Vom Gewerkschafter zum Manager

Transnet-Chef Hansen will Bahnvorstand werden

08. Mai 2008 Überraschender Wechsel vom Arbeitnehmer- ins Arbeitgeberlager: Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, ist von seinem Amt zurückgetreten und will nun Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn AG werden. „Ich habe heute dem Geschäftsführenden Vorstand der Transnet erklärt, dass ich meine politischen Ämter niederlege“, wird der 55-Jährige am Donnerstag in Berlin in einer Pressemitteilung zitiert. Er sei vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Bahn und aus Kreisen der Politik gefragt worden, ob er als Arbeitsdirektor zur Verfügung stehe. Dazu habe er sich bereit erklärt.

Nach Informationen der F.A.Z. drängt die SPD darauf, den Posten künftig mit einem Arbeitsdirektor zu besetzen, der nur mit Zustimmung der Gewerkschaften ernannt werden kann. Der Bahn-Aufsichtsrat, dem Hansen als stellvertretender Vorsitzender angehört, will am kommenden Donnerstag entscheiden, wie die Vorstände der Dachholding sowie der neuen Verkehrsgesellschaft besetzt werden sollen, die zu 24,9 Prozent an die Börse gehen soll.

Eine brisante Personalie

Die Personalie Hansen gilt als brisant angesichts der Tatsache, dass Transnet unter Führung des SPD-Mitglieds Hansen als einzige Gewerkschaft im DGB den Privatisierungskurs der Deutschen Bahn gegen große Widerstände unterstützt hat. Transnet will am Freitag über die Nachfolge Hansens beraten. Der Geschäftsführende Vorstand von Transnet begrüßte die Entscheidung Hansens demnach. Dadurch werde eine weitere Garantie für den integrierten Konzern und für die Sicherung der Beschäftigung im Unternehmen abgegeben.

Auch die Verkehrsgewerkschaft GDBA steht einem Wechsel Hansens in die Konzernführung aufgeschlossen gegenüber. „Es ist nicht das erste Mal, dass ein führender Gewerkschafter eine solche Aufgabe übernimmt“, erklärte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel. Trotzdem sind direkte Wechsel führender Gewerkschafter in Chefetagen der deutschen Wirtschaft selten. 2001 war der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft ÖTV, Herbert Mai, als Arbeitsdirektor zum größten deutschen Flughafenkonzern Fraport in Frankfurt gegangen. 1991 war der damalige GDBA-Bundesvorsitzende Adolf Hartmann zum Personalvorstand der Bundesbahn berufen worden.

„Im Zweifel streiten wir uns auch mit diesem Arbeitsdirektor“

„Wir können einen solchen Schritt nur begrüßen, weiß Norbert Hansen doch um die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter bei der Bahn“, sagte Hommel. „Natürlich unterliegt ein Arbeitsdirektor als Repräsentant der DB AG gewissen Sachzwängen, wir gehen aber davon aus, dass das Herz von Norbert Hansen auch künftig für die Arbeitnehmer schlägt“, erklärte der GDBA-Chef und ließ eine kleine Drohung folgen: „Im Zweifel werden wir uns auch mit diesem Arbeitsdirektor streiten, um die Einkommenssituation der Beschäftigten weiter verbessern zu können. Rücksicht, weil wir mal miteinander kooperiert haben, werden wir nicht nehmen.“

Die Bundesregierung hat erkennen lassen, dass sie zumindest in der Anfangszeit nach dem Börsengang den DB-Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn an der Spitze der beiden Gesellschaften Netz und Betrieb sehen will. Auch Finanzvorstand Diethelm Sack soll beiden Vorständen angehören. Unklar ist, ob auch Personalvorstand Margret Suckale ein Doppelmandat erhalten soll. Da diese Doppelmandate grundsätzlich kritisch zu sehen sind, könnte die Berufung Hansens ein Ausweg sein.



Text: F.A.Z., FAZ.NET
Bildmaterial: AP

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 7.060,86 +0,82
TecDax 838,20 +0,35
DowJones 12.745,88 -0,94
Nasdaq 2.445,52 -0,23
STOXX 50 3.830,16 +0,75
Nikkei 225 13.743,36 +0,64
S&P 500 Zert. 13,80 -1,08
Euro/Dollar 1,54 -0,22
Bund Future 114,85 -0,19
Gold 878,58 -0,73
Öl 122,46 +1,63
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche