
Wenn sich Joschka Fischer ärgert, dann ärgert er sich richtig, und seiner Umgebung bleibt es nicht verborgen. Zuletzt bekam es eine kleine Öffentlichkeit am vergangenen Freitag zu spüren, als der frühere Ober-Grüne gemeinsam mit Jane Fonda in Düsseldorf den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhielt. Fonda, ausgewiesene Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin, machte in ihrer Dankesrede den Fehler, darauf hinzuweisen, sie fahre einen Prius. Damit wollte sie mutmaßlich nicht für Toyota Werbung machen, sondern für den Umweltschutz. Fischer aber nahm den Hinweis fast persönlich. „Wenn Sie heute Jane Fonda gehört haben - ,I drive Prius' -, mich regt das immer auf, Entschuldigung”, wetterte er hinterher vor Journalisten.
Womöglich war der Schauspielerin entgangen, dass Fischer inzwischen als Lobbyist für die deutsche Industrie arbeitet. Er ist unter anderem Berater für BMW und lässt auf die Bayern und seinen neuen Arbeitgeber in München nichts kommen. Besonders gut gefällt ihm ein Vergleich: „Der BMW-Vorstandsvorsitzende Doktor Reithofer führt zu Recht immer an . . .”, sagt Fischer und dehnt dabei das „Recht” sehr in die Länge, „. . . den Übergang von der mechanischen zur elektrischen Schreibmaschine hin zur softwaregestützten Textverarbeitung. Selbst IBM hatte da plötzlich riesige Probleme.” Kleine Pause. Selbst IBM! BMW natürlich nicht: „Unter drei kann ich sagen: Ich habe den Computer schon gesehen.”
Fischer versteht sein neues Geschäft genauso gut, wie er sich früher auf die Politik verstanden hat. Rhetorik bleibt Trumpf. Mit Politik hat er nach eigenem Bekunden nichts mehr zu tun: „Es fällt euch schwer zu akzeptieren”, sagt er (Journalisten werden immer geduzt), „dass ich kein Politiker mehr bin. Ich leite zusammen mit meinen Partnern ein Unternehmen, wir sind zu siebt.”
Festnageln lässt sich Fischer nicht. Ein Grüner als (böser) Berater von „Atomkonzernen” wie RWE oder Siemens? Ach, hier gehe es doch eigentlich um Außenpolitik (Nabucco-Pipeline) oder Nachhaltigkeit. Fischer und Frieden mit der Wirtschaft gemacht? „Ich geb's zu: Ich mag Grenzüberschreitungen und hasse eingefahrene Schützengräben. Ich sag' immer: Lass mal in den anderen Graben rübergucken, vielleicht geht da was.” Ja, wir hatten es geahnt: einmal Grabenkämpfer, immer Grabenkämpfer.
F.A.Z.
Thiemo Heeg