VW-Affäre

Hartz weist Vorwürfe zurück

VW-Personalvorstand Peter Hartz

VW-Personalvorstand Peter Hartz

06. Juli 2005 VW-Personalvorstand Peter Hartz gerät zunehmend unter Druck. Nach Informationen der F.A.Z. gibt es innerhalb des Automobilkonzerns zwar noch keine Belege dafür, daß er sich im Zusammenhang mit angeblichen Lustreisen von Betriebsräten und persönlichen Verfehlungen des früheren Betriebsratschefs Klaus Volkert etwas hat zuschulden kommen lassen. Gleichwohl könnte Hartz letztlich zum Rücktritt gezwungen sein, um sich und VW aus den Schlagzeilen zu nehmen und damit übergeordneten Schaden von dem Unternehmen abzuwenden.

Sein Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2007, intern hatte er aber schon länger damit geliebäugelt, schon zum Jahresende 2005 oder im Frühjahr 2006 aufzuhören.

Prostituierte und Unterkünfte für Geliebte?

Hartz steht bislang nicht unter dem Verdacht, in die Korruptionsaffäre bei der tschechischen VW-Tochtergesellschaft Skoda involviert zu sein. In diesem Fall stehen der frühere Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer, ein inzwischen entlassener Mitarbeiter der VW-Personalabteilung, unter Betrugsverdacht. Gebauer hatte bei Volkswagen eine besondere Aufgabe: Er war für die „umfassende Betreuung der Betriebsräte“ zuständig.

Die Stelle soll im Haushaltsplan von Volkswagen mit einer siebenstelligen Summe budgetiert worden sein. Somit galt Gebauer als eine Art „Chefanimateur“ für die Betriebsräte. Dazu habe vor allem die Organisation von Reisen, Essen, Übernachtungen oder Konferenzen gehört - womöglich habe sich daraus im Laufe der Zeit das Selbstverständnis ergeben, zu derlei Betreuung gehörten auch Prostituierte oder Reisen und Unterkünfte für Geliebte.

Hartz und Osterloh weisen Vorwürfe zurück

Hartz und der neue Betriebsratschef des Werkes Wolfsburg, Bernd Osterloh, wehrten sich am Dienstag indes gegen die Behauptung, die Arbeitnehmervertretung habe vom Vorstand Vergünstigungen erhalten und sei so „gekauft“ worden. Entsprechende Berichte nannten sie „absurd". „Niemandem im Vorstand sind solche Vorgänge bekannt, und niemand im Vorstand hätte sie gebilligt", sagte Hartz in einer von VW veröffentlichten Erklärung. „Ich weise die Verunglimpfungen aufs Schärfste zurück.“ Der Konzern werde alle Vorwürfe lückenlos aufklären und habe dazu die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG eingeschaltet.

Ähnlich äußerte sich Osterloh nach seiner Wahl zum Betriebsratsvorsitzenden am Dienstag: „Der Betriebsrat von Volkswagen läßt sich nicht kaufen.“ In Medien pauschal geäußerte Vermutungen seien „grenzenlose Verleumdungen".

Hartz nächste Woche nicht mehr Personalvorstand?

Interessant ist, daß Gebauer von dem FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki anwaltlich vertreten wird. Aus dieser Rolle heraus verfügt Kubicki angeblich über Unterlagen, die auch VW-Personalvorstand Hartz die Stelle kosten könnten. „Sie können davon ausgehen, daß Peter Hartz nächste Woche nicht mehr VW-Personalvorstand sein wird. Der Kelch wird nicht an ihm vorübergehen“, sagte Kubicki dem Branchenfachblatt „Automobilwoche“. Hingegen sei die Vermutung, Bundeskanzler Gerhard Schröder oder Sigmar Gabriel seien in die Affäre verwickelt, „Quatsch“.

Beobachter weisen indes darauf hin, daß bislang noch kein einziger schriftlicher Beleg für die Vorwürfe gegen Hartz nach außen gedrungen sei. Möglicherweise versuche Kubicki lediglich, in der öffentlichen Diskussion ein größeres Rad zu drehen, um von der Schuld seines Mandanten, gegen den die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt, abzulenken.

Einzelfall oder Geflecht?

Klar ist, daß von mehreren Seiten an Hartz' Stuhl gesägt wird. Wie es heißt, sei Hartz grundsätzlich ein Mensch, dem ein harmonisches Miteinander wichtiger sei als linker Klassenkampf. In diesem Klima, in dem die Gegensätze von Kapital und Arbeit bisweilen aufgehoben worden seien, seien offenbar Auswüchse entstanden, deren Dimension sich der Vorstand nicht habe vorstellen können.

Ob es sich in der Affäre um einen aus dem Ruder laufenden Einzelfall handelt oder ob ein Geflecht an Tricks und Täuschungen vorherrscht, ist noch nicht zu übersehen. Genausowenig ist klar, ob noch weitere Personen bis hinauf in den Vorstand in die Affäre verwickelt werden.

„Abgetaucht“

Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hat sich am Montag abend in einem Restaurant in Frankfurt mit Klaus Volkert getroffen. Volkert sei in der Stadt am Main gewesen, um sich anwaltlichen Rat einzuholen. Anschließend habe er Peters aufgesucht, der darum gebeten hatte, aus erster Hand informiert zu werden. „Herr Volkert hat Herrn Peters versichert, daß er sich nichts hat zuschulden kommen lassen“, sagte IG-Metall-Sprecher Georgios Arwanitidis dieser Zeitung auf Anfrage. Die beiden seien vollen Bewußtseins in ein Restaurant gegangen, denn sie hätten nichts zu verbergen.

Ob über das VW-Aufsichtsratsmandat von Volkert gesprochen wurde, blieb offen. Jedenfalls betreibe Peters nicht den sofortigen Rückzug Volkerts aus diesem Gremium. Daß Volkert sich mit Peters getroffen habe, widerlege auch Aussagen vom Vortag, der ehemalige Betriebsratschef sei „abgetaucht“.

Text: rit., hap./F.A.Z., Reuters
Bildmaterial: dpa, dpa/dpaweb

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