Automobile

Pischetsrieder soll MAN-Scania-Fusion voranbringen

Vor neuen Herausforderungen: Bernd Pischetsrieder

Vor neuen Herausforderungen: Bernd Pischetsrieder

10. November 2006 Der scheidende Volkswagen-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder soll nach seiner Ablösung angeblich das Zusammengehen der beiden Lkw-Hersteller MAN und Scania voranbringen. Dies sei eine seiner künftigen Sonderaufgaben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Aufsichtsrats-Kreise von VW. „Pischetsrieder soll das zu einem erfolgreichen Ende führen“, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrats am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Konzernsprecher von Volkswagen lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Einem anderen Medienbericht zufolge ist Pischetsrieder für den Fall eines Zusammenschlusses von MAN und Scania als Aufsichtsratschef des neuen Lkw-Konzerns im Gespräch. Pischetsrieder komme für diesen Posten in Frage, berichtete die „Automobilwoche“ am Freitag in ihrer Internetausgabe unter Berufung auf Kreise des VW-Aufsichtsrats. Vertreter sowohl der Kapital- als auch der Arbeitnehmerseite in dem Gremium hätten dies als ein mögliches Betätigungsfeld für Pischetsrieder bezeichnet. Volkswagen wollte auch dies nicht kommentieren.

Einigungsfrist bis Freitag nächster Woche

Als Vorstandschef geht er - schwere Aufgaben warten

Als Vorstandschef geht er - schwere Aufgaben warten

Volkswagen ist Großaktionär sowohl bei Scania wie auch neuerdings bei MAN und hat den beiden Unternehmen bis zum Freitag nächster Woche eine Frist für eine gütliche Einigung gesetzt. Pischetsrieder ist bereits Aufsichtsratsvorsitzender von Scania und damit stark in den Übernahmekampf involviert.

Dieser hatte durch unbestätigte Berichte an Brisanz gewonnen, wonach MAN beabsichtige, seinerseits Aktien von VW zu erwerben. Sowohl der schwedische Lkw-Konzern als auch dessen Aktionär Investor - eine Finanzgesellschaft der Industriellenfamilie Wallenberg - weisen das Angebot von MAN für Scania über gut zehn Milliarden Euro als zu niedrig zurück.

Der Wolfsburger Konzern hatte nach der außerordentlichen Sitzung des Präsidiums seines Aufsichtsrates am Dienstag in einer Pflichtmitteilung lediglich das einvernehmliche Ausscheiden seines Vorstandsvorsitzenden Pischetsrieder zum Jahresende bekanntgegeben. Allerdings war bereits bekannt, daß Pischetsrieder für Sonderaufgaben zur Verfügung stehen soll.

Finanzaufsicht prüft Vorgehen der Wallenbergs

Unterdessen wurde bekannt, daß Schwedens Finanzaufsicht die Aktienkäufe der Finanzgesellschaft Investor beim Übernahmepoker um den Nutzfahrzeughersteller Scania unter die Lupe nehmen will. Wie eine Behördensprecherin am Freitag in Stockholm bestätigte, steht bei den Ermittlungen die mögliche Verletzung der Meldepflicht bei Übernahme von mehr als 30 Prozent der Stimmrechtsanteile im Zentrum.

Die Investor-Holding hatte Anfang der Woche gleichzeitig mit dem Beginn von Verhandlungen mit dem Übernahmeinteressenten MAN und dem dahinter stehenden VW-Konzern den eigenen Stimmrechtsanteil von 19,3 auf 20,1 Prozent erhöht. Zusammen mit weiteren Beteiligungen der Wallenberg-Gruppe, zu der Investor gehört, ergab dies einen Gesamtanteil von 30,6 Prozent.

„Keine Zusammenarbeit“

Die zuständige Sprecherin der Stockholmer Finanzaufsicht, Annika von Haartman, sagte in der Zeitung „Dagens Industri“, ausschlaggebend sei bei der Frage der Anmeldepflicht, ob Investor beziehungsweise die Wallenberg-Gruppe bei der Übernahme zusätzlicher Aktien das Ziel gehabt hätten, Scania ganz unter eigene Kontrolle zu bringen. Investorsprecher Fredrik Lindgren sagte der Nachrichtenagentur DPA: „Es gibt keine Zusammenarbeit zwischen uns und den betroffenen Wallenberg- Stiftungen.“ Volkswagen ist mit 34 Prozent der Stimmrechte und 18,7 Prozent des Kapitals von Scania weiterhin größter Aktionär. Investor hält bei Scania 16,8 Prozent des Scania-Kapitals.

In schwedischen Medienkommentaren wurde die überraschende Ablösung von VW-Chef Bernd Pischetsrieder in dieser Woche als starkes Indiz für ein bevorstehendes Scheitern der geplanten Fusion von MAN und Scania mit Beteiligung von VW gewertet. Lindgren sagte zu den Veränderungen an der VW-Spitze: „Das ist eine interne Sache. Wir haben weiter gute Beziehungen zu VW.“

Text: FAZ.NET mit Material der Agenturen
Bildmaterial: ddp, dpa

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