20. September 2005 In der nach immer größeren Übernahmen gierenden Beteiligungsbranche gibt es seit zwei Jahren ein neues Phänomen: Private-Equity-Fonds schließen sich zu finanzstarken Bietergemeinschaften zusammen, um teure Unternehmenskäufe stemmen zu können.
Dadurch wagen sie sich zunehmend an Käufe in zweistelliger Milliardenhöhe heran. Jüngstes Beispiel ist die dänische Telefongesellschaft Tele Danmark, die derzeit von zwei Private-Equity-Bündnissen umgarnt wird. Der Kaufpreis könnte 11,3 Milliarden Euro betragen und läge damit über dem Preis, den eine Allianz aus sieben Private-Equity-Fonds in diesem Jahr für das amerikanische Technologieunternehmen Sungard bezahlte.
Große Egos
Die Private-Equity-Branche schiebt einen gewaltigen Kapitalberg vor sich her, der sinnvoll investiert sein will. Dank der Zusammenschlüsse, die im Branchenjargon Club Deals genannt werden, erweitern die Private-Equity-Fonds ihren Markt. Dadurch geraten auch große Konzerne in Reichweite der Beteiligungsgesellschaften, die für sie allein eine Nummer zu groß sind. Außerdem können sie durch diese Allianzen verhindern, daß die Preise in den Bieterverfahren um die Unternehmen zu sehr in die Höhe getrieben werden. Darüber hinaus haben die Private-Equity-Gesellschaften oft unterschiedliche Spezialisierungen und Expertisen, die sich ergänzen.
Doch das Jagen im Rudel birgt Risiken: Mancher Private-Equity-Manager räumt hinter vorgehaltener Hand ein, daß die Interessen von fünf, sechs oder sieben Finanzinvestoren kaum unter einen Hut zu bringen sind, wenn es etwa um den Zeitpunkt des Verkaufs geht. Auch können die oft großen Egos der Fondsmanager unsanft aufeinanderprallen, wenn sich das gekaufte Unternehmen nicht so entwickelt wie geplant.
Kandidaten: Linde oder MAN
In Deutschland sind Syndikate bislang die Ausnahme - auch weil es derart große Übernahmen hierzulande noch nicht gegeben hat. Doch es ist laut Branchenexperten nur eine Frage der Zeit, bis sich eine Koalition von Finanzinvestoren an einen der großen Brocken, etwa ein Dax-Unternehmen, herantraut. Kandidaten dafür gäbe es: Konglomerate wie Linde oder MAN etwa.
Ein andere Form der Allianz dagegen ist nun auch schon in Deutschland das eine oder andere Mal gesehen worden: ein Pakt zwischen einem Finanzinvestor und einem strategischen Bieter. So hat derzeit die Postbank mit dem Finanzinvestor Cerberus ein Bündnis geschmiedet, um den Finanzdienstleister BHW und dessen Hypothekenbank AHBR zu erwerben.
Vorreiter Zeiss
Hellman & Friedman hilft Springer dabei, Prosieben Sat.1 zu kaufen. Ein Vorreiter war der Optikkonzern Zeiss, der 2004 gemeinsam mit dem schwedischen Private-Equity-Haus EQT den Brillenglashersteller Sola erwarb. Die Gründe sind vielschichtig: Mal haben die Partner Interesse an unterschiedlichen Teilen des Übernahmeobjekts, wie das Bündnis von Postbank und Cerberus zeigt.
Mal ermöglicht die Beteiligungsgesellschaft dem Partner die Finanzierung einer Übernahme. Dies geschieht bei dem jüngst bekanntgegebenen Kauf der Fischrestaurant-Kette Nordsee durch den ehemaligen Großbäcker Heiner Kamps. Ihm griff die japanische Nomura unter die Arme.
Text: da., F.A.Z. vom 17.September 2005
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