14. Mai 2008 Der amerikanische Milliardär Carl Icahn will Medienberichten zufolge doch noch eine Übernahme von Yahoo durch Microsoft durchsetzen. Dazu plane er eine Entmachtungskampagne gegen die Yahoo-Spitze und strebe an, die Kontrolle über mehrere Posten im Verwaltungsrat von Yahoo zu übernehmen, berichteten übereinstimmend das Wall Street Journal, der Fernsehsender CNBC und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Kreise.
Icahn sei vergangene Woche bei Yahoo eingestiegen und habe etwa 3,6 Prozent der Aktien gekauft. Bei der Anfang Juli anstehenden Hauptversammlung wolle er nun versuchen, drei bis vier der zehn Posten im Verwaltungsrat des Unternehmens zu besetzen, um die Politik des Unternehmens beeinflussen zu können. Icahn ist für seine Aktionärsattacken bekannt.
Microsoft hatte vor anderthalb Wochen ein zuletzt auf 47,5 Milliarden Dollar (31 Milliarden Euro) erhöhtes Kaufangebot für Yahoo zurückgezogen. Die Parteien hatten sich nicht auf einen Preis einigen können. Eine Reihe von Großaktionären ist über die Weigerung der Yahoo-Führung sehr verärgert, und einige Anteilseigner klagten schon gegen das Unternehmen.
Möglicherweise Unterstützung von anderen Aktionärsaktivisten
Unterstützung für sein Vorhaben könnte Investorenrebell Icahn von anderen Aktionärsaktivisten wie Scott Galloway und seiner Investmentfirma Firebrand Partners erhalten, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Finanzkreise. Galloway zog im April mit Unterstützung des Hedgefonds Harbinger Capital Partners in den Aufsichtsrat der New York Times ein, der dafür eine halbe Milliarde Dollar ausgab, um Einfluss auf das Verlagshaus zu gewinnen. Galloway wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.
Yahoo lehnte eine Stellungnahme zu Icahns Überlegungen ab. Ein Anwalt, der in früheren Kampagnen mit Icahn zusammengearbeitet hat, räumt dem möglichen Vorstoß des Milliardärs gute Chancen ein, falls Microsoft zu neuen Verhandlungen bereit sei. Die Erfolgsperspektiven sind ganz ordentlich, sagte Marc Weingarten, Jurist bei der Kanzlei Schulte, Roth und Zabel. Yahoo hat eine Menge unzufriedener Aktionäre. Und wenn jemand es schaffen könnte, das Unternehmen zu bewegen, würde ich die Chancen für eine Transaktion recht gut einschätzen. Icahn war es im vergangenen Jahr gelungen, den Softwarekonzern Oracle zurück an den Verhandlungstisch zu zwingen, um mit BEA Systems die zuvor abgebrochenen Übernahmegespräche wieder aufzunehmen.
Weitere Unterstützung bekommen die aufmüpfigen Anleger unterdessen von Yahoo-Aktionär Eric Jackson, der sich entgegen früherer Aussagen nun doch gegen eine Entlastung des Direktoriums einsetzen will. Er werde dafür werben, dass die Manager des Internetkonzerns nicht die Rückendeckung der Hauptversammlung bekomme, erklärte Jackson, Chef des Investmentfonds Ironfire Capital, am Dienstag in einem Schreiben an die Nachrichtenagentur Reuters.
Jackson lastet der Yahoo-Spitze das Scheitern der Übernahmeverhandlungen mit Microsoft an. Er hatte erklärt, gemeinsam mit einer Gruppe von anderen Anteilsinhabern eine Ablösung des Yahoo-Direktoriums zu prüfen. Im vergangenen Jahr war Jackson maßgeblich am Hinausdrängen des ehemaligen Yahoo-Chefs Terry Semel beteiligt.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP
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