Finanzkrise

Milliardenloch bei Merrill Lynch größer als erwartet

18. Juli 2008 Die angeschlagene amerikanische Investmentbank Merrill Lynch hat nach neuen enormen Abschreibungen ihren vierten Milliardenverlust in Folge erlitten. Sie zählt damit zu den weltweit größten Opfern der Kreditkrise. Im zweiten Quartal stürzte die Bank mit 4,7 Milliarden Dollar weit tiefer ins Minus als von Experten erwartet. Binnen vier Quartalen summierten sich die Verluste der drittgrößten amerikanischen Investmentbank damit auf rund 19 Milliarden Dollar (12 Milliarden Euro).

Allein in den vergangenen drei Monaten fielen neue Wertberichtigungen von fast 10 Milliarden Dollar an, räumte Merrill Lynch am Donnerstag nach dem amerikanischen Börsenschluss in New York ein. Die Abschreibungen der Bank im Zuge der Kreditkrise erreichen damit inzwischen rund 40 Milliarden Dollar. Weltweit mussten Banken bislang deutlich mehr als 400 Milliarden Dollar an Wertberichtigungen verbuchen.

Merrill Lynch hatte zuletzt im zweiten Quartal 2007 schwarze Zahlen geschrieben. Damals wurde ein Gewinn von 2,1 Milliarden Dollar ausgewiesen. Für dringend benötigtes frisches Kapital trennt sich die Bank nun von ihrem lukrativen 20-Prozent-Anteil am Finanzdaten- Anbieter Bloomberg.

Der Verkauf der Beteiligung an dem Konzern des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg bringt rund 4,4 Milliarden Dollar ein. Weitere 3,5 Milliarden Dollar sollen über einen anderen Anteilsverkauf hereinkommen. Überlegungen, die Beteiligung von 49 Prozent am Vermögensverwalter Blackrock zu verkaufen, wurden hingegen verworfen

In einem Jahr fast zwei Drittel des Börsenwerts verloren

Unter den Investmentbanken schlägt sich Branchenführer Goldman Sachs in der Krise bisher am besten. Aber auch die Nummer zwei, Morgan Stanley, schrieb zuletzt schwarze Zahlen. Merrill Lynch trägt mit den gigantischen Verlusten mit Abstand die rote Laterne. Allerdings blieb ihr ein Notverkauf wie der fünftgrößten Investmentbank Bear Stearns bisher erspart.

Der seit Ende vergangenen Jahres amtierende Merrill-Lynch-Chef John Thain verschaffte der Bank frisches Kapital in Milliardenhöhe und streicht derzeit mehr als 4000 der Ende 2007 noch rund 63.000 Stellen. Seit dem Ausbruch der Kreditkrise vor gut einem Jahr verlor Merrill Lynch fast zwei Drittel des Börsenwerts. Auch nach den jüngsten Quartalszahlen kam die Aktie nachbörslich massiv unter Druck. Die Erträge der Bank lagen im vergangenen Quartal mit 2,1 Milliarden Dollar im Minus nach plus 9,5 Milliarden Dollar im Vorjahr.



Text: dpa
Bildmaterial: AP

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