AIG schockiert die Börse

Die Kreditkrise trifft den weltgrößten Versicherer

Von Norbert Kuls und Stefan Ruhkamp

11. Februar 2008 Der nach Börsenwert größte Versicherungskonzern der Welt, American International Group Inc. (AIG), New York, hat am Montag die internationalen Aktienmärkte verunsichert. Der Aktienkurs von AIG brach im frühen Handel an der New Yorker Börse um zeitweise mehr als 10 Prozent ein, weil dem Konzern möglicherweise höhere Abschreibungen in Zusammenhang mit Hypothekenanlagen drohen.

AIG teilte in einer Eingabe an die Börsenaufsicht mit, dass die Bewertung seiner Kreditausfallversicherungen bei komplexen Hypothekenanleihen geändert werden müsse. Diese Anleihen stehen im Zentrum der aktuellen Hypothekenkrise, deren Auswirkungen bei zahlreichen Finanzkonzernen zu hohen Wertberichtigungen geführt hatten.

Ähnliche Hiobsbotschaft gab es bei der Swiss Re

AIG gab zudem bekannt, dass der Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers Mängel bei der internen Kontrolle von Bilanzierung und Bewertung der Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) festgestellt hatte. Börsianer fürchten nun, dass AIG Verluste ausweisen muß, und andere Finanzinstitute von ähnlichen Bewertungsfehlern betroffen sein könnten.

Eine ähnliche Hiobsbotschaft hatte es im vergangenen November schon einmal für Swiss Re gegeben. Das Unternehmen legte zunächst vermeintlich lupenreine Quartalszahlen vor und musste keine zwei Wochen später einen Milliardenverlust im Zusammenhang mit der Kreditkrise eingestehen.

Anleger fürchten, dass die Versicherer die Risiken kleinreden

Seit Monaten schlägt den Versicherern auf den Aktienmärkten das gleiche Misstrauen entgegen, von dem auch die Banken belastet sind, obwohl die Versicherer dem Augenschein nach weniger hart von der Kreditkrise betroffen sind. Viele Anleger befürchten, dass die Versicherer die Risiken ihrer Kapitalanlagen kleinreden oder nicht überblicken.

Das Eingeständnis von AIG hat diese Furcht abermals verstärkt. Dadurch gerieten auch die Aktien der europäischen Versicherer am Montag unter starken Verkaufsdruck. Der Branchenindex fiel um mehr als 3 Prozent. Das war gefolgt vom Index der Banken der größte Tagesverlust in Europa. Aktien der Münchener Rück büßten zum Beispiel 2,5 Prozent ihres Werts ein.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, Edgar Schoepal - F.A.Z.

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.420,54 +1,57
TecDax 825,22 +0,97
DowJones 11.690,35 +1,63
Nasdaq 2.403,29 +0,87
STOXX 50 3.359,42 +1,83
Nikkei 225 12.768,25 +0,12
S&P 500 Zert. 12,80 +1,03
Euro/Dollar 1,47 -0,31
Bund Future 114,09 -0,24
Gold 826,35 -0,24
Öl 116,25 +1,80
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