre Schusters mit der tschechischen Schauspielerin Katerina Brozova.

... und eine brasilianische Reisebegleitung

Auch über Klaus Volkert kursieren in Wolfsburg wilde Gerüchte: Der bisherige Betriebsratschef soll eine Affäre mit einer Brasilianerin gehabt haben. Dies, heißt es bei VW, sei Volkerts Privatsache - solange er die Flüge der Dame nach Deutschland aus eigener Tasche bezahlt hat. Doch daran gibt es offenbar Zweifel: Angeblich soll, heißt es in der Gerüchteküche, die eine oder andere Reise über Volkswagen abgerechnet worden sein.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder

VW-Chef Bernd Pischetsrieder

Die IG Metall und deren Vorsitzender Jürgen Peters sehen sich zu Unrecht in die Affäre hineingezogen. „Die ganze Angelegenheit ist ziemlich nebulös. Wir kennen bislang nicht mal einen konkreten Vorwurf. Wir wissen nur, daß es bei Volkswagen angeblich zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Die Gewerkschaft könne erst dann eine konkretere Stellungnahme abgeben, wenn man die Vorwürfe sortiert habe. Jedenfalls verwahre sich Peters dagegen, in irgendeinen Zusammenhang mit den Vorwürfen gebracht zu werden. „Diese Vorwürfe sind nichts anderes als Verleumdung und üble Nachrede“, sagte Peters. Die IG Metall habe bereits juristische Schritte gegen Medien eingeleitet, die unwahre Nachrichten verbreitet hätten.

SPD wehrt sich

Dies richtet sich vor allem gegen die Zeitschrift Wirtschaftswoche, die behauptet hatte, Peters sowie Bundeskanzler Gerhard Schröder als früheres VW-Aufsichtsratsmitglied zählten zu den möglichen Mitwissern in der Schmiergeldaffäre. „Dies ist eine falsche verleumderische Behauptung, gegen deren Verbreitung sich der Bundeskanzler auch rechtlich wehren wird“, ließ Schröder am Freitag über das Bundespresseamt verlauten. In SPD-Kreisen vermutet man die CDU als Quelle der Anschuldigungen. Aus wahltaktischen Gründen streue die CDU Gerüchte, um prominente SPD-Mitglieder (dazu zählt auch Hartz) zu diskreditieren.

Text: rit./hap.
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, FAZ.NET

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