Sonderausschüttung

Permira bekommt von Hugo Boss großzügige Dividende

Von Susanne Preuß

13. März 2008 Der Modekonzern Hugo Boss zahlt seinen Aktionären eine Sonderdividende und schüttet nach der Hauptversammlung im Mai insgesamt 445 Millionen Euro aus. Gut zwei Drittel davon entfallen auf den Großaktionär Permira, der damit einen Kredit ablöst. Diesen Beschluss fasste der Aufsichtsrat der Hugo Boss AG im schwäbischen Metzingen in einer Sondersitzung, nachdem die Arbeitnehmervertreter in der regulären Sitzung vor einer Woche massiven Widerstand geleistet hatten. Auch im zweiten Anlauf gingen der Entscheidung ausführlichen Diskussionen über die Geschäftspolitik und vor allem über die Dividendenpolitik der Zukunft voraus. Der Beschluss fiel erst am späten Dienstagabend und nur dank der Zweitstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Giuseppe Vita.

Permira hat damit seine ursprünglichen Ziele nicht erreicht. Der jetzt gefasste Beschluss über eine reguläre Ausschüttung von 100 Millionen Euro sowie einer Sonderdividende von 345 Millionen Euro entspreche in der Größenordnung dem, was bereits im Oktober vom damals noch amtierenden Boss-Vorstandsvorsitzenden Bruno Sälzer vorgeschlagen wurde, bestätigte Boss-Finanzvorstand Joachim Reinhardt gegenüber der F.A.Z.: „Das ist nun ein deutlich niedrigeres Niveau, als ursprünglich diskutiert wurde.“ Sälzer ist Mitte Februar wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftspolitik als Vorstandschef zurückgetreten. Ein Nachfolger wird noch gesucht.

„Ein Kompromiss, der dem Unternehmen gerecht wird“

Die nun vereinbarte Sonderdividende betrachtet Reinhardt durchaus als gangbaren Weg. „Sie ist ein Kompromiss, der dem Unternehmen gerecht wird. Als Vorstand haben wir die Interessen aller Stakeholder, also der Aktionäre, der Mitarbeiter, der Kunden und der Lieferanten, zu berücksichtigen. Es geht um die Zukunft von Hugo Boss, und auch die Interessen des Großaktionärs sind zu berücksichtigen.“

Reinhardt wies darauf hin, dass Permira unter dem Druck der finanzierenden Banken stehen dürfte, die Wert darauf legten, dass es innerhalb des faktisch entstandenen Valentino-Boss-Konzerns kein Ungleichgewicht gebe: demnach sollten die Schulden dort angesiedelt sein, wo auch das Vermögen sei. Durch die Sonderdividende werde nun das Eigenkapital bei Boss von 53 auf etwa 20 Prozent der Bilanzsumme reduziert, damit im Gegenzug die Fremdverschuldung bei Valentino verringert werden könne.

Reinhardt: Nicht die Möglichkeit von Akquisitionen verbaut

Mit der Ausschüttung der Sonderdividende verbaue sich Boss nicht die Möglichkeit von Akquisitionen, betonte Reinhardt. Eine Kreditlinie von 300 Millionen Euro sei vom Aufsichtsrat ebenfalls beschlossen worden. „Wir führen Gespräche, aber wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen“, sagte Reinhardt zu den Akquisitionsprojekten. In einem Fall sei Boss im Bieterverfahren zumindest vorläufig unterlegen, ein anderer Fall sei noch offen. „Permira ist grundsätzlich offen für Akquisitionen, aber sie müssen werttreibend sein.“ Der Finanzinvestor stelle aber das organische Wachstum in den Vordergrund. So gebe es bei der Damenmode noch große Wachstumspotentiale. Die Margen im Bereich Accessoires könnten noch verbessert werden.

Im Einzelnen können die Aktionäre mit einer Dividende von 1,46 Euro je Vorzugsaktie und 1,45 Euro je Stammaktie rechnen, das sind jeweils 26 Cent mehr als im Vorjahr. Die Zunahme entspricht damit in etwa der Steigerung des Konzernergebnisses, das um 20 Prozent auf 154 Millionen Euro stieg. Die Sonderdividende beträgt für beide Aktiengattungen 5 Euro je Aktie.



Text: F.A.Z., 13.03.2008, Nr. 62 / Seite 17
Bildmaterial: Christian Thiel - F.A.Z.

 
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