Stahlbranche

Ergebnisse von Thyssen-Krupp brechen ein

Von Werner Sturbeck

13. Februar 2008 Im ersten Geschäftsquartal sind wichtige Ertragskennziffern des Stahl-, Investitionsgüter- und Dienstleistungskonzerns der Thyssen-Krupp AG um etwa ein Drittel gegenüber den Vorjahreswerten zurückgefallen. Der Vorstand erklärt zwar im Zwischenbericht, das um 39 Prozent auf 646 Millionen Euro eingebrochene Ergebnis vor Steuern sei immerhin noch höher als geplant ausgefallen. Aber der Kapitalmarkt reagierte enttäuscht und machte die Thyssen-Krupp-Aktie zum Tagesverlierer im Dax. Ihr Kurs gab zeitweise bis zu zwei Euro auf 33,08 Euro nach, erholte sich dann aber wieder etwas.

Umsatz und Auftragseingang blieben in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2007/2008 mit 12,3 Milliarden beziehungsweise 13,3 Milliarden Euro fast stabil. Dabei schwächte sich in diesem Zeitraum, dem letzten Kalenderquartal 2007, die Dynamik der Weltkonjunktur in Reaktion auf stark erhöhte Energie- und Rohstoffkosten sowie die Unsicherheiten durch die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten spürbar ab.

„Nickeleffekt“ und Unterbeschäftigung

Dagegen zeigt im Thyssen-Krupp-Konzern das Konzernsegment Edelstahl, das den Ertragseinbruch weitgehend verursachte, eine Geschäftsstabilisierung. Nach mehrmonatiger Durststrecke nahm der Auftragseingang im Berichtszeitraum sogar um 12 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro zu. Unter Berücksichtigung der im Jahresverlauf extrem gesunkenen Preise stehen dahinter bei den verschiedenen Bandqualitäten Mengenzuwächse von zum Teil mehr als 30 Prozent. Der bereits im Sommer weggebrochene Nickelpreis fiel im ersten Geschäftsquartal nochmals um 20 Prozent zurück. Dies hat über die Legierungszuschläge starken Einfluss auf den Umsatz und durch die Bestandsbewertung auch auf das Ergebnis.

Während sich das schwache Geschäft im Segmentumsatz in einem Rückgang um knapp sieben Prozent auf 1,8 Milliarden Euro niederschlug, stürzte das im Vorjahr außergewöhnlich gute Ergebnis in der Edelstahlsparte um 360 Millionen Euro in die Verlustzone (45 Millionen Euro) ab.

Neben dem „Nickeleffekt“ wird der Ertragseinbruch auch mit Belastungen aus der Unterbeschäftigung erklärt. Im Werkstoffhandel des Segments Services hat die Entwicklung im Edelstahl ebenfalls maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Segmentergebnis vor Steuern um ein knappes Drittel auf 132 (Vorjahr: 192) Millionen Euro deutlich verschlechterte.

Vorlaufkosten der brasilianischen Stahlhütte

Bei stabilem Auftragseingang und leicht auf 3,2 Milliarden Euro anziehenden Umsatz im Segment Qualitätsflachstahl hat auch hier das Vorsteuerergebnis um 11,5 Prozent auf 353 Millionen Euro nachgegeben. Dieser Rückgang resultiere aus geringeren Gewinnbeiträgen zum Beispiel des Geschäftsfeldes Autos, das vor allem in den Vereinigten Staaten erheblich schwächer war, aber auch aus den hohen Vorlaufkosten der in Brasilien in Bau befindlichen Stahlhütte.

Rein rechnerisch konnte diese Ergebnisminderung von den sich positiv entwickelnden Segmenten Anlagen- und Maschinenbau und Aufzüge/Fahrtreppen zwar kompensiert werden. Sie haben ihre Vorsteuerergebnisse auf 179 (148) Millionen beziehungsweise 119 (97) Millionen Euro ausgebaut. Aber der Edelstahleffekt schlägt auf die Gesamtzahlen voll durch. So büßte der Konzern beim betrieblichen Ergebnis (Ebitda) 424 Millionen Euro auf 1,08 Milliarden Euro ein. Um jeweils rund 35 Prozent verringerten sich der Quartalsüberschuss auf 435 Millionen Euro und das Ergebnis je Aktie auf 0,85 Euro.

Unternehmen sieht günstige Perspektiven

Nach dem absehbar schwachen Start sieht der Vorstand keinen Anlass, seine Jahresprognose zu korrigieren. Aus einem Umsatz von 53 Milliarden Euro soll bereinigt um die Vorlaufkosten der Stahlwerksbauten in Brasilien und den Vereinigten Staaten ein Vorsteuerergebnis von mehr als drei Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Das Unternehmen sieht die Perspektiven am Weltstahlmarkt weiterhin günstig, erwartet vor allem einen geringeren Importdruck aus China und eine Erholung am Edelstahlmarkt.

Die enormen Sachinvestitionen vor allem in Amerika schlagen sich inzwischen auch deutlich in der Finanzlage nieder. Ende des Quartals betrugen die Netto-Finanzverbindlichkeiten 859 Millionen Euro, während vor Jahresfrist noch 223 Millionen Euro Netto-Finanzforderungen ausgewiesen worden waren.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa

 
Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.413,75 -0,42
TecDax 723,19 +0,22
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.338,07 -0,49
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
Euro/Dollar 1,57 +0,14
Bund Future 111,18 +0,22
Gold 929,40 +0,19
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